Wie sollte ich diese Rezension besser beginnen, als mit den Worten: „Ich mag Johnny Walker Red Label!“

Viele Whisky-Kenner und Genießer gehen bei solch einer Aussage natürlich an die Decke: Wie kann man denn einen billigen Einstiegs-Blend aus dem Supermarkt loben? Ja kann man durchaus. Zumindest sollte man ihn probiert haben, bevor man den wohl bekanntesten und meist verkauften Scotch der Welt in die Whisky-Hölle verdammt.

Markante Flasche als Erfolgsgeheimnis?

Bevor wir zur Verkostung kommen, vielleicht noch ein paar Worte zur Flasche. Denn ich bin fest davon überzeugt, in der Gestaltung der Flasche liegt eines der Erfolgsgeheimnisse von Johnny Walker. Man stelle sich vor: Freitagabend irgendwo, eine dunkle, verrauchte Bar, der Tresen ist gerammelt voll. Aus der zweiten Reihe späht man zum Flaschenregal. Und der Blick fällt auf den roten diagonalen Streifen. Einen höheren Wiedererkennungswert gibt es fast gar nicht. Und schwupps hat man ihn wieder im Glas – den guten Johnnie.

Die Geschichte von Johnnie Walker

Ansonsten ist die Flasche frei von jeglicher Werbelyrik, wie sie viele Whiskys sonst schmückt. Dabei hätte die Familiengeschichte durchaus Platz auf dem Etikett gehabt: Hinter dem Namen „Johnnie Walker“ steckt ein gewisser John Walker, der 1819 seine Farm in der Nähe von Kilmarnock in Schottland auflöste und einen Lebensmittelladen im Ort eröffnete. Hier verkaufte er auch Whisky. Vielleicht wurde ihm langweilig, jedenfalls fing er an die Blending-Methoden, die damals vor allem für Tee verwendet wurden, auch beim Whisky auszuprobieren. Der Schnaps kam an und so wurde das Geschäft bis zum Tod von John Walker im Jahr 1857 ausgebaut.

Sein Sohn Alexander Walker übernahm den Laden. Ihm kamen gleich zwei Zufälle zu Hilfe: Zum einen vernichtete zwischen 1858 und 1863 eine Reblausplage einen großen Teil der französischen Weinernte. Der zu dieser Zeit beliebte Cognac wurde, ebenso wie Wein und Brandy, unerschwinglich. Zudem wurde 1860 ein neues Gesetz erlassen, welches die Beimischung von Grain Whisky zum Malt Whisky erlaubte. Der Grundstein für die massenhafte Herstellung von Blends war gelegt.

Auch im Johnny Walker Red Label steckt ein guter Teil Grain Whisky. Diese Spirituose wird aus Weizen, Gerste und anderen Getreiden (wie Mais) in einem kontinuierlichen Brennverfahren relativ schnell und günstig hergestellt. Sie schmeckt ein bisschen so wie Korn und wird fast auschließlich als Grundlage für Blended Whiskys verwendet.

Unser Tasting des Johnnie Walker Red Label

Wie riecht er?

Zugegeben, der Geruch des Red Label ist wenig einladend. Irgendwie muffig und dumpf. Stark trumpft der Alkohol auf. Johnnie mieft nach Kornbrand, feuchter Pappe und abgenutzten Reifen. Erst mal keine gute Visitenkarte für einen Whisky…

Wie schmeckt er?

Besser als er riecht! In den ersten Momenten herrscht Freude vor, dass sich der Geruch nicht 1-zu-1 wiederfindet. Wer möchte schließlich schon den Geschmack von feuchtem Regenmantel auf der Zunge haben? Auch hier muss man erst mal das scharfe Brennen des Alkohols hinter sich lassen. Doch wenn man ihm etwas Zeit gibt, kommen Getreide- und Obstnoten hervor. Insgesamt sind diese Noten natürlich deutlich weniger differenziert und ausgeprägt, er schmeckt ganz anders als jeder Single Malt, den man so kennt. Der Abgang von Johnnie Walker Red Label ist sicher seine stärkste Seite: Dezent rauchig, aber nicht besonders lang verhallt er im Mund. Noch Minuten später schmecke ich leichten Rauch im Mund, klasse!

Wie mische ich ihn?

Die Mischung des Red Label mit Cola liegt fast schon auf der Hand. Sicher einer der meist bestellten Whisky-Longdrinks der Welt! Johnnie Cola bringt tatsächlich eine interessante Kombination ins Glas. Zum einen schmeckt der Whisky natürlich weicher, die Cola überdeckt den unschönen Grain Whisky-Geschmack von Johnnie. Zum anderen ergänzen sich die vorhandenen Aromen ganz gut: Im Mund entsteht ein süßlicher Geschmack, fast ein wenig kaugummi-mäßig. Vielleicht ist es auch synthetische Vanille. In jedem Fall besser, als es sich jetzt vielleicht anhört. Auch hier kommt wieder der Rauch am Ende des Drinks prägnant durch und bildet einen schönen Abgang.

Aber auch als Zutat in Whisky-Cocktails oder Longdrinks kann ich mir Johnnie Walker Red Label gut vorstellen. Er ist markant genug, um in der Mischung nicht völlig unterzugehen.

   Johnnie Walker Red Label bestellen..

Johnnie Walker Red Label
Gestaltung / Story72
Geruch46
Geschmack50
Preis-Leistung80
62
Fazit
Im Vergleich zu Single Malt Whiskys kann Johnnie Walker Red Label natürlich keinen Stich machen. Pur getrunken brennt der Alkohol stark, ist der Scotch Blend kein echter Genuss. Doch mit Cola oder in Longdrinks dreht er auf und schmeckt erstaunlich gut. Besser als sein Ruf und erstaunlich, was man für 10-15 Euro so ins Glas bekommt.

6 Kommentare

  1. Habe bisher immer hinter der Marke gestanden, nur was ist der Auslöser das ich nicht mehr sagen kann Red Label sei gut?
    Habe diese Woche bei Edeka mal wieder gedacht Schnäppchen 9,99!
    Nach 2,3 Tagen neue Flasche aufgemacht und Schock!
    Nicht nur die Flasche neu gestaltet, sondern neu abgemischt. Hatte noch einen einen Rest alte Flasche und wunderte mich ob ich nen alten Hund im Mund hätte. Der Blend ist im Vergleich auffällig anders.
    Viel mehr sprittig und ein trockener Abgang. Der Rauch ist auch nicht mehr so vorhanden wie vorher, jedenfalls nicht im Geschmack.
    Was mich wundert das nichts im Netz zu finden ist zur neuen Flasche. Was andere Blend-Marken mit viel Promo ankündigten – bei Johnnie nix !!!!! Habe zum Glück noch ne alte Abfüllung. Muss wohl daran liegen das Johnnie so viel verkauft. Geht leider auf die Qualität! Bin mal gespannt wann jemand im Netz auch das merkt was mir über die Zunge und Augen rannte. Ich würde nach deiner Bewertung nur 1 bis 2 Punkte geben.
    War mein letzter Johnnie Red Kauf, echt schade aber nur Gewinn, Gewinn geht nicht. Ich wandere zu anderen Marken die nicht so unter Druck stehen und eine bessere Qualität haben z.B. Teachers.

    1. Finde ich auch irgendwie. Als ob der Oberabschmecker das Selige erreicht hat. Aber jetzt ist der Geschmack meines „Pennerweines“ wieder da (Kauf 03.03.2017)! So wie frueher, mit oder ohne (original) Coke / Coka-Cola. Was war da los?

  2. Also erstmal muss man sagen, Geschmack war und ist relativ.
    Ich glaube dass man dem Red Label aus Restbeständen keine hochqualitativen Fässer auswählt, da diese mehr den hochwertigeren Whiskys ab Gold Label zugesprochen sind.
    Selbst der Double Black hält nicht das, was er verspricht.
    Da finde ich den Preis von fast 30€ zu übertrieben, denn viel anders als der 12Y Black Label schmeckt er nicht.

    Es ist eben so dass immer weniger Single-Malt Fässer an die Blender gehen.

    Auch wenn Diageo eine Menge an Distellerien besitzt, werden diese zuerst in den eigenen Marken verwendet.

    Selbst der Grain im Red Label ist schwächer. Es fehlt an typischen Vanille-Holz Aromen.

  3. Habe ihn heute beim Essen gehen mal probiert. Dachte mir, den kennst du nicht und so schlimm kann es nicht sein. Nach ca. 100 Whiskies war das der erste, der mit nicht geschmeckt hat 😉

  4. Ich habe seit Jahren keinen Scotch mehr getrunken. Habe mir jetzt mal wieder einen Red Label besorgt. Die von Kennern als rauchigen Geschmack bezeichnete Note verbinde ich eher mit Zigaretten und Zigarettenasche. Sorry, ich klinge wohl wie ein Idiot, aber vielleicht stimmt auch etwas mit meinem Geschmackssinn nicht.

    1. Die Geschmacks-Assoziationen, selbst die von Whisky-Kennern, unterscheiden sich teilweise gewaltig. Jeder Mensch hat ja seine eigenen Erfahrungen und so sind Empfindung und Geschmack äußerst individuell. Ich denke Ihre Geschmacksinne sind also alle beisammen – und beim rauchigen Johnnie Walker Red Label kann man durchaus auch Noten von Asche/Aschenbecher herausschmecken… 😉

      Viele Grüße
      Samuel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*