Eine Miniatur Jack Daniel's Tennessee Whiskey im ehemaligen Erzbergwerk Rammelsberg bei Goslar (Foto: Alkoblog)

Er ist einer der ganz großen Klassiker: Zuhause auf Rock-Festivals ebenso wie auf Grillparties oder in Bars auf der ganzen Welt. Um die Marke Jack Daniel’s und den Old No. 7. ranken sich viele Mythen. Wir schauen heute genauer hin, lüften das dunkle Geheimnis seiner Herkunft, verraten ob es sich bei Jack Daniel’s um einen Bourbon Whiskey handelt und natürlich wollen wir ihn auch verkosten. Pur und ohne Cola (auch wenn das sicher nicht die häufigste Art ist, wie Jack Daniel’s genossen wird).

Lynchburg, Tennessee könnte ein Ort von vielen in den Südstaaten sein. Zweigeschossige Häuser mit Ziegelsteinfassaden ducken sich um ein Rathaus. Wenige Meter weiter ein weißes Farmhaus mit Säulenveranda. Es ist nicht irgendeine Südstaatenvilla, sondern das Besucherzentrum einer der größten und bekanntestesten Destillerien der Welt: Jack Daniel’s. Jedes Jahr machen über 275.000 Besucher hier einen Zwischenstopp, um mehr über die Marke zu erfahren, die sie kennen und schätzen. Jack Daniel’s ist nicht der einzige, aber der bekannteste Tennessee Whiskey. Bis vor kurzem hatte die Weltmarke ein Geheimnis: Denn die wahre Geschichte der Herkunft von Jack Daniel’s wurde erst letztes Jahr zum 150-jährigen Jubiläum gelüftet.

Das Geheimnis um die Herkunft von Jack Daniel’s

Was viele nicht wussten: Der Schöpfer von Jack Daniel’s ist nicht wie häufig berichtet ein weißer Prediger, sondern war in Wirklichkeit ein schwarzer Sklave.

Als ich 2013 eine Tour bei Jack Daniel’s in Lynchburg machte, wurde noch die folgende Geschichte erzählt: In den 1850er Jahren heuerte Jasper Newton Daniel (Spitzname Jack) als 14-jähriger Junge bei einem Prediger und Whiskybrenner (in damaliger Zeit keine so ungewöhnliche Kombination wie man denken würde) namens Dan Call an. Der Priester war vielbeschäftigt und als er merkte, das der junge Jack etwas draufhatte, erklärte er ihm, wie er selbst Whiskey brennen konnte. Die Brände des jungen Jack Daniel kam in der Region gut an und so konnte er sich 1866 das Grundstück der heutigen Destillerie kaufen. Der Rest ist Geschichte.

Ein Sklave brachte Jack Daniel das Whiskybrennen bei

Tatsächlich war es aber gar nicht der Prediger Dan Call Jack selbst, der Jack Daniel das Whiskeybrennen beibrachte, sondern sein Sklave, ein Mann namens Nathan Green. „Uncle Nearest“, so der Spitzname des Sklaven, soll einer der besten Whiskey-Macher in der Gegend gewesen sein. Und so steckt hinter dem weltbekannten Tennessee Whiskey das Können und die Expertise eines Schwarzen, der in die Vereinigten Staaten verschleppt worden war. Die Sklaverei wurde im Jahr 1865 abgeschafft, ein Jahr später eröffnete Daniel seine eigene Destillerie und beschäftigte zwei von Nearest Greens Söhnen.

Jack Daniel (mit weißem Hut) sitzt neben einem Afro-Amerikaner, vermutlich sein Freund und Kollege George Green, ein Sohn von Nearest Green (Foto: Nearest Green Foundation)
Jack Daniel (mit weißem Hut) sitzt neben einem Afro-Amerikaner, vermutlich sein Freund und Kollege George Green, ein Sohn von Nearest Green (Foto: Nearest Green Foundation)

Dass Jack Daniel’s diesen Wandel in der offiziellen Geschichte aber gerade zum 150-jährigen Jubiläum verkündet hat, ist sicher nicht ganz uneigennützig. Vielleicht wollte man so einem Imageverlust vorbeugen, der entstanden wäre, wenn die Story einfach so ans Licht gekommen wäre. Immerhin könnte man dem Unternehmen vorwerfen, das Erbe von Nearest Green bisher nicht richtig gewürdigt zu haben. Gerade dieses Thema der Gleichberechtigung zwischen den Rassen ist in den USA sehr sensibel und bewegt viele Kunden.

Wer mehr zum Thema lesen will: In diesem Artikel der New York Times wird die Liquid Story ganz ausführlich erzählt. Um das Erbe von Nearest Green kümmert sich inzwischen sogar eine unabhängige Stiftung, die Nearest Green Foundation.

Weniger historisch relevant, aber nichts desto trotz heiß diskutiert ist die Zahl 7, die sich auf jeder Flasche der Standardabfüllung Old No. 7 findet.

Warum hat Jack Daniel’s die Nummer 7 auf der Flasche?

Wirft man einen Blick auf eine ganz normale Flasche Jack Daniel’s sticht einem auf dem schlicht gestalteten schwarz-weißen Etikett zum Beispiel sofort die Zahl 7 ins Auge. Viele Legenden ranken sich um ihre Bedeutung. Die Webseite der Destillerie bietet wenig Antworten, der Gründer habe dieses Geheimnis mit ins Grab genommen, heißt es pauschal. Im Internet wird dennoch fleißig über das Geheimnis der 7 diskutiert.

Einige Möglichkeiten, was die Zahl in „Old No. 7“ bedeuten könnte:

  • Der Whiskey mit dem Rezept Nr. 7 war der beste und wird deshalb seitdem so hergestellt
  • Bei seiner ersten (erfolgreichen) Teilnahme an einem Destillations-Wettbewerb war Jack Daniel der Teilnehmer mit der Nummer 7
  • Die Zahl 7 war die Glückszahl von Jack Daniel
  • Jack Daniels hatte 7 Freundinnen
  • Jack Daniel’s hat den Whiskey mit seinen sechs Freunden erfunden und ihm deshalb die Zahl verliehen
  • Bei der Lieferung einer Charge Whiskey ging ein Teil aus dem Paket mit der Nr. 7 verloren. Der Verkauf lief so gut, dass der Kunde mehr vom „No. 7“ verlangte. Als Jack Daniel den Rest wiederfand, behielt er die Zahl 7 als Bezeichnung bei, um klarzustellen, dass es sich nicht um einen neuen Whiskey handele
  • Der Whiskey wurde in früheren Zeiten immer mit der Eisenbahn geliefert und die trug die Ordnungszahl 7
  • Die Destillerie in Tennessee lag im Steuerbezirk Nr. 7. Nach einer Gebietsreform wurden die Zahlen neu gemischt und Jack Daniel’s hätte die 16 erhalten. Um seine Konsumenten nicht zu verwirren, behielt Jack Daniel die Nummer dennoch bei, fügte jedoch den Zusatz „Old No.“ hinzu.

Es ist zu vermuten, dass sich das Unternehmen ganz bewusst nicht zur Diskussion um die Zahl 7 äußert. Denn so wird natürlich in Fankreisen eifrig weiter spekuliert und die Marke bleibt im Gespräch.

Eine Besonderheit, die Jack Daniel’s hingegen in der Werbung immer wieder deutlich herausstellt, ist die Tatsache, das es sich bei der Spirituose um einen „Tennessee Whiskey“ handele, und nicht um einen Bourbon. Doch stimmt das eigentlich?

Die Jack Daniel's Distillery in Lynchburg / Tennessee (Foto: Alkoblog)
Die Jack Daniel’s Distillery in Lynchburg / Tennessee (Foto: Alkoblog)

Ist Jack Daniel’s ein Bourbon Whiskey oder nicht?

Es ist eine Frage, die sich selbst Kenner amerikanischer Whiskeys immer wieder stellen: Handelt es sich bei Jack Daniel’s um einen Bourbon Whiskey? Die einfach Antwort lautet: Ja, denn der Old No. 7 und auch die anderen Abfüllungen wie Jack Daniel’s Single Barrel, Jack Daniel’s Sinatra Select und Gentleman Jack genügen den Vorschriften der Gesetze für Bourbon in den USA. Die lauten kurz zusammengefasst:

  • Bourbon muss aus einer Getreidemischung gebrannt werden, die zu 51 % Mais enthält
  • Bourbon muss in den USA hergestellt werden
  • Bourbon muss für mindestens 2 Jahre in neuen, ausgebrannten Eichenholzfässern gelagert werden. Ein Straight Bourbon sogar für mindestens 4 Jahre.
  • Die Zugabe von Zusatzstoffen wie Zucker, Farbstoffe oder Aromen ist verboten

Letztere Vorschrift sorgt dafür, das Produkte wie Jack Daniel’s Honey, Jack Daniel’s Fire oder Winterjack keine Bourbon Whiskeys sind. Sie enthalten Zusätze und sind so zwar ein American Whiskey, aber eben kein Bourbon.

Die Besonderheiten von Tennessee Whiskey

Wenn es eigentlich ein Bourbon ist, warum bezeichnet Jack Daniel’s sich selbst dann als Tennessee Whiskey? Die Gründe hierfür dürften vor allem im Marketing liegen. Man kann einer von vielen Bourbons sein oder einer von wenigen Tennessee Whiskeys. Die Abgrenzung ist ganz bewusst gewählt, um sich als „besser als ein Bourbon“ darzustellen. Die Richtlinien für Tennessee Whiskey sind von der großen Marke sicher mitgeprägt worden. Allerdings gibt es auch einige weitere Destillerien, die vor Ort nach diesen Vorgaben produzieren.

Das sind die Regeln für Tennessee Whiskey:

  • Der Whiskey muss in Tennessee hergestellt werden
  • Der Whiskey muss vor der Lagerung mit dem Lincoln County Process gefiltert werden (einzige Ausnahme Benjamin Prichard’s, hier gilt ein historischer Bestandsschutz). Jack Daniel’s bezeichnet diesen Prozess auch als Charcoal Mellowing.

Die Kohlefiltration soll Jack Daniel’s besonders mild machen

Um Jack Daniel’s oder einen der anderen Tennessee Whiskeys zu filtern, wird das ungereifte Destillat mit 70 % Alkoholgehalt durch eine drei Meter dicke Schicht aus Ahorn-Holzkohle geleitet. Die Kohle soll unerwünschte Stoffe aus dem Whiskey filtern und ihn insgesamt milder machen. Anschließend wird der Whiskey auf 62,5 % herunterverdünnt und in Holzfässern gelagert.

Während die Verwendung von Ahorn für die Holzkohle gesetzlich verankert ist, kann die Durchführung des Verfahrens bei anderen Destillerien in Tennessee abweichen. So nutzt etwa George Dickel eine dickere Kohleschicht und kühlt den Whiskey auf 5 ° Celsius herunter, bevor er gefiltert wird.

Die Kohlfiltration wird von Jack Daniel’s in der Werbung bewusst genutzt, um sich von herkömlichen Bourbon Whiskeys abzuheben:

Nach diesen harten Fakten wollen wir den klassischen Whiskey von Jack Daniel’s aber nun endlich probieren. Und zwar ohne Eis und ohne Cola. Denn „Jack Cola“ ist zwar ein beliebter Partydrink, doch wir wollen heute die puren, unverfälschten Aromen des Tennessee Whiskeys herausschmecken.

Unser Tasting des Jack Daniel’s Old No. 7

Wie riecht er?

Der Duft von Jack Daniel’s ist zum einen von Vanillenoten, zum anderen von einer zuckrigen Süße geprägt. Wir riechen Zuckerwatte, braunen Rohrzucker und Karamell. Dazu Birne und etwas Zitronenschale. Würzige Noten treten nach etwas Wartezeit hinzu. Sie erinnern an die fein-säuerliche Aromen eines Rye Whiskeys, wie eine Spur Estragon auf der Zuckerwatte. Hinter allem liegt eine leicht kohlige Note. Ein dezenter Gruß der Holzkohlefilterung? Für einen Bourbon in dieser Preislage definitiv kein unangenehmer Geruch.

Wie schmeckt er?

Der positive Eindruck vom Nosing überträgt sich leider nicht ganz ins Tasting. Der Geschmack wirkt deutlich dünner und unruhiger, als die Nase uns suggeriert hat. Wir schmecken verbranntes Karamell, dazu eine säuerlich-bittere Note. Während die säuerliche Note in Richtung Hefeteig tendiert, denken wir bei der bitteren vor allem an jungen Alkohol. Ein ernster Charakter durchzieht den Whiskey aus Lynchburg. Mineralisch und kieselig, zugleich etwas verbrannt. Dabei aber nicht rauchig, sondern eher bitter.

Jack Daniel's Old No. 7
Gestaltung & Story70
Geruch75
Geschmack55
Preis-Leistung60
65
Fazit
Unser Ergebnis im Tasting ist gespalten: In der Nase lockt uns Jack Daniel's mit abwechslungsreichen Aromen und lässt uns dann beim Geschmackstest kalt im Regen stehen. Pur genossen wirkt der amerikanische Whiskey rumpelig und unruhig, verbrannte Noten trüben den puren Genuss. Vielleicht sind es aber genau die, welche einer "Jack Cola" die richtige Würze verleihen. Für unter 20 Euro ist die Preis-Leistung in Ordnung, das bessere Upgrade ist in unseren Augen der Jack Daniel's Single Barrel.

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