Irish Whiskey

Veröffentlicht am 13. Januar 2016 | Foto: Alkoblog

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Grüner Gigant: Jameson Irish Whiskey 12 Jahre im Test

Die erste Januarwoche ist rum. Der richtige Zeitpunkt, um die eigenen Vorsätze einem ersten Realitätscheck zu unterziehen.

Mein guter Vorsatz für 2016 ist ja: „Ich möchte dieses Jahr noch mehr guten Whisky trinken“

Wobei die Betonung nicht auf mehr, sondern auf gut liegt.

Dass mit dem guten Whisky hat bis jetzt schon mal nicht geklappt. Ich habe nämlich nur den Jameson 12 Jahre getrunken. Und der ist ziemlich mittelmäßig.

Einer der meist verkauften Whiskeys der Welt kommt aus Irland

Doch von Beginn an: Jameson ist weltweit in aller Munde. 42.300.000 ist die Zahl, die ihr euch merken solltet. Ja richtig gelesen: 42,3 Millionen Liter Irish Whiskey verkaufte Jameson im Jahr 2014. Zum Vergleich: Die größte schottische Destillerie, Loch Lomond, kommt gerade einmal auf fast schon läppische 12 Mio. Liter. Glenlivet und Glenfiddich muten mit rund 10 Mio. Litern wie Whisky-Zwerge im Vergleich zum grünen Giganten von der Nachbarinsel an. Der Jameson Whiskey läuft vor allem in den USA wie geschnitten Brot, dorthin verkaufen die Iren am meisten. Ein Irish Pub in Minneapolis soll dort den Rekord halten mit nicht weniger als 25 ausgeschenkten Flaschen täglich – im Durchschnitt wohlgemerkt!

Wurde Jameson 1780 oder 1810 gegründet?

Gegründet wurde die John Jameson and Son Irish Whiskey Company im Jahr 1810. In diesem Jahr übernahm John Jameson mit seinem Sohn die Bow Street Distillery in Dublin, die zuvor von den Cousins seiner Frau im Jahr 1780 eröffnet worden war. 30 Jahre hin, 30 Jahre her – das hat man sich wohl auch beim Marketing von Jameson gedacht und druckt seitdem einfach die 1780 als Gründungsdatum auf jede Flasche. Nach einer wechselvollen Geschichte wird Jameson heute übrigens nicht mehr in Dublin, sondern in der Kleinstadt Cork gebrannt und gehört zum Portfolio von Pernod Ricard. Besonderheit ist die dreifache Destillation (schottischer Whisky wird zweifach destilliert), die einen leichteren Whiskey hervorbringt.

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Die alte Destillerie von Jameson in Dublin ist heute ein Besucherzentrum (Foto: Jesús Pérez Pacheco / Flickr)

Mein Tasting des Jameson 12 Jahre

Wie riecht er?

Ein junger Duft nach grünem Apfel und frischem Gras. Hell und süßlich nach Zuckerwatte und Vanille. Etwas Zitronenschale sorgt für etwas Herbe, die in eine Holznote übergeht. Mit zunehmender Standzeit versüßt etwas Karamell die liebliche Mischung.

Wie schmeckt er?

War der Geruch noch ganz solide, wirds im Mund schnell haarig für den Iren: Leicht, lieblich, trocken. Vorbei. Der Geschmack des Jameson ist sehr kurz. Vorne sind wie beim Nosing die Äpfel und das Gras zu erkennen, dann etwas Vanille. Der Abgang vielleicht noch am prägnantesten mit einem ordentlichen Stapel Holz. Der macht den Whiskey hinten trocken und verleiht ihm trotz des milden Charakters eine Spicy-Note. Aber es ist kein komplexer Holzgeschmack, wie man ihn von manchem älteren Scotch Whisky kennt, sondern eine eher eindimensionale Geschichte. Immer wieder kommt beim Jameson 12 zudem der Alkohol durch, er schmeckt dann leicht bitter. Mit gutem Willen lässt sich etwas Leder erahnen, aber das war es dann auch schon mit den Aromen.

Fazit

Ein guter Whisky ist häufig eine Herausforderung. Für die Nase, den Mund, die Geschmacksnerven. Diese Herausforderung bietet der Jameson nicht. Vielleicht erwarte ich zu viel. Jameson ist ein großer Whiskey, der vielen Menschen schmecken soll. Nicht jeder will beim Trinken gefordert werden. Manche wollen beim abendlichen Drink einfach entspannen. Scotch-Blogger Jason hat in seinem Whisky-Blog zurecht darauf hingewiesen, dass irische Whiskeys mehr diese Art des Trinkens bedienen. Wer also einen unkomplizierten Iren sucht oder sich neu in die Welt der Whiskeys von der grünen Insel eintrinken will, der wird mit dem Jameson vielleicht sogar Spaß haben. Für mich bietet dieser Whiskey aber zu wenig, als dass ich ihn wieder trinken möchte. In die Versuchung werde ich wohl ohnehin nicht allzu oft kommen: Der Jameson 12 Jahre ist derzeit schwer erhältlich, in Foren wird schon über Ablösung durch den Jameson Select Reserve (eine No-Age-Variante) spekuliert. Ob der allerdings besser ist…

Aufgrund der aktuell schlechten Verfügbarkeit und des gestiegenen Preises bewerten wir die Preis-Leistung dieser Abfüllung nicht.

Alkoblog.de Whiskey-Test: Jameson 12

Gestaltung
Geruch
Geschmack

Fazit von Lukas: Der Jameson Irish Whiskey ist nicht schlecht - aber eben auch nicht richtig gut. Geht der Geruch für einen Whisky dieser Altersklasse vielleicht noch in Ordnung, passiert mir im Mund einfach zu wenig. Eh ich es mir versehe ist der Ire mit dem kurzen Körper schon wieder verschwunden. Zurück bleibt etwas Holz im Mund. Könnten auch Sägespäne sein. Nichts für mich. Wer milde Irish Whiskeys mag, wird ihn vermutlich besser bewerten.

2.8



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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