Die Dampflok von Islay: Lagavulin 16 Jahre im Test

Wart ihr schon mal auf Rügen? So richtig im Urlaub, mit Kamera und allem? Dann ist euch sicher schon mal der „Rasende Roland“ quer durch die Linse gefahren. Ich weiß noch wie fasziniert ich als Kind von dieser Eisenbahn war. Ein schwarzes, stampfendes Ungetüm aus Stahl. Und da sollte ich mitfahren? Viel mehr noch als das Aussehen ist mir der Geruch der Dampflok in Erinnerung: Dieser rußig-kohlige Geruch der durch die offenen Fenster hereinwehte und sich über die Jahre auch in den Holzverkleidungen der Waggons festgesetzt hatte. Eine Mischung aus Asche und Rauch, die nur vom tiefen, stampfenden, in den Kurven heulenden Sounds des Rasenden Rolands überboten wurde.

Lagavulin riecht wie eine Dampflok bei voller Fahrt

Ich war schon länger nicht mehr auf Rügen. Die Dampfloks der Kleinspurbahn fahren noch immer über die Insel. Rund 24 Kilometer von Putbus über Binz, Sellin und Baabe bis nach Göhren. Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern – der „rasende“ Roland ist in Wirklichkeit eine Bummelbahn. Doch in meiner Erinnerung bleibt er natürlich ein wildes Ungetüm. Weshalb ich an den Rasenden Roland denken musste? Es war der Geruch des Lagavulin 16 Jahre – und der ist mittlerweile ein mindestens ebenso großes Wahrzeichen für Islay wie es der Rasende Roland für die Insel Rügen ist.

Die Lagavulin-Destillerie auf Islay (Foto: Alkoblog)
Die Lagavulin-Destillerie auf Islay (Foto: Alkoblog)

Ein Islay-Whisky wie ein Wahrzeichen

Einem solchen Klassiker vollends gerecht zu werden ist keine leichte Aufgabe. Vor allem wenn die Flasche in Whisky-Kreisen einen solchen Referenz-Status wie der Lagavulin 16 Jahre genießt. An ihm müssen sich die Laphroaigs, Ardbegs, Bowmores, Bruichladdichs, die Bunnabhains, Caol Ilas und Kilchomans messen lassen. Eine solche Position bringt aber auch eine gewisse Erwartungshaltung beim Tasting mit sich. Wird der Lagavulin diese erfüllen können? Oder anders gesagt: Ist der „Laga“ wirklich so gut, wie alle immer behaupten?

Stilvolle Flasche: Der Lagavulin 16 Jahre lässt sich optisch nicht lumpen (Foto: Amazon)
Stilvolle Flasche: Der Lagavulin 16 Jahre lässt sich optisch nicht lumpen (Foto: Amazon)

Klar sind die Fakten: Bei Lagavulin setzt man entgegen dem aktuellen NAS-Trend erfreulicherweise weiter auf Whiskys mit Altersangabe. Neben dem 16-jährigen gibt es seit einiger Zeit aber auch einen 12-jährigen Single Malt im Angebot. Mit ihm reagiert die Destillerie auf die hohe Nachfrage nach dem 16er – und spart immerhin vier Jahre Lagerzeit ein. Doch der Beliebtheit des älteren Klassikers hat das keinen Abbruch getan. Der Lagavulin 16 reift überwiegend in Ex-Bourbon-Fässern aus amerikanischer Eiche und erhält dann ein Finish in Ex-Sherry-Casks. Wie wir im Tasting gleich feststellen werden, trägt letzteres vielleicht zur Tiefe und Komplexität des Whiskys bei, nicht jedoch zu einer wirklich klar erkennbaren Sherry-Note im Malt.

Unser Tasting des Lagavulin 16 Jahre

Wie riecht er?

Da ist sie schon, die Dampflok von Islay! Rauch, Teer und natürlich Torf prägen den Geruch. Ein vulkanischer, warmer und unendlich dunkler Geruch! Schwere Ledersofas in einem Salon mit Holzvertäfelung. Bohnerwachs und Moschus schwängern die Luft. Auf dem Tisch: Eine Tafel dunkle Herrenschokolade. Nur ein Traum? Nein der Geruch vom Lagavulin 16. Ein ehrlicher Duft, der mit einem Hauch Kirschwasser und verbranntem Holz unwillkürlich Lust auf den ersten Schluck macht.

Wie schmeckt er?

Kaum im Mund, schon gehen die Mundwinkel nach oben. Das ist ein Islay-Whisky wie er im Kursbuch steht! Wer Rauch, Asche, Torf und Grillkohle nicht mag, kann hier gleich aufhören weiterzulesen (und spart immerhin knapp 30 Sekunden Lesezeit bis zum Fazit). Denn der Lagavulin spielt genau mit diesen Aromen. Was heißt spielt: Er kickt einem den Ball mit voller Wucht zu und ruft dabei „Fang doch!“. Nein schüchtern ist dieser Whisky nicht, eher ein Draufgänger. Doch er bleibt dabei charmant: Die medizinischen Noten eines Laphroaig finden sich beim Lagavulin nicht. Und im direkten Vergleich wirkt der Ardbeg 10 torfiger. Natürlich könnte man dem Lagavulin 16 vorwerfen, dass er bis auf die genannten Rauch- und Torfnoten nicht wahnsinnig viel mehr im Gepäck hat. Früchte? Fehlanzeige. Sherry? Kaum schmeckbar. Unkomplex ist er deshalb nicht: Mit Leder, Kakao und dem Geschmack von feuchter Erde bleibt er vielmehr seiner Aromenwelt treu. Der Schuster bleibt bei seinen Leisten und der Lagavulin ganz klar ein wildes Kind von Islay. Wer neben Rauch und Torf auch Lust auf fruchtige Aromen hat, sollte sich unseren Test zur 16-jährigen Lagavulin Distillers Edition anschauen.

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Wir danken Whiskyonline24.de für die Zusendung des Lagavulin 16 Jahre.

Lagavulin 16 Jahre
Gestaltung & Story90
Geruch87
Geschmack85
Preis-Leistung90
88
Fazit
Endlich mal wieder ein Whisky der hält, was der Geruch verspricht: Der Lagavulin spielt gekonnt auf der Klaviatur der Islay-Aromen. Rauch, Torf, Leder, Kakao - der Lagavulin 16 ist ein komplexer Zeitgenosse. Ein Alleskönner ist er deshalb nicht, aber dennoch ein großer Whisky. Rund 50 Euro lassen sich wesentlich schlechter anlegen als in dieser Flasche.

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