Whisky

Veröffentlicht am 21. März 2015 | Foto: Alkoblog

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18 Jahre und kein bisschen weise? Laphroaig 18 im Test

„Ich habe manchen Kratzer abgekriegt, zu sagen, es war halb so schlimm, es wär‘ gelogen.
Ich habe längst nicht immer nur gesiegt, die Pose hat darüber weggetrogen.“ – Curd Jürgens in 60 Jahre und kein bisschen weise

Laphroaig ist ein Whisky, der den rauen Charme kultiviert hat. Ein Whisky mit Kratzer sozusagen. Das sieht man schon an der Flasche: Grünes Glas, ein Etikett ohne Schnörkel oder typografische Spielereien. Und der Geschmack erst: Torfig, rauchig, medizinisch knüppelt zum Beispiel der Laphroaig 10 seine Aromen raus. Ein Malt, der nicht jedem gefallen will. „Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn“ – dieser Slogan verkörpert idealtypisch das raue, kratzige Image der Islay-Destillerie.

Nun also der Laphroaig 18 Jahre: Acht Jahre älter, acht Jahre mehr Zeit im Bourbonfass – auch acht Jahre näher an der Weisheit? In Whisky-Blogs rund um die Welt wird dem Senior des Öfteren eine gewisse Altersmilde attestiert. Gepaart mit der Vermutung: Da wäre noch mehr gegangen. Was uns direkt zu der Frage führt, was wir eigentlich von einem 18 Jahre alten Single Malt erwarten: Zum Beispiel komplexe, vielschichtige und intensive Aromen, der Geschmack von Reife (häufig in Form von dunklen Aromen wie Rosinen oder gebohnertem Holz) und ganz klar eine Steigerung zu jüngeren Whiskys derselben Destillerie. Wir trinken einen 18-jährigen schließlich nicht, weil er so alt und teuer ist, sondern weil er mehr verspricht. Eine Krönung des Genusses.

Kann der Laphroaig 18 Jahre dieses Versprechen einlösen?

Unser Whisky-Test des Laphroaig 18

Wie riecht er?

Die Überraschung gleich nach dem Einschenken: Dieser Whisky ist sehr hell im Glas. Fast haben wir geglaubt, dass die Destillerie den Farbstoff vergessen hat (ist aber drin). Wieder ein Beleg dafür, dass man an der Farbe rein gar nichts ableiten kann. Vom Geruch ist der Laphroaig 18 weniger rauchig als erwartet. Reife Früchte wie Birnen und Aprikosen auf Vanille-Karamell-Pudding. Dann die kleine Hafenrundfahrt: Salz, Algen, Meeresluft und Torf. Aber gedämpfter als beim Laphroaig 10. Die Fahrt endet an einem „Chippie“, einer Fish-and-Chips-Bude, wie man sie in jedem noch so kleinen Dorf in Schottland finden kann. Ein üppiger, fettiger Geruch nach Butter und Bratfett. Dazu feuchtes Gras, helle kräuterige Noten alá Petersilie und Estragon. Irgendwie auch säuerlich. Mit zunehmender Standzeit riecht der „Laphi“ weniger angenehm: Nasser Aschenbecher, kalter Rauch, ein aufreibender, unruhiger Geruch. Nicht zum Wohlfühlen, aber doch komplex und vielschichtig.

Wie schmeckt er?

Eindeutig ein Laphroaig! Torf und Rauch sind deutlich intensiver, als vom Geruch her erwartet, aber schwächer als beim Laphroaig 10. Allerdings fehlen die medizinischen Noten komplett. Aber ein variabler Whisky: Im Mittelteil relativ süß wie eine Ananas (positiv) oder Süßstoff (naja). Dann frisch nach Minze und Menthos-Drops. Trocken, fordernd und stürmisch fordert der Laphroaig 18 unsere Aufmerksamkeit. Kein gemütlicher Whisky, sondern ein heißblütiger Ritt, eine wilde Romanze auf Seegras. Hinten trocken mit viel Holz, dazu kalter Rauch und Aschenbecher. Puuh, erst mal das Glas absetzen, den Gaumen relaxen.

Lässt man ihn etwas atmen, entspannt sich der Laphroaig 18, wirkt runder. Wie ein alter Dieselmotor, der sich im Winter erst mal warmlaufen muss und auf die Distanz punktet. Vielleicht zieht er seine Aromen dabei etwas zu geradlinig durch, der Malt wirkt dadurch weniger komplex als andere 18-jährige und in schwachen Momenten fast ein wenig eindimensional. Als „gezähmten Wilden“ das WhiskyFanBlog den Laphroaig 18 in ihrem Test einmal bezeichnet, dieser Begriff passt finde ich ganz gut. Zugleich haben wir aber auch das Gefühl: Von diesem Whisky hätten wir mehr erwartet. Ich bin der letzte, der jeden Whisky in ein Sherryfass packen möchte, aber vermutlich würde ein ausgefeilteres Finish diesem Single Malt gut tun.

Aufschließen bringt nichts

Ein paar Tropfen Wasser können bei vielen Whiskys kleine Wunder bewirken, was den Geschmack angeht. Beim Laphroaig 18 bringt das „Aufschließen“ dagegen fast gar nichts: Die Aromen sind etwas breiter, aber auch flacher. Der 18-jährige verliert an Struktur. Der Geschmack wandelt sich in Richtung Vanille-Puddingschnecke (vermutlich ein Hinweis auf die Reifung im Ex-Bourbon-Fass). Gleichzeitig schmeckt er aber schwammig, unpräzise und irgendwie seifig. Der Laphroaig hat in diesem Zustand nicht mehr die Power, um durchzuziehen und neue Aromen zu entfalten.

Vergleich Laphroaig 10 Jahre vs. 18 Jahre

Kurz und knapp: Der 10er ist viel wuchtiger, intensiver, rebellischer. Eine Torfwucht die Ihresgleichen sucht. Medizinische Noten und Jod. Der 18-jährige ist spürbar milder, Rauch und Torf wurden über die Jahre langsam abgebaut. Das Problem: Beim Laphroaig 18 kommt dahinter nicht viel, er hat kaum an Komplexität gewonnen. Und ein Laphroaig ohne betäubenden Rauch, Torf und Jod ist eben einfach eine etwas lahme Sache. Angesichts des großen Preisunterschieds (Laphroaig 10 rund 30 Euro vs. Laphroaig 18 rund 70 Euro) würden wir zur jüngeren Abfüllung raten.

Oder wie Curd Jürgens es wohl formuliert hätte: „Du sagst, du wärst nicht oberflächlich, wie du scheinst, was soll ich von dir halten? Denn Reife, Kind, wenn du das wirklich meinst, hat nichts zu tun mit Falten.“

Wir danken Whiskyonline24.de für die Zusendung des Tasting-Exemplars.

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Alkoblog.de Whisky-Test: Laphroaig 18

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Der Laphroaig 18 ist nicht nur acht Jahre älter als die 10-jährige Standardabfüllung, er ist auch weicher, geschliffener und runder. Der wilde ungestüme Rauch ist verflogen, der Torf abgebaut und die medizinischen Noten verheilt. Zurück bleibt ein Whisky, der im Geschmack nicht ganz zur alten Stärke zurückfindet. Der 10er bleibt für uns erste Wahl.

3.8



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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