Auf der Suche nach der grünen Fee - Absinthexplore im Test

Wer in diesen Tagen noch einen Absinth-Versand im Internet eröffnet, muss starke Nerven haben oder eine ziemlich originelle Idee vorweisen können. Immerhin steht man in Konkurrenz zu gefühlten hundert anderen Online-Shops mit der gleichen Geschäftsidee. Längst ist Absinth keine Rarität mehr. Es gibt ihn in speziellen Läden (z.B. Absinth Depot Berlin), in größeren Supermärkten und auch viele Schnapshändler haben die grüne Spirituose mittlerweile im Angebot.

Und auch vor dem Regal haben Absinth-Interessenten haben die Qual der Wahl: Mehrere hundert verschiedene Sorten warten auf passionierte Trinker. Ein Etikett wirkt attraktiver als das andere, die Beschreibungen überschlagen sich in ihrer Blumigkeit, grünlich schimmert der Inhalt vieler Flaschen im Licht.

Absinthexplore im Test

Mit Absinthexplore bringt der Händler Absinthes.com jetzt ein Probierset für Absinth auf den Markt, welches es ermöglicht vor dem Kauf einer großen (und 30 bis 50 Euro teuren) Flasche, verschiedene Sorten zu testen.

Im Onlineshop gibt es zum einen vorgefertigte Kombinationen, die „Entdecker”, „Set Schweiz” oder schlicht „Les Vertes” heißen, zum anderen kann man sich aus 26 Absinth-Sorten auch seine ganz eigene Box mit drei oder fünf Proben zusammenstellen. Der Absinth ist dabei in kleinen Röhrchen abgefüllt, welche Reagenzgläsern aus dem Chemieunterricht ähneln.

Ein Röhrchen kostet zwischen 6,50 und 7 Euro für 50 ml Destillat - keine günstige Angelegenheit also. Um es noch deutlicher zu machen: Der Literpreis liegt zwischen 130 und 140 Euro! Aber ok, es ist ja auch ein Probierset und man trinkt nicht alle Tage Absinth.

Absinth-Proben von Absinthexplore

Bestellung mit Hindernissen

Bei der Bestellung des Probiersets im Shop kommen neben den Kosten für die Proberöhrchen noch weitere Posten hinzu: So kann man im vorletzten Bestellschritt optional noch Absinth-Löffel dazulegen (ab 4 Euro). Für die Verpackung werden 2 Euro aufgeschlagen. Der Versand der kleinen Kiste kostet auch nochmal 6,50 Euro. Mindestens 28 Euro kostet ein auf diese Weise selbst zusammengestelltes Set mit drei Absinthproben am Ende. Etwas störend wirkt dabei, dass die verschiedenen Einzelkosten erst im letzten Schritt angezeigt werden. Auch hätte man erwarten können, dass die Pappschachtel im Preis des Probiersets schon enthalten ist - immerhin sind die Röhrchen auch schon nicht ganz billig.

Auch die Darstellung der Versandkosten wirkt nicht besonders transparent: Sie werden auf den Artikelseiten von absinthes.com nicht klar benannt oder verlinkt. Auch sonst sind sie schwer zu finden. Klickt man auf den Button „Reduzierte Versandkosten” auf der Absinthexplore-Übersichtsseite, werden plötzlich Dollar-Preise für den Versand in die USA angezeigt. Wir wollten doch aber wissen, wie viel der Versand innerhalb Deutschlands kostet. Und es geht merkwürdig weiter: In den FAQ stehen schließlich die gesuchten Versandkosten für Deutschland mit einem Hinweis auf die kostenfreie Lieferung ab 150 Euro. Nur: Im Kopfteil jeder Seite wird uns eine Gratis-Lieferung schon ab 80 Euro Bestellwert versprochen. Alles in allem ein ziemliches Kuddelmuddel, das nicht so recht zu „Europas Nr. 1 für Absinthes”, wie sich der Shop selbst etwas hochtrabend nennt, passen will.

Drei Röhrchen für ein Halleluja: Absinthexplore Testbericht

Wer bestellt hat, kann sich auf die Lieferung freuen. Die Absinthexplore-Box wirkt wirklich sehr edel. Die drei Teströhren sind in einem schönen Karton aus feiner Wellpappe verpackt, der Absinth-Löffel ist im Kopfteil der Box verstaut. Als Geschenk für Absinth-Genießer macht das Set optisch in jedem Fall viel her.

Unser Testpaket enthielt die Sorten „Absinthe Maitresse Rouge” aus Frankreich, „Absinthe Francois Guy” aus der Schweiz und einen „Absinth Eichelberger - 80 Brut” aus Bayern.

Während wir die Gläser für unseren ersten Absinth-Test vorbereiten, vielleicht noch ein paar Sätze zur Spirituose an sich: Absinth wird aus Wermut, Anis, Fenchel hergestellt und kann je nach Rezept noch verschiedene andere Kräuter enthalten. Aufgrund seiner häufig grünlichen Farbe und der berauschenden Wirkung wird Absinth teilweise auch „die grüne Fee” genannt. Die Spirituose ist dabei überaus hochprozentig: Der Alkoholgehalt liegt zwischen 45 und 85 Prozent. Einen sehr ausführlichen Artikel zum Thema gibt es auch in der Alkohol-Enzyklopädie Wikipedia.

Wie trinkt man Absinth eigentlich?

Es gibt verschiedene Trinkrituale, von denen das „französische” wohl am geläufigsten ist. Hierbei wird zunächst etwas Absinth in ein Glas gefüllt. Anschließend platziert man ein bis zwei Stück Würfelzucker auf dem Absinth-Löffel und legt ihn darüber. Tröpfchenweise gießt man etwas heißes Wasser darüber. Dieses läuft über den Zucker, der sich löst und dann in den Absinth tropft.

Es kann losgehen: Nacheinander verkosten wir die drei Absinth-Sorten aus der Schweiz, Frankreich und Bayern. Das Ergebnis ist zunächst überraschend unspektakulär. Absinth schmeckt im Wesentlichen wie ein sehr starker Ouzo oder Raki. Der deutsche Absinth schmeckt etwas mehr nach Anis, beim grünlichen aus der Schweiz kommen die Kräuter-Aromen stärker zum Tragen. Allen Sorten ist gemein, dass sie durch ihren hohen Alkoholgehalt stark nachbrennen und schnell zu Kopf gehen. Vielleicht verkennen wir „die grüne Fee” an dieser Stelle, aber so ganz wollte sich uns die Faszination hinter dem Absinth nicht erschließen.

Alkoblog.de Fazit:

Alles in allem bietet das Absinthexplore-Set eine gute Möglichkeit verschiedene Absinth-Sorten im Vergleich zu probieren. Neulinge können herausfinden, ob und wenn ja welcher Absinth am besten zu ihnen passt. Wer vor allem den Anis-Geschmack der Spirituose mag, ist mit einer guten Flasche Ouzo (unser Tipp: Ouzo Plomari) oder Raki in unseren Augen aber besser bedient.  Gemessen am Inhalt ist das Probierset doch recht teuer und wohl vor allem als ausgesuchtes Geschenk interessant.

Wir danken dem Shop für die kostenfreie Bereitstellung des Testpaketes.

Nachtrag 04.08.: Absinthes.com hat nach unserem Artikel den Hinweis auf die Versandkostenfreigrenze einheitlich auf 80 Euro geändert. Am jeweiligen Produkt wird leider weiterhin nicht auf die anfallenden Versandkosten hingewiesen. Diese erfährt man nur beim Blick in die FAQ oder im letzten Bestellschritt.


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