Veröffentlicht am 1. Oktober 2015 | von Samuel

Kubanische Größe: Havana Club Selección de Maestros im Test

„Ich habe Chan Chan nicht komponiert, ich habe es geträumt. Ich habe die Musik geträumt. Manchmal wache ich auf mit einer Melodie in meinem Kopf, ich höre die Instrumente, alles sehr klar. Ich schaue vom Balkon und ich sehe niemanden, aber ich höre es, als ob es auf der Straße gespielt würde. Ich weiß nicht, was es war. Eines Tages wachte ich auf und hörte diese vier gefühlvollen Noten, ich gab ihnen einen Text, der von einer Geschichte aus meiner Kindheit, Juanica und Chan Chan, inspiriert war und sie sehen, jetzt wird es überall gesungen.“ – Buena Vista Social Club-Legende Compay Segundo

Vielleicht kennt ihr auch dieses Gefühl: Ihr verkostet eine Abfüllung und plötzlich legt sich ein Schalter im Kopf um. Klick macht es dann und ihr fühlt euch direkt an einen anderen Ort versetzt. Als ich den ersten Schluck vom Havana Club Selección de Maestros im Mund hatte, sah ich mich direkt unter einer großen schattigen Palme sitzen und genüßlich eine kubanische Zigarre schmauchen. Die tropische Hitze wärmte von außen, während der Rum mir von innen einheizte. Was für ein Leben. Wie im Buena Vista Social Club.

Doppeltes Fass für besonderen Geschmack

Der Havana Club Selección de Maestros wird zuerst für eine nicht näher bestimmte Zeit von mehreren Jahren in Fässern aus Weißeichenholz gelagert und nach der Vermählung des Rums erneut in jüngeren, sogenannten Finishing Casks nachgereift. Ungewöhnlich, da man die Lagerung in verschiedenen Fässern sonst eher mit Scotch Whisky verbindet. Die Abfüllung erfolgt mit einem erhöhten Alkoholgehalt von 45 % – laut Havanna Club nennt man das angeblich „Cuban Barrel Proof“ (der Begriff wird aber nur von diesem Hersteller verwendet).

havana-club-seleccion-maestros

Die „Meisterauslese“ kommt anders als die bekannte 3 Jahre alte Mainstream-Abfüllung aus dem Supermarkt in edlerer Hülle daher: Die Dose des Rums scheint eine Echtholzauflage zu besitzen. Und auch die Flasche kommt mit geprägtem Schriftzug „La Habana Cuba“ und sanftem Schwung in der Oberweite sehr elegant daher.

Doch lohnt sich das Upgrade zum gewöhnlichen Havanna Club auch vom Geschmack her?

Unser Tasting des Havana Club Selección de Maestros

Wie riecht er?

Wir riechen leckeres Sahnekaramell, dazu Kakao und Kaffee. Gefolgt von dem würzigen Aroma von Zimt und Nelken. Nussige Aromen sowie Eichenholz ergänzen diesen dezent süßen und doch gesetzten Rum. Mit kräftiger Orangenschale und dem verlockenden Duft von frischen Feigen wird es jetzt auch noch fruchtig in der Nase. Auch etwas Kokos ist dabei. Viel komplexer und gediegener als der günstige Bruder aus dem Supermarkt.

Wie schmeckt er?

Auch im Mund sind sofort wieder die Sahnekaramellbonbons dabei. Dabei ist der Rum aber nicht zu süß, dass es stören würde. Kein Vergleich zum zuckersüßen Old Man Project One, den wir kürzlich verkostet haben. Erneut ist Eichenholz und auch die Zimt-Nelken-Kombi sowie etwas Muskatnuss zu schmecken. Diese angenehme Würzigkeit durchzieht den Rum förmlich. Ein eleganter und runder Geschmack. Die Früchte werden in Form von Bitterorangen bzw. feine britische Orangenmarmelade (Chivers! Wilkin & Sons!) würdig vertreten. Dazu etwas Aprikosen und die Fiesta del Frutta ist perfekt. Vielleicht auch mal ein Rum fürs kubanische Frühstück?

Das eigentliche Highlight ist für mich das Finish: Das kommt mit ordentlich Tabak und ungewöhnlich rauchig daher. Eine schöne Zigarre wäre sicher der perfekte Begleiter zu diesem Rum.

Mit großem Dank an unseren Tasting-Partner Rum & Co für die Zusendung des Havana Club Selección de Maestros.

Alkoblog.de Rum-Test: Havana Club Seleccion de Maestros

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Samuel: Den günstigen Havanna Club Rum aus dem Supermarkt kennt jeder. Die Seleccion de Maestros legt da noch eine gute Schippe drauf: Dieser Rum ist pur genießbar. Die feinen Aromen greifen perfekt ineinander und machen den Kubaner zu einem überaus angenehmen Begleiter für den Feierabend. Nicht der komplexeste Rum, aber abwechslungsreich und sehr überzeugend. Für 45-50 Euro kein Schnäppchen und dennoch ein schönes Geschenk für alle, die mehr von ihrem Rum erwarten.

4.5



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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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