Whisky

Veröffentlicht am 23. November 2016 | Foto: Alkoblog

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„Bei uns kommen die Age-Statements zurück!“ – Bowmore Distillery Manager David Turner im Interview

Wer die schottische Insel Islay besucht, kommt um die Bowmore-Destillerie praktisch nicht herum. Und dass nicht nur, weil in der Insel-Hauptstadt eines der beiden Lebensmittelgeschäfte seinen Sitz hat. Sondern auch, weil bei Bowmore exzellente, torfige Whiskys gebrannt werden. Seit 1779 wird hier offiziell Whisky gebrannt, Bowmore soll damit die älteste Destillerie auf der schottischen Hebriden-Insel sein.

Ein salziger Bowmore für Sammler

Ganz frisch erschienen ist der Bowmore Vault Edit1°n (man beachte die Schreibweise von ‚Edition‘). Der No-Age-Whisky bildet den Auftakt zu einer vierteiligen Serie, in welcher sich die verschiedenen Charakterzüge der Bowmore-Destillerie widerspiegeln sollen. Das Vault Edit1°n First Release steht dabei für die salzige, maritime Note des atlantischen Ozeans, welche charakteristisch für Bowmore ist. Eine besonders rauchige, eine besonders fruchtige und eine besonders süße Abfüllung sollen mit den Vault-Releases 2 bis 4 in den nächsten Jahren folgen. Der erste Bowmore Vault wurde vermutlich in Ex-Bourbonfässern gelagert und kommt mit 51,5 % Alkoholgehalt in die Flasche.

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Mit ganzen Einsatz dabei: Distillery Manager David Turner. (Foto: © www.offenblen.de)

Höchste Zeit um Distillery Manager David Turner zum Gespräch zu bitten. Eben hat der gebürtige Schotte seinen neuen Whisky präsentiert, nun steht er uns in den Gewölben des Hamburger Michels gerne Rede und Antwort. Turner folgte den Spuren seines Großvaters und begann schon im Alter von 16 Jahren in der Bowmore-Destillerie zu arbeiten. Da er damals noch zu jung für die Arbeit im Stillhouse war, verdiente er sich seine ersten Sporen auf den Malt Barns und im Mash House. Er hat das Whisky-Geschäft also „von der Pike auf“ gelernt. Im Jahr 2006 wurde er Head Distiller, seit 2012 ist er der amtierende Distillery Manager von Bowmore.

Der neue Bowmore Vault 1 ist wirklich ausgesprochen salzig und trocken. Wie machst Du das?

Eigentlich machen wir alles wie immer. Ich wurde schon gefragt, ob wir in den Whisky etwa Salz reinmischen würden…das ist totaler Quatsch und natürlich auch nicht erlaubt. Wir lagern die Malts für den neuen Bowmore in unserem ältesten Warehouse Nr. 1, das liegt ganz nah an der See. Der salzige Charakter ist Absicht, wir wollten die Aromen des Meeres in einem Whisky einfangen. Ich denke das ist uns gut gelungen. Für die erste Edition des Bowmore Vault haben wir überwiegend First-fill-Bourbon-Fässer ausgewählt, auch einige Second-fill Fässer sind enthalten.

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Frisch aus der Bowmore-Schatzkiste. (Foto: © www.offenblen.de)

Wieviele Flaschen wurden denn hergestellt?

Das darf ich dir leider nicht verraten. Es handelt sich aber definitiv um eine limitierte Edition. Die Whiskys werden in dieser Art einmalig produziert. Wenn sie verkauft sind, sind sie verkauft und kommen so auch nicht wieder.

Auch bei den Bowmore Vaults handelt es sich wieder um Whiskys ohne Altersangabe. Haben die Age-Statements auch bei Bowmore ausgedient?

Ganz im Gegenteil: Bei unseren Travel-Retail-Editionen kommen bei uns gerade die Age-Statements wie der Bowmore 10 Jahre Devil’s Casks zurück. Auch die Malts mit Altersangabe wie Bowmore 12 Jahre, 15 Jahre oder 18 Jahre bleiben weiterhin unsere starken Standbeine. Die NAS-Whiskys waren immer als Ergänzung zu verstehen. Wir haben diese jüngeren Whiskys hergestellt, um in unseren Warehouses wieder mehr alten Whisky auf Lager zu bekommen und die Zeit zu überbrücken. Dies haben wir die letzten fünf Jahre gemacht. Nun sind unsere Lager wieder gut gefüllt und die Age-Statements können wieder groß kommen!

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Hell schimmert der Bowmore-Whiskys im Glas. (Foto © www.offenblen.de)

Ist das der Anfang vom Ende der No-Age-Whiskys?

Ich kann natürlich nur für Bowmore sprechen. Wir haben im Moment wieder jede Menge alten Whisky auf Lager. Und wir verkaufen praktisch nichts mehr an die Hersteller von Blends oder an unabhängige Abfüller, um unsere Bestände zu schonen. Das würden wir nicht tun, wenn wir vermehrt auf NAS setzen wollten. Mit vollen Fasslagern können wir uns in den nächsten Jahren wieder den Whiskys mit Altersangabe widmen, worauf auch klar unser Fokus liegen wird. Die Menschen schätzen guten Whisky und der hat nun einmal meistens ein Alter…

Zum Abschluss noch eine politische Frage: Der Brexit rückt immer näher. Denkst du das wird Auswirkungen auf die Whisky-Industrie haben?

Ich kann dir sagen, dass insbesondere die Menschen auf Islay, aber auch viele Schotten gegen den Brexit gestimmt haben. Jetzt ist es so gekommen und wir müssen das Beste daraus machen. Konkrete Auswirkungen befürchten wir bei Bowmore vorerst nicht und wir hoffen, dass es weiterhin gute Handelsabkommen mit der EU geben wird. Aber wer weiß…vielleicht bleibt Schottland ja auch einfach in der EU bzw. tritt erneut bei.

Danke für das Gespräch.


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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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