Ein kleines Gedankenexperiment: Stellt euch vor ihr seid eingeschlossen im legendären Warehouse No. 1 von Laphroaig. Draußen heult der Wind und die Wellen peitschen gegen die schroffen Felsen auf denen das Lagerhaus seit über 200 Jahren den Naturgewalten trotzt. Nur schemenhaft könnt ihr die Fässer erkennen, die in drei Lagen übereinander gestapelt sind. Doch da vorne brennt fahles Licht…

Ihr kommt näher und seht, dass Master Distiller John Campbell auf einem Fass zwei Flaschen drapiert hat (wie nett von ihm):

Collage: Alkoblog

Laphroaig 25 Jahre und Laphroaig 30 Jahre

John drückt euch lächelnd ein Nosing-Glas in die Hand und sagt: „Wählt, aber wählt weise!“

Foto: Alkoblog

Es ist klar, dass ihr nur einen der beiden Malts probieren könnt. Welchen würdet ihr wählen?

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich hätte mich spontan vermutlich für den Laphroaig 30 Jahre entschieden. „Age matters“, dieses uralte Credo, welches von Generation zu Generation unter uns Whisky Nerds weitergegeben wird, hätte seine Wirkung nicht verfehlt. Und wie oft hat man schließlich einen 30 Jahre alten Single Malt im Glas?

Tatsächlich denke ich inzwischen, dass der Laphroaig 25 Jahre im direkten Vergleich die bessere Wahl wäre.

Zwei Gründe, die aus meiner Sicht für den jüngeren Whisky sprechen:

  1. Die Wahl der Fässer: Der Laphroaig 30 Jahre erhielt seine „Double Maturation“ in zwei Ex-Bourbon-Fässern. Für den 25-jährigen wurde hingegen ein Ex-Bourbon-Fass mit einem Finish im Ex-Sherry-Cask kombiniert. Das bringt typischerweise vom Wein geprägte Aromen und mehr Fruchtigkeit in den Malt.
  2. Die Lagerzeit: Jahr für Jahr baut ein getorfter Malt im Holzfass seine wilden Rauch- und Torfnoten ab. Er tauscht Rauch gegen Reife ein. Wer ersteres schmecken möchte, sollte also nicht zu lange warten. Jünger kann bei Islay Single Malts manchmal besser sein!

Für beide Whiskys gibt es natürlich gute Argumente. Der Laphroaig 30 Jahre ist ein weicher, ausgewogener und vielschichtiger Whisky. Kurzum, er ist großartig! Aber wer mehr Power bei den Rauch- und Torfnoten möchte, der kommt in meinen Augen um den – zudem noch deutlich günstigeren – Laphroaig 25 Jahre nicht herum!

Der Laphroaig 25 Jahre kommt in einer schicken Holzkiste (Foto: Alkoblog)

Unser Tasting des Laphroaig 25 Jahre

Wie riecht er?

Ein Vierteljahrhundert hat der Laphroaig im Fass verbracht und womit empfängt er uns? Ordentlich Smoked Ham! Ein richtig schöner salzig-rauchiger Schinkenduft liegt in der Luft. Dazu verkohltes Holz und Pfeifenrauch. Eine süßliche Note gesellt sich dazu, die in jüngeren Laphroaigs nicht zu finden ist. Sie erinnert entfernt an Muffins mit Bananen oder Ananas mit einer Spur Karamell. Nach hinten raus ist der Laphroaig 25 schön rauchig mit einem Hauch Seegras.

Wie schmeckt er?

Auch hier keine Spur von Altersmüdigkeit: Kräftig rauchig nebelt der Laphi 25 los. Er serviert Honigschinken, Birnenkompott und Honigmelone, garniert mit dunklen Trockenfrüchten. Eine angenehm dezente, keine kitschige Süße. Sie wird ausbalanciert von salzigen Noten, die ins Mineralische gehen. Der Malt prickelt auf der Zunge, ist nicht so trocken wie erwartet. Eine feine Würzigkeit, die an Pfefferkuchen und verbranntes Holz erinnert, blitzt immer wieder auf. Auch der Torf ist konstant vorhanden, wenngleich eher im Hintergrund eingebunden. Der Abgang ist wie zu erwarten schön lang, mit feinem Rauch und ohne die medizinische Note junger Laphroaigs. Das rauchige Grillaroma bleibt ewig im Mund zurück.

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Laphroaig 25 Jahre im Whisky-Test
Gestaltung & Story96
Geruch88
Geschmack94
Preis-Leistung96
94
Best-Ager
Fazit
Gibt es das perfekte Alter für einen Whisky? Wenn ja, dann hat der Laphroaig 25 Jahre es ohne Zweifel. Der kraftvolle Rauch und Torf ist noch nicht abgeschliffen wie bei ältereren Abfüllungen, dieser Whisky gibt von der ersten Sekunde an Vollgas. Die feinherbe Fruchtigkeit bildet einen gelungenen Gegenpol zu den maritimen Noten und bringt geschmackliche Vielfalt in den Malt. Im Vergleich gefällt uns der Laphroaig 25 Jahre deutlich besser als der Laphroaig 18 Jahre – mit dem 30-jährigen liegt er etwa gleich auf. Hier stellt sich die Frage, ob man Reife oder Rauch bevorzugt. Am Ende könnte dabei auch der Preis entscheiden: Der Laphroaig 25 kostet etwa 300 Euro - der Laphroaig 30 stolze 900 Euro. Es sind fünf Jahre, die sich die Destillerie gut bezahlen lässt.

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