Milde Vanille trifft rauchigen Abgang - Vier Rum im Test

Vier Rum im Test

Rum gilt als rauer Schnaps, den man besser nur mit viel Cola trinkt. Doch das stimmt so nicht mehr - wie unser Vergleichstest im Alkoblog zeigt. Vier Rum für weniger als 30 Euro müssen sich in Geruch und Geschmack beweisen. Die Sieger sind nicht nur schön verpackt, sondern schmecken auch ganz vorzüglich.

Nur wenige wissen, dass der Begriff Rum ursprünglich vom umgangssprachlichen englischen Wort Rumbullion kommt, was so viel wie Aufruhr oder Tumult bedeutet. Wie der Linguist Anatoly Liberman in seinem Blog aufzeigt, schwappten Wort und Getränk von der karibischen Insel Barbados nach England.

„Hot, hellish, and terrible liquor”

Der erste Rum wurde dort vermutlich zwischen 1640 und 1645 gebrannt. In einer Notiz aus dieser Zeit wird der Zuckerrohr-Schnaps als „hot, hellish, and terrible liquor” beschrieben. Wie alle stark alkoholischen Destillate der damaligen Zeit, war auch Rum ein raues, fieses Getränk, das sich nur Seeleute und geübte Trinker mehr oder weniger unbeschadet in die Kehle kippen konnten. Viel hat sich seitdem geändert. Und heute trauen wir uns an vier Flaschen.

Vier Rum im Test

Vier Rum unter 30 Euro im Test

Mit Ron Botucal (ca. 27 Euro), Ron Diplomatico Añejo (ca. 22 Euro), Flor de Cana (ca. 22 Euro) und Myers’s Rum (ca. 13 Euro) stehen zweimal Venezuela, einmal Nicaragua und einmal Jamaica zur Verkostung bereit.

Ron Botucal im Test

Ron Botucal

Den Beginn macht der Ron Botucal. Die rundliche Flasche versprüht mit ihren Aufdrucken, die an alte Dokumente erinnern, eine ordentliche Portion Retro-Charme. Farblich präsentiert sich der Rum aus Venezuela in einer Mischung aus Bernstein und Kupfer. Im Glas steigt uns der süße Geruch von Vanille, aber auch von Frühlingsblüten und Tannennadeln in die Nase. Beim Geschmack dominiert die Süße, dazu Vanille und Zuckerrohr. Mild und samtig schmiegt sich der Rum an den Gaumen, bisweilen geht das Mundgefühl aber auch ins cremig-ölige. Einige in unserer Runde verbanden das Bild einer feuchten Wiese mit dem Geschmack, ein anderer glaubte eine Frau mit Seidentuch auf eben dieser Frühlingswiese erkannt zu haben. Puuh…und wir sind doch noch bei der ersten Flasche!

 Flor de Cana im Test

Flor de Cana

Sieben Jahre reift Flor de Cana im Fass - so verspricht es das Etikett am Flaschenhals. Im Glas schimmert der Rum aus Nicaragua strohgelb. Auch im Geruch gibt sich Flor de Cana leichter als der Botucal. Vanille und Zitrone werden begleitet von herberen salzig-rauchigen Tönen. Im Mund entfaltet sich die Kraft des Rums: Nur leichte Vanille, dafür herbe, würzige Aromen mit leichtem Rauch. “Wie eine verrauchte Hafenkneipe/Bordell”, kommentierte einer in unserer Runde und spielte damit auch auf die süßliche Note im Abgang des Rums an.

Myers’s Rum im Test

Myers’s Rum

Auf ein buntes Karibik-Gefühl setzt die dunkelbraune Flasche von Myers’s Rum. Im Glas ist der Rum aus Jamaica der dunkelste in unserem Test, mit kupferfarbener Tönung, die ins rötliche tendiert. „Puuh, das wird fies”, lautete der erste Kommentar nach dem Eingießen. Ein stechender Geruch stieg den Testern des Alkoblogs in die Nase. „Spiritus, Lösungsmittel, Klebstoff”, lauteten die ersten Assoziationen. Wer genauer schnuppert, kann zusätzlich auch harzige Nuancen erkennen. Auch im Geschmack ist der Myers’s Rum sehr kräftig und schwer. Holzige Noten mischen sich mit Leder und Teer, das Gefühl im Mund wurde gar als “klebrig und schleimig” beschrieben. Über allem liegt ein starker alkoholischer Geschmack (”spritig”). Da kann auch der lange, rauchige Abgang nicht trösten.

Diplomatico Anejo im Test

Ron Diplomatico Añejo

Im Glas gibt sich der Rum ganz diplomatisch: Ein helles zitroniges Gelb lässt ihn fast wie Sekt wirken. Auch im Geruch gibt sich der Diplomatico Añejo unaufdringlich. Leichte Vanille, etwas Zuckerrohr und eine flüchtige Seebrise mischen sich zu einem angenehmen Geruchsbouquet. Auf der Zunge lässt der Rum dafür die Früchte tanzen. Kaum Vanille, dafür helle Trauben und Orange (einschließlich Schale) schmeckten die Alkoblogger heraus. Ein frischer Geschmack kitzelte den Gaumen, der Rum war mild und samtig. „Wie ein Tag auf der Isla Margarita”, bekannte eine Testerin fasziniert.

Fazit

Vier Rum für ein Halleluja? Nicht ganz, dafür waren die Proben in unserem Rum-Test vielleicht auch zu unterschiedlich. Zwei der vier Rum konnten sich vom Rest absetzen: Ron Botucal sowie Ron Diplomatico Añejo lagen in der Schlusswertung vorne. Der Geschmack von Vanille, frischen Blüten, sowie ein weiches Mundgefühl zeichnen die beiden Rum aus Venezuela aus. Je nach persönlichen Vorlieben wurde in unserer Runde mal der eine und mal der andere bevorzugt. Auf das Spitzenduo folgt der achtjährige Flor de Cana aus Nicaragua, der insgesamt rauer und ungehobelter ausfällt und dabei im Abschluss ein wenig die Finesse vermissen lässt. Myers’s Rum fiel durch seinen scharfen Geruch und den schweren, scharfen Geschmack auf. Für tropische Cocktails ist der Rum aus Jamaica sicher gut geeignet, für den puren Genuss würden wir andere Rum-Sorten vorziehen.

Unser Test zeigt, dass Rum ein unterschätztes Getränk ist. Wer nur günstige Sorten aus dem Supermarkt trinkt, der verpasst das Beste. In seiner Geschmacksvielfalt steht ein guter Rum einem Whisky kaum in etwas nach: Und pur (auch ohne Eis!) schmeckt ein solcher Rum immer noch am Besten.

Die Alkoblog-Redaktion dankt Jashopping.de für die Zusendung des Ron Botucal.


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Badische Lösung im Test

Badische Lösung: Benedikt von Droste zu HülshoffMan bekommt nicht alle Tage von einem Baron das Angebot, seine neueste Likör-Kreation zu probieren. Benedikt von Droste zu Hülshoff hat sich 2012 mit der „Badischen Lösung” selbstständig gemacht. Hinter dem klangvollen Namen verbergen sich ein Apfel- und ein Walnuss-Likör, welche auf dem familiären Landsitz Villa Küchlin in der Nähe von Freiburg hergestellt werden.

Der Likör soll nicht nur gut schmecken, sondern auch noch weitere Qualitäten mit sich bringen: „Die badische Lösung besitzt neben Ihrem vorzüglichen Geschmack auch wahre Gentlemanqualitäten, denn sie ist eine süddeutsche Form der Diplomatie bei welcher man auf wundersamen Wegen vom Dissens zum Konsens findet”, heißt es im Beschreibungstext.

Badische Lösung: Likör mit 25 % AlkoholOptisch gibt sich die Badische Lösung zunächst ganz klassisch: Auf dem Etikett der schwarzen Flasche ist der Kopf einer Frau mit dem bekannten Schwarzwälder Bollenhut (ein Teil der dort üblichen Tracht) abgebildet. Nur die Verschlusskappe passt nicht ganz zum dunklen Erscheinungsbild der Flaschen und könnte noch verbessert werden.

Dem Apfellikör entströmt gleich nach dem Öffnen der Flasche ein voller Geruch nach reifen Äpfeln. Fast glaubt man auf einer herbstlichen Wiese mit lauter Apfelbäumen zu stehen. Im Glas gibt sich die Badische Lösung Apfel naturtrüb, einzelne Apfelbestandteile sind deutlich als dunklere Punkte zu erkennen. Geschmacklich steht das süßliche Aroma reifer Äpfel mit nur wenig Säure im Vordergrund. Im Nachgeschmack ist der Alkohol (die Badische Lösung hat 25 %) deutlich wahrzunehmen. Angenehm bleibt das Aroma der Äpfel noch eine Weile auf der Zunge vorhanden.

Badische Lösung Apfellikör
Bei längerer Lagerung setzen sich Bestandteile des Apfellikörs ab - einmal schütteln und der Likör ist wieder gewohnt naturtrüb.

Der Walnusslikör gibt sich vom Geruch her unauffälliger. Hätten wir nicht gewusst, was im Glas ist, wir hätten sicher daneben geraten. Auch hier schwimmen kleine Partikel im Likör, die wohl Teil der „naturtrüben Ursprünglichkeit” sind, welche der Beschreibungstext uns versprochen hat. Im Mund ist die Badische Lösung Walnuss sehr süß mit nur sehr leicht erkennbaren nussigen Aromen. Es fiel uns schwer, die Walnuss klar herauszuschmecken. Insgesamt konnte uns dieser Likör nicht ganz so überzeugen wie sein Pendant von der Apfelwiese.

Die Liköre von Badische Lösung sind nicht ganz billig: Eine Flasche mit 0,5 Litern kostet immerhin 25 Euro, hinzu kommen 6,90 Euro Versandkosten. Zu Bestellen sind beide Sorten über den Onlineshop unter http://www.badische-loesung.com


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Auf der Suche nach der grünen Fee - Absinthexplore im Test

Wer in diesen Tagen noch einen Absinth-Versand im Internet eröffnet, muss starke Nerven haben oder eine ziemlich originelle Idee vorweisen können. Immerhin steht man in Konkurrenz zu gefühlten hundert anderen Online-Shops mit der gleichen Geschäftsidee. Längst ist Absinth keine Rarität mehr. Es gibt ihn in speziellen Läden (z.B. Absinth Depot Berlin), in größeren Supermärkten und auch viele Schnapshändler haben die grüne Spirituose mittlerweile im Angebot.

Und auch vor dem Regal haben Absinth-Interessenten haben die Qual der Wahl: Mehrere hundert verschiedene Sorten warten auf passionierte Trinker. Ein Etikett wirkt attraktiver als das andere, die Beschreibungen überschlagen sich in ihrer Blumigkeit, grünlich schimmert der Inhalt vieler Flaschen im Licht.

Absinthexplore im Test

Mit Absinthexplore bringt der Händler Absinthes.com jetzt ein Probierset für Absinth auf den Markt, welches es ermöglicht vor dem Kauf einer großen (und 30 bis 50 Euro teuren) Flasche, verschiedene Sorten zu testen.

Im Onlineshop gibt es zum einen vorgefertigte Kombinationen, die „Entdecker”, „Set Schweiz” oder schlicht „Les Vertes” heißen, zum anderen kann man sich aus 26 Absinth-Sorten auch seine ganz eigene Box mit drei oder fünf Proben zusammenstellen. Der Absinth ist dabei in kleinen Röhrchen abgefüllt, welche Reagenzgläsern aus dem Chemieunterricht ähneln.

Ein Röhrchen kostet zwischen 6,50 und 7 Euro für 50 ml Destillat - keine günstige Angelegenheit also. Um es noch deutlicher zu machen: Der Literpreis liegt zwischen 130 und 140 Euro! Aber ok, es ist ja auch ein Probierset und man trinkt nicht alle Tage Absinth.

Absinth-Proben von Absinthexplore

Bestellung mit Hindernissen

Bei der Bestellung des Probiersets im Shop kommen neben den Kosten für die Proberöhrchen noch weitere Posten hinzu: So kann man im vorletzten Bestellschritt optional noch Absinth-Löffel dazulegen (ab 4 Euro). Für die Verpackung werden 2 Euro aufgeschlagen. Der Versand der kleinen Kiste kostet auch nochmal 6,50 Euro. Mindestens 28 Euro kostet ein auf diese Weise selbst zusammengestelltes Set mit drei Absinthproben am Ende. Etwas störend wirkt dabei, dass die verschiedenen Einzelkosten erst im letzten Schritt angezeigt werden. Auch hätte man erwarten können, dass die Pappschachtel im Preis des Probiersets schon enthalten ist - immerhin sind die Röhrchen auch schon nicht ganz billig.

Auch die Darstellung der Versandkosten wirkt nicht besonders transparent: Sie werden auf den Artikelseiten von absinthes.com nicht klar benannt oder verlinkt. Auch sonst sind sie schwer zu finden. Klickt man auf den Button „Reduzierte Versandkosten” auf der Absinthexplore-Übersichtsseite, werden plötzlich Dollar-Preise für den Versand in die USA angezeigt. Wir wollten doch aber wissen, wie viel der Versand innerhalb Deutschlands kostet. Und es geht merkwürdig weiter: In den FAQ stehen schließlich die gesuchten Versandkosten für Deutschland mit einem Hinweis auf die kostenfreie Lieferung ab 150 Euro. Nur: Im Kopfteil jeder Seite wird uns eine Gratis-Lieferung schon ab 80 Euro Bestellwert versprochen. Alles in allem ein ziemliches Kuddelmuddel, das nicht so recht zu „Europas Nr. 1 für Absinthes”, wie sich der Shop selbst etwas hochtrabend nennt, passen will.

Drei Röhrchen für ein Halleluja: Absinthexplore Testbericht

Wer bestellt hat, kann sich auf die Lieferung freuen. Die Absinthexplore-Box wirkt wirklich sehr edel. Die drei Teströhren sind in einem schönen Karton aus feiner Wellpappe verpackt, der Absinth-Löffel ist im Kopfteil der Box verstaut. Als Geschenk für Absinth-Genießer macht das Set optisch in jedem Fall viel her.

Unser Testpaket enthielt die Sorten „Absinthe Maitresse Rouge” aus Frankreich, „Absinthe Francois Guy” aus der Schweiz und einen „Absinth Eichelberger - 80 Brut” aus Bayern.

Während wir die Gläser für unseren ersten Absinth-Test vorbereiten, vielleicht noch ein paar Sätze zur Spirituose an sich: Absinth wird aus Wermut, Anis, Fenchel hergestellt und kann je nach Rezept noch verschiedene andere Kräuter enthalten. Aufgrund seiner häufig grünlichen Farbe und der berauschenden Wirkung wird Absinth teilweise auch „die grüne Fee” genannt. Die Spirituose ist dabei überaus hochprozentig: Der Alkoholgehalt liegt zwischen 45 und 85 Prozent. Einen sehr ausführlichen Artikel zum Thema gibt es auch in der Alkohol-Enzyklopädie Wikipedia.

Wie trinkt man Absinth eigentlich?

Es gibt verschiedene Trinkrituale, von denen das „französische” wohl am geläufigsten ist. Hierbei wird zunächst etwas Absinth in ein Glas gefüllt. Anschließend platziert man ein bis zwei Stück Würfelzucker auf dem Absinth-Löffel und legt ihn darüber. Tröpfchenweise gießt man etwas heißes Wasser darüber. Dieses läuft über den Zucker, der sich löst und dann in den Absinth tropft.

Es kann losgehen: Nacheinander verkosten wir die drei Absinth-Sorten aus der Schweiz, Frankreich und Bayern. Das Ergebnis ist zunächst überraschend unspektakulär. Absinth schmeckt im Wesentlichen wie ein sehr starker Ouzo oder Raki. Der deutsche Absinth schmeckt etwas mehr nach Anis, beim grünlichen aus der Schweiz kommen die Kräuter-Aromen stärker zum Tragen. Allen Sorten ist gemein, dass sie durch ihren hohen Alkoholgehalt stark nachbrennen und schnell zu Kopf gehen. Vielleicht verkennen wir „die grüne Fee” an dieser Stelle, aber so ganz wollte sich uns die Faszination hinter dem Absinth nicht erschließen.

Alkoblog.de Fazit:

Alles in allem bietet das Absinthexplore-Set eine gute Möglichkeit verschiedene Absinth-Sorten im Vergleich zu probieren. Neulinge können herausfinden, ob und wenn ja welcher Absinth am besten zu ihnen passt. Wer vor allem den Anis-Geschmack der Spirituose mag, ist mit einer guten Flasche Ouzo (unser Tipp: Ouzo Plomari) oder Raki in unseren Augen aber besser bedient.  Gemessen am Inhalt ist das Probierset doch recht teuer und wohl vor allem als ausgesuchtes Geschenk interessant.

Wir danken dem Shop für die kostenfreie Bereitstellung des Testpaketes.

Nachtrag 04.08.: Absinthes.com hat nach unserem Artikel den Hinweis auf die Versandkostenfreigrenze einheitlich auf 80 Euro geändert. Am jeweiligen Produkt wird leider weiterhin nicht auf die anfallenden Versandkosten hingewiesen. Diese erfährt man nur beim Blick in die FAQ oder im letzten Bestellschritt.


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Ein Herz aus Fusel - Barcadi Oakheart im Test

Bacardi Oakheart Testbericht

Inspiriert durch eine rechte positive Rezension im Eyeforspirits-Blog und durch eine aktuelle Werbeaktion habe ich mir letzte Woche eine Flasche Bacardi Oakheart gekauft. 0,7 Liter Rum und ein Liter Cola für 9,99 Euro - das klang nach einem guten Geschäft! Gestern war dann die Verkostung bei einem guten Freund von mir angesagt.

Bacardi Oakheart ist ein so genannter Spiced Rum oder auch Flavoured Rum. Dem Rum werden also Aromen zugesetzt, im Fall von Oakheart sollen Muskat, Zimt und Vanille-Aroma mit im Spiel sein. Es handelt sich um einen Blend aus mehreren Rumsorten, von denen eine in Holzfässern gelagert wird. Die Dauer dieser Lagerung und der Anteil des holzgelagerten Rums wird aber nicht benannt. Stattdessen jubiliert der PR-Text: “Seine einzigartige Herstellung verleiht ihm seinen einzigartigen Geschmack und seine unverwechselbare goldbraune Farbe.” Zweimal “einzigartig” in einem Satz, das muss schon echt etwas Besonderes sein…uns fällt zunächst nur der geringere Alkoholgehalt von 35 % bei Oakheart auf, der unter der Marke von 37,5 % für normalen Rum liegt.

Die Packung von Bacardi Oakheart lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um ein Lifestyle-Getränk handelt. Konkret werden Männer bzw. “Kerle” angesprochen. “Einkaufszettel für Männer. Oak, Cola. Fertig.” heißt es etwa da etwa. Oder auch: “Mit Kumpels. Ohne Schnickschnack.” Darunter sind zwei große Humpen abgebildet, die mit Cola, Eis und offensichtlich Oakheart gefüllt sind. Das Mischverhältnis bleibt indes unklar.

Wir entscheiden uns mangels Humpen für zwei kleinere Gläser und schenken ein. Ja, wir haben keine Nosing-Gläser für den Test verwendet, aber ich bezweifle ehrlich gesagt, dass die viel hätten ausrichten können. Bacardi Oakheart riecht ziemlich süßlich und nach Fusel. Allenfalls erahnen kann man eine leichte Rauchnote. Auch im Mund enttäuscht der Rum: Klebrig umschleicht er den Gaumen. Oakheart schmeckt kaum rauchig, sehr süßlich und im Abgang unangenehm spritig. Ich hatte noch nie das Vergnügen Holzpolitur zu trinken, aber so in etwa stelle ich es mir vor.

Bacardi Oakheart erinnerte mich an Nächte in meiner Jugend, die wir im Park durchfeierten: Der eine brachte eine Flasche billigen Rum mit, der andere eine Cola oder Fanta. Gemischt wurde im Plastikbecher. Es war kein Genuss, es ging um den Pegel. Um dieses angenehme Gefühl des Angetrunkenseins. Was haben wir nicht alles für Quatsch erzählt in diesen langen Nächten. Eine lustige Zeit, keine Frage, aber doch schon eine ganze Weile her. Mit Oakheart kann man sich diese mehr oder weniger glorreichen Momente zurückholen - mit jedem anderen Fusel für 5 Euro allerdings wahrscheinlich auch.

Mit der beigelegten Cola schmeckt Bacardi Oakheart tatsächlich etwas besser bzw. schmeckt man ihn einfach nicht mehr so deutlich durch. Oakheart wird trinkbar, aber keineswegs gut.

Alles in allem eine ziemliche Enttäuschung. Ein Einkaufszettel für echte Männer sollte daher besser wie folgt aussehen: Geld zusammenlegen und für 20 Euro eine gute Flasche Rum (und ich meine jetzt nicht Havanna Club) in einem Fachgeschäft oder einer ordentlich sortierten Spirituosenabteilung kaufen. Schmeckt besser und kann man sogar ohne Cola trinken. Woran man die wirklich guten Flaschen erkennt? Wenig Marketing-Blabla hinten drauf, stattdessen eine lange Lagerung im Holzfass und dadurch mehr Geschmack in der Flasche.


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