Gin erlebt schon seit einigen Jahren eine regionale Renaissance: Ob Adler Dry Gin aus Berlin, Monkey 47 aus dem Schwarzwald oder jetzt Gin Alpin aus Salzburg – es sind regionale Erzeuger, die der betagten Wacholder-Spirituose neuen Schwung verleihen. Bis vor kurzem hatte Gin keinen besonders guten Ruf: Als billiger Schnaps war er verschrien, der gern auch von Hausfrauen in Form von süß-herbem Gin Tonic konsumiert wurde. Einen Gin pur zu genießen, das kam nur selten in Frage.

Mit den neuen regionalen Gins änderte sich das: Die jungen Destiller begannen mit den Inhaltsstoffen der Spirituose zu experimentieren. Ein Gin besteht meist aus einem Getreidebrand, der mit Gewürzen (den sogenannten Botanicals) aromatisiert wird. Während der Destillation werden entweder die Dämpfe des Alkohols direkt durch die Gewürze geleitet oder die Gewürze werden in die Kornmaische zugegeben und mitdestilliert (sogenannte Mazeration). Klassischerweise spielen Wacholder und Koriander eine große Rolle im Geschmacksbouquet des Gin. Doch auch andere Aromaträger wie zum Beispiel Ingwer, Muskat, Waldbeeren, Blüten, Zitronen- oder Orangenschalen können beigefügt werden. Bei über 120 verschiedenen Zutaten lohnt es sich, mit der Botanicals-Mischung ein wenig zu spielen. Genau das macht die neuen Regional-Gins so spannend.

Die Brennerei Guglhof in einem Vorort von Salzburg ist vor allem bekannt für ihre Edelbrände. Diese werden im Gutshof der Familie in einem ehemaligen Getreidespeicher gebrannt. Seit 2010 hat der Familienbetrieb auch einen Gin im Sortiment. Für den „Gin Alpin Austrian Dry Gin“ konnte sich Brennmeister Anton Vogl dabei auf ein altes Familienrezept des Großvaters stützen. Der hatte schon in den 1930er Jahren mit der Wacholder-Spirituose experimentiert. Das Familienrezept kam auf den Prüfstand und wurde verfeinert. Ein Potpourri aus Wacholder, Alpenrosenblättern, Schwarzbeere, Wildfrüchten und Blüten wird mit einem Getreidebrand in einer kleinen Kupferbrennblase destilliert. Die genaue Mischung der 23 verwendeten Botanicals bleibt dabei natürlich geheim…

Gin Alpin Testbericht

Verkostung von Gin Alpin

Eine besondere Spirituose braucht eine besondere Flasche, dachte sich Anton Vogl und ließ so schon Ende der 1970er Jahre in Norditalien eine charakteristische Flasche für seine Brände fertigen. Der schön geformten Flasche steht das etwas altmodisch gestaltete Etikett gegenüber, welches kein besonderer Blickfang ist.

Nach dem Öffnen der Flasche steigt uns ein überraschend fruchtiger Geruch in die Nase. Gin Alpin riecht nach reifem Pfirsich, Aprikose, Banane. Doch auch Noten von Wacholder und Flieder mischen sich hinzu. Im Mund entfaltet sich ein mildes und rundes Geschmacksbouquet. Feine Blüten treffen auf Getreide, doch es ist kaum Frucht zu schmecken. Die Wacholdernote ist angenehm zurückhaltend und nicht so aufdringlich wie bei vielen anderen (vor allem günstigeren) Gins. Im Abgang ist Gin Alpin trocken und fast erfrischend mit feiner Minze. Nach dem vielschichtigen Geruch hätten wir vielleicht noch etwas aufregendere Aromen erwartet. Doch ändert dies nichts daran, dass es sich beim „Alpin“ um einen sehr guten Gin handelt.

Tipp: Wer mehr über die Guglhof-Destillerie und ihre Geschichte erfahren will, findet hier einen interessanten Zeitungsartikel zum Thema.

Wir danken dem Weisshaus Shop für die Zusendung des Gin Alpin.

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