Wer Whisky sagte, meinte bis vor wenigen Jahren praktisch immer: Scotch Whisky. Die Schotten waren mit ihren Destillaten so allgegenwärtig, dass eine andere Herkunft gar nicht in Frage zu kommen schien. Und natürlich wird bei Destillerie-Touren lang und breit erklärt, dass das spezielle Mikroklima auf der britischen Insel und in der jeweiligen Region im speziellen einer der wichtigsten Faktoren für den Geschmack des Whiskys ist.

Ja, das Klima ist natürlich ein Faktor. Genauso wie es die Erfahrung mit der Herstellung ist, die Verfügbarkeit von guten Holzfässern und hochwertiger Gerste. Aber eigentlich spricht nichts dagegen, einen guten Whisky nicht auch woanders herzustellen. Zum Beispiel in Taiwan.

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Nüchterner Charme: Die Kavalan Destillerie in Yuanshan, Taiwan (Foto: Rick Tsao / Flickr)

Die ungewöhnliche Idee: Single Malt Whisky aus Taiwan

Diesen Gedanken muss auch T.T. Lee gehabt haben, der Gründer des taiwanesischen Lebensmittel- und Getränkekonzerns King Car Group. Er erfüllte sich 2005 einen Traum, den wohl nur wenige von uns sich jemals verwirklichen können: Die Eröffnung einer eigenen Whisky-Destillerie.

Ähnlich wie bei japanischen Destillerien kam das Wissen dazu aus Schottland in das asiatische Land: Der Chemiker Ian Chang hatte seine Ausbildung zum Master Blender in Schottland erfolgreich abgeschlossen. Der britische Chemiker und Whisky-Kenner Dr. Jim Swan unterstützte ihn beim Aufbau der Kavalan-Destillerie.

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Whisky-Fässer im Warehouse von Kavalan (Foto: Jorge Gonzales / Flickr)

Warm und feucht: Kein Klima für Whisky?

Hohe Luftfeuchtigkeit und Tagestemperaturen, die selten unter 20° C liegen, stellten eine große Herausforderung dar. In diesem Klima reift ein Whisky viel schneller im Holzfass. Der Angel’s Share soll bei exorbitant hohen 15-18 % pro Jahr liegen – diese Menge Whisky verdunstet einfach mal so durch die Wände des Fasses.

Und natürlich konnte man – anders als die schottischen Destillerien – auch nicht auf ein bestehendes Lager an reifen Whiskys zurückgreifen. Und so sind die meisten erschienenen Kavalan-Whiskys eher jung.

Kavalan Classic: 4 Jahre für 50 Euro

kavalan-classic-flascheDer Kavalan Classic Single Malt bildet dabei so etwas wie die Basis der einfallsreich mit Solist, Podium, Concertmaster, Conductor etc. betitelten Abfüllungen. Drin steckt ein mindestens vier Jahre alter Whisky, der in einem Mix aus verschiedenen Fässern gereift wurde. Über 50 Euro werden für eine Flasche des Taiwanesen aufgerufen – ein stolzer Preis für einen so jungen Whisky. Wieviel Geschmack bietet der Kavalan Classic für dieses Geld? Schlummert in der schicken Flasche vielleicht ein neuer Geheimtipp?

 

Unser Tasting des Kavalan Classic

Wie riecht er?

Der Kavalan Classic duftet süß nach tropischen Früchten. Wahrnehmbar sind Ananas, Mango und Rosinen. Markant im Duft sind auch Birnen und leicht säuerliche Äpfel. Im Hintergrund liegt ein leicht bitterer Geruch, der vermutlich durch das junge Alter des Whiskys verursacht wird. Darüber hinaus rieche ich Getreide, lackiertes Holz und Kirschen. Auch der Geruch nach Erde schimmert bisweilen durch die Mischung.

Wie schmeckt er?

Der Geschmack ist ebenfalls süß mit Vanille, Pfirsich, Melone und grünen Äpfeln. Anschließend kommt im Mittelteil Säure und Bitterkeit hinzu. Erneute süße Noten von Getreide runden den Geschmack ab. Im Kavalan Classic kommen auch Alkoholnoten durch, welche mich an Vodka denken lassen. Der Abgang wird von Kirscharomen, Holz, Banane und Kirschen bestimmt. Der Abgang ist sehr lang und in meinen Augen das Prunkstück dieses Malts, er erinnert mich an Apple-Cider und Rhabarber.

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