American Whiskey

Veröffentlicht am 4. Juli 2016 | Foto: Alkoblog

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Der Fänger im Roggen: Jim Beam Rye Whiskey im Test

Kleiner Selbsttest für euch: Wenn ich jetzt „Jim Beam“ sage, woran denkt ihr?

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Etwa an eine eckige Flasche mit weißem Etikett?

Ja mir geht es genauso. Der Name Jim Beam ist für mich fest mit dem berühmt-berüchtigten White Label Bourbon verbunden. Über dessen Geschmack kann man prima streiten, muss aber dennoch anerkennen: Die markante Pulle ist zur Ikone der Party-Generation avanciert. Von vielen Feiern auf der ganzen Welt ist der Jimmy White Label nicht mehr wegzudenken. Hier findet ihr unseren Testbericht zu der Flasche.

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Die alte Flasche des Jim Beam Yellow Label aka Rye Whiskey

Dabei übersieht man schnell, dass Jim Beam noch eine ganze Reihe von anderen Whiskeys produziert, die wesentlich hochwertiger und spannender sind als der White Label: Da wäre zum Beispiel der Jim Beam Rye. Früher wurde er als Jim Beam Yellow Label verkauft, in einer Flasche mit knallgelbem Etikett. Demgegenüber ist die neue förstergrüne Flasche ein ziemlicher Fortschritt. Wir bezweifeln zwar, dass man mit so einer liebevoll altmodischen Optik irgendwelche Designpreise gewinnt, aber der Jim Beam Rye strahlt Tradition und Geruhsamkeit aus – und das sind ja nicht die schlechtesten Werte für einen Whiskey. Immerhin verspricht man auf dem Etikett, dass es sich hier um einen „Pre-Prohibition Style“ Rye handelt – also ein richtig altes Rezept verwendet wird.

Ansonsten sind die Informationen zum Rye von Jim Beam gewohnt karg: Es gibt keine Altersangabe, aber da es sich um einen „Kentucky Straight Whisky“ handelt, muss er immerhin 4 Jahre im Holzfass gelagert worden sein. Auch zur Getreidemischung (dem Rezept) des Whiskeys gibt es keine Hinweise. Mit 40 % kommt die Spirituose hierzulande in die Flasche, in den USA gibt es wohl auch eine stärkere Variante des Jim Beam Rye mit 45 %.

Rye Whiskey – der würzige Bruder des Bourbons

Was ist nun das besondere an Rye Whiskey? Nun, während ein amerikanischer Bourbon aus mindestens 51 % Mais in der Maische hergestellt wird, sind es beim Rye mindestens 51 % Roggen. Der Rest ist eine Mischung aus unterschiedlichen Getreidesorten (z.B. Weizen, Hafer, Mais). Bei der Lagerdauer nehmen sich Bourbon und Rye nichts – mindestens 2 Jahre im neuen Holzfass sind vorgeschrieben, üblich sind jedoch 4 Jahre und mehr. Vor der Prohibition wurde in den USA vor allem Rye Whiskey getrunken, der milde Bruder Bourbon setzte sich erst später durch. Und doch gibt es Anzeichen, dass die rauere Variante wieder auf dem Vormarsch ist.

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Reifer Roggen im Feld – die wichtigste Grundzutat für Rye Whiskey (Foto: Screenpunk / Flickr)

Denn in den USA ist Rye Whiskey gerade richtig am Rocken: In den letzten Jahren sind die Verkäufe förmlich explodiert. Von gerade einmal 792.000 Litern im Jahr 2009 schoss die Zahl auf über 5 Millionen Liter im Jahr 2014 in die Höhe. Eine Steigerung um immerhin 536 %! Mit der gleichen Geschwindigkeit entwickelten sich neue Rye Whiskey-Marken. Gab es 2009 nur eine handvoll Destillerien, die den als altmodisch geltenden Roggen-Whiskey im Programm hatten, gibt es inzwischen über 100 Rye-Marken mit ganz unterschiedlichem Geschmacksprofil.

Viele von ihnen haben es bis heute nicht nach Europa geschafft. Denn während die Amerikaner voll auf die Roggen-Spirituose abfahren und sie gerne als würzigeren Bourbon-Ersatz in Cocktails verwenden, ist das Interesse hierzulande eher verhalten. Im Supermarkt dominiert weiter der Bourbon und auch in vielen Bars gibt es maximal einen oder zwei Rye Whiskeys zur Auswahl. Neben dem Jim Beam Rye sind Bulleit Rye, Knob Creek Rye, 1776 Rye und Rittenhouse Rye die wohl bekanntesten Marken, die auch im Fachhandel und in Onlineshops erhältlich sind.

Die neue Flasche des Jim Beam Rye ist dunkelgrün

Die neue Flasche des Jim Beam Rye ist dunkelgrün

Eine gute Gelegenheit also, dem Jim Beam Rye auf den Zahn zu fühlen. Und genau das wollen wir jetzt tun:

Unser Tasting des Jim Beam Rye Whiskey

Wie riecht er?

Ein süßlicher Hauch wie von Ahornsirup weht mir aus dem Glas entgegen. Die Süße geht jedoch mit würzigen Noten einher. Sie erinnern an Kräuter und Waldboden, ich habe die Assoziation von Estragon gehabt (irgendwie säuerlich-kräuterig). Auch der Roggen drückt dem Geruch markant seinen Stempel auf, frisches Brot oder auch etwas Sauerteig kommen einem in den Sinn.

Wie schmeckt er?

Im Geschmack ist der Jim Beam Rye deutlich milder als das Nosing es vermuten ließ. Der erste Schluck ist geprägt von einer deutlichen Süße, die mich an Honig oder Ahornsirup erinnert. Im folgenden Verlauf kommen die würzigen Aromen aber doch zum Vorschein. Ich schmecke Erdnüsse, vielleicht auch Cashewkerne. Auch an Tannennadeln erinnert mich der Jim Beam Rye. Der Roggen ist auch wieder mit von der Partie. Im Abgang wirkt er recht trocken mit dezenten Holznoten, die aber hinter der Würzigkeit zurücktreten.

Alles in allem ist der Jim Beam sicher nicht der komplexeste Rye Whiskey, den wir je getrunken haben. Aber er hat genug Struktur, um sich in Longdrinks oder Cocktails durchzusetzen und überrascht zudem mit einem exquisiten Preis-Leistungsverhältnis: Für rund 15 Euro bietet er würzige Noten, verzichtet auf die in Bourbons dieser Preislage häufig zu findende Klebstoffnote und ist somit eine sehr gute Alternative zum All-Time-Favorite Jim Beam White Label.

Hier noch ein einfaches Cocktailrezept, welches wir mit dem Jim Beam Rye ausprobiert und für gut befunden haben:

Rezept: Horse’s Neck Cocktail mit Jim Beam Rye

makers-mark-horse-neckDas Rezept für den Horsesneck-Drink hatten wir ja an anderer Stelle schon verraten. Hier nun eine Variante mit Jim Beam Rye, dessen Würzigkeit dem Drink eine sehr willkommene zusätzliche Dimension verleiht.

Das brauchst du:
4 cl Jim Beam Rye Whiskey
Thomas Henry Ginger Ale
Zitronenschale

So wird’s gemacht:
Den Rye in ein Glas gießen und eine ordentliche Menge Eis dazu. Dann mit dem Ginger Ale aufgießen. Mit einem Sparschäler vorsichtig die Schale der Zitrone abziehen und über den Glasrand legen – das soll den Hals des Pferdes symbolisieren. Fertig ist der einfache, aber ungemein erfrischende Drink!

Alkoblog.de Whiskey-Test: Jim Beam Rye

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Der Jim Beam Rye ist ein echter Geheimtipp: Für 15 Euro bekommt man hier einen Easy-drinking Rye Whiskey, der so manchen Bourbon in derselben Preislage alt aussehen lässt. Die würzigen Aromen sind gut eingebunden und sorgen dafür, dass Jimmy Rye auch in Cocktails und Longdrinks gut funktioniert. Wer andere (und teurere) Roggen-Whiskeys kennt, wird vielleicht etwas die Kante und Komplexität vermissen. Aber das hier ist "value for money" und somit eine volle Empfehlung von uns.

4.3

Geheimtipp



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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