Whisky

Veröffentlicht am 5. Mai 2015 | Die Lagavulin-Destillerie auf Islay | Foto: Alkoblog

0

Stürmische Stunden: Lagavulin 12 Jahre Cask Strength im Test

Einer der Regenschauer, die auf Islay zu dieser Jahreszeit etwa alle zehn Minuten niedergehen, erwischt uns als wir gerade bei Lagavulin aus dem Auto steigen. Macht nichts: Kapuze auf und rein in die gute Stube. Gemütlich eingerichtet ist der Tasting Room bei Lagavulin und wenige Minuten später haben wir auch schon den ersten Single Malt im Glas: Ein 12-jähriger in Cask-Strength mit 56,2 % Alkohol.

Vor- und Nachteile von Whiskys in Fassstärke

Cask-Strength-Whiskys haben einen deutlich höheren Alkoholgehalt als viele Standardabfüllungen mit ihren 40 Prozent. Kenner schwören auf die Fassstärke, verspricht sie doch einen stärkeren Geschmack und noch mehr Aromen. Auch lässt sich durch die Zugabe von Wasser der Whisky auf die ganz persönliche Trinkstärke verdünnen. Auf der Kehrseite sind Whiskys mit 50% und mehr häufig sehr wuchtig, der Alkohol kann feinere Noten überdecken, hinten unangenehm brennen. Wird dies hier auch so sein?

Ein Tanz auf dem Vulkan?

Der 12 Jahre alte Lagavulin ergänzt die 16-jährige Standardabfüllung nach unten hin. Ein jüngerer Lagavulin mit mehr Prozent – das verspricht ein heißer Tanz auf dem Vulkan zu werden! Gelagert wird der Cask Strength wie auch sein großer Bruder ausschließlich in ehemaligen Bourbon-Fässern. Anders als beim 16er entfällt aber das Verdünnen mit Wasser im Zuge der Abfüllung in Flaschen.

lagavulin-meerblick

Unsere Verkostung des Lagavulin Cask Strength

Wie riecht er?

Ein Duft wie gemacht für stürmische Stunden: Sehr viel Torf und Rauch und der Geruch von Grillfeuer steigen aus dem Glas empor, kaum dass der Cask Strength eingeschenkt wird. Die übrigen Aromen brauchen ein wenig, bis sie ihren Weg durch den dichten Alkohol gefunden haben: Wir riechen trockenes Gras, Salz und dunkles Holz. Hinten etwas Meersalz, insgesamt ein trockener, ernster, keineswegs fruchtiger Whisky.

Wie schmeckt er?

Ein kräftiger, wärmender Whisky. Viel Rauch und Asche auf der Zunge. Dazu Getreide und der Alkohol. Die Aromen ansonsten eher schmal, dadurch wirkt interessanterweise trotz des höheren Alkoholgehalts leichter und spritziger als der Lagavulin 16. Das Finish ist lang und ausdauernd mit ordentlich Rauch und Torf.

Aufschließen absolut empfohlen

Behutsam geben wir zwei Tropfen Wasser ins Nosing-Glas. Die Belohnung folgt auf dem Fuß mit einem deutlich breiteren Rauch-Geruch. Der Duft erinnert uns an Fleisch wie bei einer Bolognese-Sauce (vielleicht hatten wir zu diesem Zeitpunkt auch schon Hunger). Auch im Mund verteilen sich Rauch und Torf jetzt breiter, es sind mehr Nuancen von beidem zu schmecken. Im Nachgang kommt etwas Leder hinzu.

Alkoblog.de Whisky-Test: Lagavulin 12 Cask Strength

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Samuel: Der Lagavulin 12 Cask Strength ist ein starker, torfiger und wilder Whisky. Ähnlich wie beim Lagavulin 16 liegt seine Stärke in den rauen Rauch- und Torf-Noten und weniger in einer vielschichtigen Komposition. Ein schöner Dram für Regentage, der sich prima nebenbei trinken lässt, dem intensiveren 16er aber seinen Rang nicht streitig macht. Für den hohen Preis von fast 90 Euro gibt es schon fast zwei Flaschen vom Lagavulin 16.

3.7



Schlagworte: , , , , , , , ,


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


Nach oben ↑

Mehr in Whisky
Der Harmlose: Johnnie Walker Black im Test

Der VW Golf unter den Johnnie Walkers gibt sich betont unscheinbar: Kann das in unserem knallharten Whisky-Test gut gehen? Wie sich der schwarze Johnnie im Vergleich schlägt

Schließen