Whisky

Veröffentlicht am 30. Oktober 2014 | Foto: Alkoblog

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Japanische Perfektion: Hibiki 17 Jahre im Test

Den Japanern sagt man nach, dass sie ein hohes Maß an Perfektion anstreben. Frei nach dem Motto: „Wenn wir etwas machen, dann machen wir es richtig.“ Belege dafür lassen sich in der Küchenkunst der Sushi-Meister ebenso finden wie bei dem Bau von Schnellzügen, die ihren Namen auch verdienen. Wird jetzt also der Whisky, das Erbe jahrhundertealter schottischer Traditionen, durch Japaner zur Perfektion geführt?

Geht es nach der Gestaltung der Flasche, dann ist die Suntory-Destillerie mit dem Hibibi 17 schon mal dicht dran an der Perfektion: Wie eine Karaffe mutet diese an, die vierundzwanzig Kanten stehen nicht etwa für 24 Stunden Whisky-Genuss, sondern für die Anzahl der Jahreszeiten im traditionellen japanischen Mondkalender. Das Etikett ist aus handgeschöpftem Papier gefertigt und ergänzt mit Pinselstrich-Optik und gold-geprägter „17“ den hochwertigen Eindruck dieser Abfüllung. Diese Flasche ist wirklich viel zu schade, um sie nach dem letzten Tropfen zu entsorgen.

Nicht ganz klar ist, ob im Hibiki 17 Jahre auch Grain Whisky enthalten ist. Während die Suntory-Webseite von „numerous pure single malt whiskies aged in a variety of cask types, including Mizunara, a very rare Japanese oak“ schwärmt, will etwa dieses amerikanische Blog herausgefunden haben, dass doch gereifter Grain Whisky hinzugefügt wird. Wie dem auch sei, mit fast 90 Euro für eine Flasche rangiert der Hibiki 17 Jahre preislich ohnehin in astronomischen Sphären. Da muss er aber auch gut sein. Oder? Wir wollen es sehen beziehungsweise schmecken in unserem Whisky-Test.

Unser Tasting des Hibiki 17 Jahre

Wie riecht er?

Wer einen japanischen Whisky angemessen verkosten und ihm gerecht werden will, der muss sich schon eine Struktur zurecht legen. Das merkt man spätestens nach den ersten zehn Minuten mit dem Hibiki 17. Mein Stift fliegt über das Papier und ich komme kaum hinterher, alle Eindrücke dieses Whiskys in Worte zu fassen. Versuchen wir es also mit etwas Ordnung:

1. Die Früchte: Wir riechen zunächst Pflaume, etwas Sherry, Zitronenschale, Kokos und Ananas. Der Hibiki 17 ist stark bei den tropischen Aromen, erinnert an eine süße Pina Colada. Mit etwas mehr Luft finden sich auch noch Rosinen und Amarena-Kirsch-Eis ein.

2. Das Alter: Ja dieser Whisky hat Alter und Reife! Er riecht nach Pergament, nach Bohnerwachs, Eichenholz und Räucherspeck. Dunkle Schokolade, viel Kakao und Pralinen ergänzen die komplexe Mischung. Zeitweise erinnert Hibiki 17 fast an einen alten Rum, so weich und angenehm ist der Duft.

3. Der Rest: Die milden, cremigen und weichen Aromen überwiegen bei diesem Blend. Doch auch Zimt, Vanille und Nüsse haben wir entdeckt. Und das ist sicher längst noch nicht alles…

Wie schmeckt er?

Auch hier steht der Hibiki 17 auf der Schwelle zur Sensation. Wir schmecken Fruchtaromen, die wir noch nie bei einem Whisky geschmeckt haben. Die ganze Palette an tropischen Früchten gibt sich ein Stelldichein: Papaya, Banane, Ananas und Pfirsich erfüllen die Zunge mit Süße und vielschichtigen Geschmacksnoten. Etwas süße Pflaume kommt hinzu. Der Hibiki 17 schmeckt reif, prickelt aber leicht auf der Zunge. Der Alkohol kitzelt und lässt den Whisky frisch und leicht wirken, trotz seiner gediegenen Aromen. Lässt man ihn länger stehen, kommen diese stärker hervor. Delikater Räucherspeck trifft auf Eichenholz und Leder. Dieser Japaner hat viel zu erzählen. Auch der Abgang gerät komplex und lang, mit trockener und ganz leicht kohliger Note. Der Hibiki 17 ist ein Luftartist, obwohl er die Reife hat!

Aufschließen bringt nicht viel

Natürlich haben wir versucht mit ein paar Tropfen Wasser noch mehr aus dem Japaner herauszubekommen. Doch da beißt man bei Hibiki auf Granit. Beziehungsweise im Gegenteil auf Cremetörtchen, Eiercreme und viele weiche, süße, fast buttrige Aromen. Der Harmonie des Gesamtkunstwerks tut das nicht wirklich gut: Hinten wirkt er sehr stark, wuchtig, kommt mit Energie hervor. Die Früchte wirken fast zu intensiv, zu reif und vergoren. Unverdünnt hat uns dieser Whisky besser gefallen.

Wir danken dem Weisshaus Shop für die Zusendung des Hibiki 17.

Alkoblog.de Whisky-Test: Hibiki 17

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Noch nie haben wir einen Whisky erlebt, der so perfekt durchkomponiert wirkte. Die Japaner überlassen bei Hibiki 17 nichts dem Zufall: Mit der Fülle an Aromen setzt dieser Blend Maßstäbe in seinem Genre. Ein großartiger Whisky und eine Empfehlung für alle, die ein erlesenes Geschenk für Genießer suchen. Mit 90 Euro ist der Hibiki auch preislich weit oben angesiedelt.

4.7



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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