Dunkle Ursprünge: Der Highland Park Dark Origins im Test. (Foto: Alkoblog)

So ein bisschen müssen wir uns noch daran gewöhnen, dass die No-Age-Statement-Whiskys neuerdings so heißen wie Fantasy-Rollenspiele. Dark Origins ist da keine Ausnahme. Wäre die Verpackung nicht in Flaschenform, ich hätte bei dem Namen glatt auf eine neue Erweiterung für World of Warcraft getippt. Und das ist wohl auch Kalkül, denn die Marketing-Abteilung von Highland Park will vermutlich gerade junge, männliche Nachwuchsgenießer mit diesem Whisky ansprechen.

Natürlich gilt auch für den jüngsten Spross von Highland Park, was für alle neuen No-Age-Statements gilt: Sie machen eigentlich nur Sinn, wenn sie etwas Neues zur bekannten Auswahl der Destillerie hinzufügen. Für den Dark Origins gilt das besonders, kostet er mit rund 70 Euro doch glatt doppelt so viel wie der klassische 12-jährige Highland Park. Genau an diesem Standard-Single-Malt muss sich der Jüngling auch messen lassen.

Unser Tasting des Highland Park Dark Origins

Wie riecht er?

Frisch im Glas schnuppert er zunächst etwas nach New Make, in jedem Fall jung. Dann folgen fruchtige Aromen, die einem voll geschmückten Dessert-Buffet gleichen: Pflaumenkuchen, Rhabarberkompott, eingelegte Rumrosinen und Panna Cotta mit Himbeersauce lassen sich mit dem Dark Origins assoziieren. Lässt man ihn atmen, gewinnt er an Reife. Mit einem feinen Hauch Rauch verabschiedet er sich.

Wie schmeckt er?

Frucht! Sherry! Wäre das eine Blindverkostung, hätten wir nach dem ersten Schluck wohl auf einen Highland-Malt oder einen Speysider getippt. Untypisch für einen Highland Park hat der Dark Origins nur wenig Rauch im Gepäck. Eine feine Brise, eine Erinnerung an die Kohle, doch dann ist Schicht im Schacht. Stattdessen trumpft der Sherry kräftig auf, macht den Dark Origins hinten trocken. Der Malt ist an der Grenze zur Sherrybombe, das muss man nicht mögen. Mit Rosine, etwas Lakritz, Holz, Leder und dunkler Schokolade hat er durchaus interessante Aromen. Doch wir vermissen die maritimen Aromen des 12-jährigen: Wo ist das Salz, wo der Seetang und wo der torfige Rauch? Und was hat die ganze Sherry-Arie mit der Marke Highland Park zu tun?

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Der Dark Origins ist sicher einer der besseren No-Age-Statements, die wir in letzter Zeit probiert haben. Doch im Vergleich zum 12 Jahre alten Malt wirkt er unausgewogen und weniger harmonisch. Wo der Highland Park 12 kunstvoll die Balance zwischen Sherry und Rauch hält und dabei angenehm komplex ist, erleben wir hier einen Whisky, der mit viel Sherry und wenig Rauch daherkommt – und dabei ohne Probleme als Speysider oder Highlander durchgehen würde. Für diesen Whisky muss man nicht nach Orkney fahren.

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Highland Park Dark Origins
Gestaltung & Story90
Geruch90
Geschmack70
Preis-Leistung50
75
Fazit
Der "Dark Origins" soll die "dunklen Ursprünge" von Highland Park beschwören: Und die liegen anscheinend im Sherry-Fass. Wenig Rauch, kein Salz. Der No-Age-Statement ist nicht unspannend, aber wir haben uns beim Trinken schon gefragt, warum eigentlich Highland Park auf der Flasche steht. Der halb so teure 12-jährige bietet mehr fürs Geld. Ihm gilt unsere Empfehlung.

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