Rum-Destillerie mit großer Tradition. (Foto: Angostura)

Wenn man sich an den zahlreichen Messeständen des German Rum Festivals 2016 umhörte, stand eine Frage ganz klar im Vordergrund: „Ist das ein Solera-Rum oder ein richtiges Alter?“ Vielen Rum-Liebhabern scheint ein verlässliches Age-Statement auf der Flasche zunehmend wichtiger zu werden. Mit dem House of Angostura bekennt sich auch einer der traditionsreichsten und profiliertesten Rum-Hersteller der Karibik zum Age-Statement. Aber nicht nur wegen der hohen Qualität des Rums lohnt sich ein Blick auf diese Destillerie.

Aufregender Anfang: Die Geschichte des House of Angostura

Was viele Rum-Trinker nicht wissen: Angostura hat einen deutschen Ursprung. Es war der deutsche Arzt Dr. Siegert, welcher vor annähernd 200 Jahren in der venezolanischen Stadt Angostura (heute Ciudad de Bolívar) aus verschiedenen Kräutern und Gewürzen (aber keiner Angosturarinde) ein Tonikum gegen Tropenkrankheiten entwickelte. Eine Medizin, welche heute als Bitter, eine beliebte Zutat in Cocktails ist. Um seine bekannteste Erfindung zu vermarkten, gründete er Mitte des 18. Jahrhunderts das Unternehmen House of Angostura.

Sommer, Sonne, Rum: Straßenszene aus Trinidad & Tobago (Foto: Angostura)
Sommer, Sonne, Rum: Straßenszene aus Trinidad & Tobago (Foto: Angostura)

Aufstieg zur Rum-Destillerie in Trinidad & Tobago

Nach dem Tod des Gründers im Jahr 1870 übernahmen sein jüngerer Bruder und sein Sohn die Geschicke des Unternehmens. Bald darauf musste der Firmensitz, wegen der politischen Situation, von Venezuela nach Trinidad (dem heutigen Trinidad & Tobago) verlegt werden. Auf der von den Seefahrernationen viel frequentierten Insel florierte auch der Handel mit Rum, so dass schon bald der erste Rum aus Zuckerrohr-Melasse destilliert wurde. Die damalige raue Rum-Qualität für Seefahrer wird mit dem heutigen Rum allerdings wohl nicht mehr viel gemeinsam haben.

Große Auswahl an gutem Rum im House of Angostura

Im House of Angostura werden insgesamt sechs verschiedene Rum-Sorten hergestellt, so dass für jeden Rum-Liebhaber etwas dabei ist. Überwiegend zum Mischen in Cocktails ist dabei der Angostura Reserva geeignet, ein klassischer weißer Rum mit trockenem Mundgefühl und geschmeidigem Vanille-Aroma.

Aber auch gelagerte Rums, wobei die Altersangabe immer auf den jüngsten enthaltenen Rum verweist, wie wir im Interview mit Master Distiller John Georges erfuhren, werden in der trinidadischen Destillerie produziert. Der Angostura Rum 5 Jahre mit schokoladigen und würzigen Eichenholzaromen sowie der etwas ältere Angostura Rum 7 Jahre, welcher Aromen von Ahornsirup, süßem Honig und Karamell aufweist.

Von Angostura 1787 bis 1919 Rums mit besonderem Hintergrund

Einige der Rums aus dem Haus of Angostura verweisen mit einer Jahreszahl auf dem Etikett auf besondere Ereignisse in der Geschichte der Destillerie oder in der Historie von Trinidad & Tobago. So erinnert der Angostura 1919 auf den großen Brand eines Rum-Lagers, bei dem wie durch ein Wunder, einige verkohlte Fässer „überlebten“. Die verbliebenen angekohlten Rum-Fässer wurden miteinander verblendet und als Angostura 1919 vermarktet. Der heutige Angostura 1919 wird acht Jahre in Ex-Bourbonfässern gelagert und erinnert an dieses Ereignis.

Angostura 1824: 12 Jahre im Eichenholzfass

Der Angostura 1824 gedenkt mit seinem Jahr auf dem Etikett der Flasche an die Erfindung des berühmten Angostura-Bitters durch den Namensgeber und Gründer Dr. Johann Siegert. Der Rum für diese exklusive Abfüllung wird für mindestens 12 Jahre in first-fill Bourbon-Fässern gelagert. Nach diesen 12 Jahren werden die verschiedenen Fässer miteinander verblendet und dann erneut kurze Zeit in Eichenholz gelagert. So können sich die Aromen optimal miteinander verbinden. Die Abfüllung des Angostura 1824 erfolgt erst wenn der Master Blender zufrieden ist.

Zurück zu den Ursprüngen: Angostura 1787

Ein noch exklusiverer Rum ist der Angostura 1787, welcher sogar für 15 Jahre in ehemaligen Bourbon-Eichenholzfässer lagern darf. Auch für die Lagerung dieses Rums werden ausschließlich first-fill-Bourbon-Fässer verwendet. Mit der Jahreszahl des Angostura 1787 wird auf die Gründung der ersten Zuckermühle in Trinidad verwiesen, welche für die Herstellung von Rum von größter Bedeutung war. Ohne die Mühle hätte Trinidad & Tobago und insbesondere Angostura seine besondere Stellung in der Herstellung von Premium-Rum wohl nicht erreicht.

Das neueste Familienmitglied im House of Angostura

Mittlerweile kann das House of Angostura auf eine fast 200jährige Rum-Tradition zurückblicken, was aber kein Grund ist, nicht auch mal etwas völlig Neues auszuprobieren. Dies läge wohl auch ganz im Sinne des Gründervaters, der ja auch vor Erfindung seines des Angostura-Tonikums lange experimentierte. Mit dem neuesten Familienmitglied dem Amaro di Angostura wagt man sich an einen wahren Likör-Klassiker.

Das neueste Familienmitglied bei Angostura ist ein Amaro. (Foto: Hersteller)
Das neueste Familienmitglied bei Angostura ist ein Amaro. (Foto: Hersteller)

Amaro di Angostura: Tradition trifft Moderne

Auch bei der Herstellung von Amaro di Angostura wird auf die Tradition und die langjährige Erfahrung aus der Herstellung von Premium-Rum zurückgegriffen. So kommt zum Beispiel beim Vergären der Maische der selbe Hefestamm, welcher bereits seit 1930 für Angostura-Rum verwendet wird zum Einsatz. Anders als bei der Rum-Herstellung wird der neutrale Alkohol dann allerdings nicht eingelagert sondern mit verschiedenen Gewürzen kombiniert. So nimmt der Alkohol die Aromen der Kräuter auf, was zu einem einzigartigen Geschmackserlebnis führt. Die genaue Rezeptur oder welche Gewürze verwendet werden bleibt dabei leider ein Geheimnis.

Geschmackstest des kräftigen Amaro di Angostura

In der Nase weist der Amaro di Angostura einen reinen klaren Geruch auf, der an Milchschokolade, helles Karamell und Zimt erinnert. Das Mundgefühl ist üppig und cremig-süß mit würzigen Zimt- und Karamellnoten sowie dem Geschmack von Süßholz. Der mit 35% Alkohol recht kräftige Amaro kann gut gekühlt auf Eis oder in klassischen Drinks gemixt serviert werden. Sehr gut vorstellen kann man sich den Amaro di Angostura aber auch als schmackhafte Ergänzung zum Dessert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*