Kilchoman ist die jüngste und kleinste Destillerie auf der bekannten Whiskyinsel Islay. Inmitten von Gerstenfeldern und ein kleines Stück vom Meer entfernt, liegen die Brennereigebäude auf einem Bauernhof. Man hört die Kühe im Stall muhen, in den Wellblechhütten gleich nebenan wird der Whisky gebrannt. Diese Form der Farm-Destillerie ist selten geworden in Schottland und hat ihre Ursprünge bei den Schwarzbrennern früherer Zeiten. Damals als die Bauern ihr Getreide als Nebeneinnahme einfach heimlich selbst in Schnaps verwandelten und keinen Penny Steuern zahlten.

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Blick auf Machir Bay nahe der Kilchoman-Distillery

Doch die ländliche Idylle soll nicht täuschen: Mit rund 150.000 Litern pro Jahr ist Kilchoman im zehnten Jahr nach seiner Gründung 2005 trotzdem schon größer als andere Farm-Destillerien wie etwa Edradour (ca. 100.000 Liter). In Kürze will Kilchoman sogar 200.000 Liter jährlich brennen. Und so steht in den Blechschuppen modernste Technik zum Mälzen, Destillieren, Vermählen und Abfüllen des Whiskys.

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Hier wird gemälzt…

Kilchoman legt großen Wert darauf, einen Teil seiner Gerste auf Islay anzubauen und selbst zu mälzen. Gut 20 % der Produktion lässt sich so abdecken, die restlichen 80 % Gerste kommen vom Festland und werden in den Port Ellen Maltings, einem großen Industriebetrieb von Diageo, gemälzt. Die eigene Mälzung wird mit 20-25 pm Torfgehalt durchgeführt, die zugekaufte Gerste von Port Ellen mit stärkeren 50 ppm (ähnlich wie Ardbeg).

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Die Brennblasen wurden speziell für Kilchoman konstruiert

Eine weitere Besonderheit ist die lange Gärzeit von 100 Stunden. Diese soll dem Whisky zusätzliche Fruchtnoten verleihen. Das lässt sich naturgemäß nicht überprüfen, setzt doch jede Destillerie ihre eigene Zeitspanne fest. Nach der Destillation in eigens für Kilchoman konstruierten Brennblasen wird der New Make in First-Fill-Bourbonfässer von Buffalo Trace gefüllt. Ausnahme ist der Kilchoman Loch Gorm: Dieser darf ins Sherryfass und dort seine Aromen ziehen.

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Alkoblogger Sam füllt Whisky ab (leider nicht für sich selbst…)

Die Whiskys von Kilchoman sind sehr jung: Das erste Fass wurde im Dezember 2005 abgefüllt, die erste Flasche nach gut dreieinhalb Jahren im September 2009 verkauft. In diesem Jahr feiert die Destillerie ihren 10. Geburtstag und hat ihre Palette erweitert. Interessanterweise spielen Age Statements dabei fast keine Rolle.

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Noch ein Korken drauf…
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…und ab in den Karton

So gab es bei unserem Tasting neben einem kleinen Schluck New Make einen Kilchoman Machir Bay mit 5 Jahren, einen 100% Islay 4th Edition mit 5-6 Jahren, einen Loch Gorm 2015 mit 5 Jahren und ein Single Cask Release 2014 mit gut fünfeinhalb Jahren zu probieren. Man muss es offen sagen: Diese Whiskys schmecken alle sehr jung, der New Make kommt deutlich durch und so erinnern sie zum Teil eher an einen (freilich rauchigen) Korn. Am besten hat uns noch der Single Cask gefallen, der schon etwas mehr Reife und Charakter zeigte.

Eine Aussage auf der Tour verwunderte uns hingegen: So will Kilchoman den Standard Machir Bay voraussichtlich bei 5 Jahren stabil halten – aus unserer Sicht eine merkwürdige Entscheidung, da der Whisky doch sehr leicht, dünn und etwas spritig wirkte. Eben kein Vergleich mit Single Malts der Kategorie ab 10 Jahre. Andere Deutsche auf unserer Tour fuhren hingegen total auf diesen New Make-Charakter ab. Nun ja, wem es schmeckt…

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Kilchoman-Abfüllungen im Besucherzentrum

Gegründet wurde Kilchoman übrigens 2005 von Anthony Wills, einem Weinhändler und unabhängigen Abfüller. Im Netz kursiert die Story, dass er sich auch in Zukunft einen beständigen Nachschub an Whisky für sein Geschäft sichern wollte. Auf unserer Destillerie-Tour wurde hingegen erzählt, dass Anthony Wills keinen Whisky auf dem Markt gefunden habe, der seinen Geschmack perfekt treffe. Was soll man da glauben? Wir vermuten, dass auch ein gutes Stück Geschäftssinn im Spiel war. Nicht umsonst wurde Kilchoman in der wohl beliebtesten schottischen Whiskyregion auf Islay ins Leben gerufen und nicht irgendwo auf einer versteckten Farm in den Lowlands.

Und so sind die Touristen als fester Teil des Geschäftskonzeptes mit eingeplant: Das Besucherzentrum ist größer als das der meisten anderen Islay-Destillerien. Angeboten werden neben den eigenen Abfüllungen unzählige Souvenirs und Merchandise-Produkte zu überwiegend stolzen Preisen. Und auch beim Whiskyhändler hierzulande dürfte mancher Genießer mit den Ohren schlackern: Satte 45 Euro werden für eine Flasche 5-jährigen Machir Bay 2014 aufgerufen.

Auch wenn die bisher von Kilchoman verkosteten Whiskys uns noch nicht vom Hocker gerissen haben, bleibt es dennoch spannend, wie es mit der Islay-Destillerie weitergeht. Wird es in Kürze zum Beispiel einen 10-jährigen Single Malt geben? Dieser könnte zeigen, welches Potenzial in der jüngsten Destillerie der Hebrideninsel steckt. Wir sind gespannt!

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