Individuelles ID-Beer im Test

Individuelles Bier im TestMacht sich auch in freier Wildbahn gut: Unser individuelles Alkoblog-Bier.

Individuelles Müsli, individuelle Schokolade, individuelles Parfüm - und jetzt auch noch „individuelles” Bier? Genau das verspricht ein neues Start-Up-Unternehmen namens IDBeer. Wer jedoch vermutet, dass er auch auf den Geschmack des Bieres Einfluss nehmen kann, der irrt. Unter www.idbeer.de kann man sich aber mit einem handlichen Editor stylische Flaschenetiketten selbst gestalten und sich das so designte Bier unkompliziert nach Hause bestellen.

Der Etiketten-Konfigurator bietet hierfür zwei Modi: Man kann aus bereits gestalteten Vorlagen eine auswählen und selbst anpassen (also beispielsweise den Namen eines Freundes auf das Etikett setzen). Oder man gestaltet seine Etiketten komplett selbst. Dann stehen einem eine ganze Reihe Hintergrundbilder und Elemente (wie ovale Formen, Wappen, Schriften etc.) zur Verfügung. Diese kann man im Gestaltungsfenster zur gewünschten Collage zusammenschieben. Das Ganze basiert auf Flash und geht relativ flüssig. Nur beim Ändern von bereits erstellten Textfeldern taten wir uns schwer, auch das Skalieren von Grafiken kann etwas fummelig werden. Dafür können im Editor auch eigene Grafiken mit bis zu 2 MB hochgeladen werden, etwa ein persönliches Logo oder ein Foto. Ob mit Vorlage oder selbst designt - schnell kommt man zu überaus sehenswerten Ergebnissen.

Die IDBeer-Webseite unter idbeer.de
Die Webseite unter idbeer.de ist übersichtlich und gut zu bedienen.

Nicht so gut hat uns die Deklarierung im Onlineshop gefallen: Weder im Editor noch im Warenkorb wird auf die Füllmenge der Flaschen hingewiesen. Wer den kleinen Hinweis auf der Startseite nicht gelesen hat, der weiß so womöglich nicht, dass er nur 6×0,33 Liter statt 6×0,5 Liter Bier erhält. Auch wird der Literpreis des Gebräus nicht angegeben. Hier sollte ID-Beer dringend nachrüsten!

Für unseren Test haben wir den Jungs von ID-Beer die Gestaltung des Etiketts überlassen und uns überraschen lassen. Kurze Zeit später brachte uns der DHL-Bote ein kompaktes Paket mit sechs Flaschen von unserem „Alkoblog.de Feierabendbier”. Optisch macht das Bier einiges her: Die Sorte Export schwappt gelblich-glitzernd in der transparenten 0,33-Liter-Glasflasche und auch die Druckqualität der Etiketten weiß zu überzeugen. Mit einem Tintenstrahldrucker und Blanko-Etiketten kriegt man das vermutlich nicht so gut hin. Zudem müsste man dann erst mal Etiketten von vorhandenen Bierflaschen ablösen - eine lästige Arbeit.

Wir geben es zu: Noch nie ist uns das Warten auf einen Feierabend so lange vorgekommen, wie an diesem Tag. Doch dann war es endlich so weit, wir konnten unser - inzwischen auf Trinktemperatur heruntergekühltes - Feierabendbier der Sorte Export genießen.

Individuelles ID-Bier im Test
Ein Bier nicht nur für Couch-Potatoes: Frisches ID-Beer unter freiem Himmel.

Das Export wird ebenso wie das Pils in der Schlossbrauerei Au im bayrischen Hallertau gebraut. Exporttypisch ist es etwas kräftiger im Geschmack mit leichter Hopfennote. Das Bier hat einen angenehmen, weichen Nachgeschmack. Es ist definitiv ein eher leichtes Bier und daher vermutlich ideal für laue Sommerabende. Ein „Biererlebnis der besonderen Art” wie die Webseite es vollmundig verspricht, ist das Export aber nicht unbedingt: Andere Biere im mittleren Preissegment haben einen ganz ähnlichen Geschmack.

Prost: Das Bier ist lecker
Kritischer Blick: Kann das “individuelle” Bier unter den Augen der Tester bestehen?

Negativ fallen die sehr hohen Preise von idbeer.de auf: Sechs kleine 0,33-Liter-Flaschen mit individuell gestalteten Etiketten kosten inklusive Versand stolze 19,37 Euro. Das sind 3,23 Euro pro Flasche oder unglaubliche 9,69 Euro pro Liter (!). Für das gleiche Geld bekommt man im Getränkemarkt um die Ecke auch schon fast einen ganzen Kasten - und nicht in der schlechtesten Qualität. Und auch ein Biergarten-Besuch kommt bei gleicher Trinkmenge vermutlich billiger als das „individuelle” Bier.

Das Start-Up zielt aber vermutlich weniger auf Kastenkäufer und Biergartengänger, als auf Leute, die ein originelles und zugleich individuelles Geschenk suchen. Dafür sind die schicken Flaschen wirklich gut geeignet. Auch als Mitbringsel auf einer Party sorgt das ID-Bier sicher für Freude unter den Gästen. Am Geschmack gibt es nichts zu meckern: Das getestete Export-Bier war lecker, wenn auch nicht ganz so einzigartig wie die Webseite glauben machen will.

Fazit: Als trendiges Geschenk oder Mitbringsel ist das ID-Beer gut geeignet, aber auch sehr teuer. Daher ist die Motivation sich mehrmals „individuelles” Bier zu bestellen eher gering. Vor allem wenn - wie im Moment - nur Pils und Exportbier zur Wahl stehen. Etwas ausgefallener dürfte es für den Bier-Gourmet dann schon sein. Geschmacklich kann das getestete Export-Bier überzeugen, ohne jedoch neue Maßstäbe zu setzen.


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