Veröffentlicht am 19. Februar 2015 | von Lukas

Jimmy und Joints: Jim Beam White Label im Test

„Deine Lieblingsrapper sind im Haus. Pack den Jimmy und die Joints aus“
– Sido feat. Harris

Wohl kaum ein Rapper hat in den letzten Jahren eine so konsequente 180-Grad-Drehung vom Ghetto- zum Familienrapper vollzogen wie Sido. Was waren das für Zeiten: Sido, dass war der Junge ausm Block. Der ständig „drauf“ war. Sido, dass war der Arschfickmann mit dem Arschficksong.

Sido, das war auch der Rapper, der mit dem Song „Glas Hoch“ dem Jimmy ein lebendes Denkmal setzte. Dem Jimmy, also dem Jim Beam Whiskey. Ja genau der Bourbon Whiskey, den es allenthalben für einen flotten Zehner im Supermarkt gibt und der zur Grundausstattung jeder Party von Jugendlichen und Junggebliebenen zu gehören scheint. Häufig serviert in der Standard-Kombi Jimmy & Cola, die es sogar vom Hersteller in Dosen abgefüllt zu kaufen gibt.

Ein Whiskey für die Massen

Skurrile Anzeige aus dem Playboy vom Juli 1974: Bette Davis mit Ziggy und Jimmy

Skurrile Anzeige aus dem Playboy vom Juli 1974: Bette Davis mit Ziggy und Jimmy (M.Gross196 / Flickr)

Damit man nicht schmeckt, wie fies der Jim Beam ist? Dass behaupten Kritiker des Billig-Bourbons jedenfalls gerne. Und natürlich muss man zugeben: Wer für 10 Euro einen puren Hochgenuss erwartet, der glaubt vermutlich auch, dass die Fässer des Jimmy von Hand gewendet werden und jede Flasche die persönliche Zuwendung des Master Distillers erhält. Hier geht es um Masse – und um Trinkbarkeit. Denn natürlich gibt es auf der anderen Seite auch die Fans des Jimmy: Für sie gibt es nichts besseres als diesen Bourbon, sie machen sich nicht einmal die Mühe mal einen anderen, womöglich besseren Bourbon zu probieren.

Wer aber den Vergleich hat, muss sich damit abfinden, dass es keinen Weg zurück gibt. Das ist wie in der Matrix, wenn es heißt: Blaue Pille oder Rote Pille. Oder klarer: Wer einmal einen guten Bourbon probiert hat, wird den Jim Beam nicht mehr pur trinken wollen. Nicht mal mit Joint im Mundwinkel.

Und Sido? Hat sich schon länger nicht mehr dazu geäußert, ob er noch Jim Beam trinkt. Wir vermuten: Eher weniger…

jim-beam-testbericht-kevin-flickr

Unser Tasting des Jim Beam Bourbon

Wie riecht er?

„Nosing bedeutet beim Jimmy, dass er einem erst mal die Nase wegätzt.“ – Gut, auch wenn unser Redakteur beim Erstkontakt mit dem Jim Beam vielleicht etwas negativ gestimmt war, besonders berühmt ist der Duft des Bourbons wirklich nicht: Klebstoff trifft auf Omis muffiges Parfüm. Hell, jung und spritig macht der Jimmy nicht wirklich Lust auf mehr. Wer etwas Phantasie hat, riecht unter Umständen angebranntes Karamell oder auch weiße Schokolade.

Wie schmeckt er?

Konzentriert man sich beim Geschmack auf die positiven Eigenschaften, dann bleibt die Liste kurz: Das Beste ist beim Jim Beam in unseren Augen nämlich, wenn er vorbei ist. Ganz ehrlich, der Nachgeschmack des Jimmy ist nicht übel, mit Vanille und Holz. Man könnte fast das „davor“ vergessen bei diesem Nachgeschmack. Denn davor brennt er leider ziemlich fuselig im Mund. Davor ist da dieser bittere, scharfe Geschmack, der bei jedem Schluck aufs Neue keinen Spaß macht. Davor sind auch die Aromen weitgehend Fehlanzeige: Ein dünner, flacher und unkomplexer Bourbon. Ob davor oder danach: Pur ist der Jim Beam kein Genuss.

Jim Beam mit Cola im Test

Nach dem schwachen Ergebnis im puren Tasting kann es für „Jimmy“ in der Disziplin „Mischung mit Cola“ nur bergauf gehen. Und tatsächlich ist der Jim Beam gemixt recht gut trinkbar – natürlich abhänggi vom Mischverhältnis. Wenn dass das Ziel ist, macht man mit Jimmy & Coke nichts verkehrt. Blaue Pille oder Rote Pille?

Alkoblog.de Whiskey-Test: Jim Beam

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Wie hat Jim Beam es eigentlich geschafft, so beliebt zu werden? Wir wissen es auch nicht. An Geruch oder Geschmack des Bourbons kann es jedenfalls nicht liegen: Fuselig, scharf und spritig ist Jim Beam pur kein Genuss. Mit Cola aber durchaus trinkbar, wenn man ihn nicht durchschmeckt. Wer seinen Bourbon pur genießen möchte, sollte zu einer hochwertigeren Abfüllung greifen.

2.4



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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