Guter Tequila im Test (Foto: Alkoblog)

Tequila hat als Spirituose immer noch einen zwiespältigen Ruf: Einerseits geliebt (und gefürchtet) als Party-Shot mit Salz und Zitrone, von dem man häufig zu viel trinkt und dann mit Kopfschmerzen aufwacht. Andererseits ein geschätztes mexikanisches Destillat, das vor allem durch seinen edleren Bruder Mezcal, gerade wieder Aufwind bekommt. In Bars von New York bis Berlin werden Tequila- und Mezcal-Cocktails serviert, spricht man über die neue Szene-Spirituose. „Tequila kann auch richtig gut sein“, lautet die Botschaft. Wir wollten es genauer wissen und haben vier beliebte Marken von günstig bis teuer auf die Probe gestellt. Unser Tequila-Test soll zeigen, welche Flaschen sich wirklich lohnen und wie viel man für einen guten Tequila ausgeben muss.

Tequila Silver kommt ohne Fasslagerung in die Flasche

Jeder kennt die Tequila-Flaschen im Regal eines gut sortierten Supermarktes: Es gibt klaren Tequila und welchen mit bräunlicher Färbung. Der Unterschied liegt in der Lagerung: Tequila Silver wird direkt nach der Destillation in Flaschen abgefüllt, ein Tequila Reposado oder Añejo wird für einige Zeit im Holzfass gereift. Eine Besonderheit stellt der Tequila Gold dar: Es handelt sich um einen Blend aus ungereiftem und gereiftem Tequila, der färbende Zusätze enthalten darf. Hier erfährst du mehr über den Unterschied zwischen Tequila Gold und Tequila Silver.

Um unseren Test einheitlich zu halten, haben wir uns dafür entschieden nur Tequila Silver-Abfüllungen gegeneinander antreten zu lassen. Hätten wir auch fassgelagerte Tequila-Sorten in das Testfeld aufgenommen, so wäre womöglich ein Ungleichgewicht entstanden, da eine Fasslagerung eine nicht zu unterschätztende Auswirkung auf den Geschmack hat. Auch ist der Silver die beliebteste Tequila-Art und im Handel am besten verfügbar.

Drei Tequila Mixto und einer aus 100 % Agaven

Der Begriff Tequila Mixto taucht auf keiner der Flaschen auf und doch handelt es sich bei drei der Testkandidaten um gemischte Sorten. Das bedeutet: Nur 51 % des Alkohols muss aus der Blauen Weber Agave kommen, der Rest wird häufig aus Zuckerrohrsaft gewonnen. Formal korrekt heißt es etwa bei Jose Cuervo auf dem Etikett „Made with Blue Agave“ (und nicht etwa „made from“). Auf der Rückseite der Flasche gibt man sich kryptischer: Die Flasche enthalte „die ganze Magie der blauen Agave“. Die Aussage „etwas mehr als die Hälfte der Magie“ wäre wohl richtiger gewesen, klingt aber wohl nicht ganz so cool.

Unsere Testkandidaten

Vier Marken in unterschiedlichen Preislagen sollen die ganze Bandbreite von modernem Tequila zeigen:

  • Sierra Tequila (ca. 12 Euro)
  • Jose Cuervo Especial (ca. 15 Euro)
  • Olmeca Tequila Blanco (ca. 20 Euro)
  • Patrón Silver (ca. 40 Euro)

Die Preise sind wie immer etwas davon abhängig, wo man den Tequila kauft und ob es gerade einen Angebotspreis gibt. Wir werden die Kandidaten weiter unten noch genauer beschreiben und mit ihren Qualitäten vorstellen.

Warum wir Tequila blind verkosten

Wie schon bei unserem Vodka-Vergleichstest verkosten wir die Tequilas auch diesmal in einem Blind-Tasting. Wir wissen also nicht, welche Marke wir gerade im Glas haben. Dieses Vorgehen hat sich für uns bewährt, da man allein durch den Blick auf Flasche und Etikett schon vorbeeinflusst sein kann. Für uns kommt es aber nicht darauf an, ob da ein Mexiko-Hut über dem Deckel sitzt (Sierra Tequila) oder uns ein Aztekenkopf vom Etikett anschaut (Olmeca), ob auf dem Etikett die Familiengeschichte erzählt wird (Jose Cuervo) oder die Flasche wie eine mundgeblasene Karaffe in der Berliner Spätsommersonne glänzt (Patrón Silver). Bei diesem Tequila-Test soll es nur um Geruch und Geschmack der Agaven-Spirituose gehen. Wir verkosten die Testkandidaten hierzu pur und bei Zimmertemperatur aus einem Nosing-Glas. Im Anschluss haben wir unsere Verkostungsnotizen den Marken zugeordnet.

Sierra Tequila im Test (Foto: Alkoblog)
Die markante Flasche mit dem roten Mexiko-Hut hat wohl jeder deutsche Tequila-Trinker schon mal gesehen (Foto: Alkoblog)

Sierra Tequila Silver im Test

Sierra Tequila mit dem roten Sombrero auf der Flasche ist der bekannteste Tequila in Deutschland. Kaum jemand der nicht eine Geschichte über ihn erzählen könnte. Meistens kommen Salz und Zitrone darin vor (das Ritual soll sogar von Sierra Tequila erfunden worden sein) und häufig Anekdoten vom folgenden Besäufnis, einem Absturz und dem verkaterten Erwachen am Morgen danach. Nun muss man sagen, dass dies sicher auch daran liegt, dass Sierra Tequila mit rund 12 Euro für 0,7 Liter zu den günstigen Tequila-Marken gehört und auch deshalb auf Partys in rauen Mengen als Shot serviert wird. Für dieses Trinkverhalten kann Sierra Tequila natürlich nicht direkt etwas, weshalb wir uns für unseren Test lieber auf die Fakten konzentrieren: Sierra wird zu einem Teil aus der blauen Agave destilliert, ein anderer Teil ist reiner Agraralkohol. Eine zweifache Destillation in Kupferkesseln und das Wissen von drei Familiengenerationen sollen den günstigen Tequila zum „wahren Genuss“ machen. Wir sind gespannt.

Wie riecht er?

Ein süßlicher, fruchtiger Duft steigt uns in die Nase. Ein Hauch Agave trifft auf Feigen, Palmenblätter und frisch aufgeschnittene Avocado. Immer wieder kommt leider der Alkohol durch, der Geruch ist nicht besonders vielschichtig, sondern verharrt scharf und bitter in unserer Nase.

Wie schmeckt er?

Puuh, ein sehr einfacher Geschmack. Schmal und flach schiebt sich der Sierra Tequila durch unseren Mund. Die Agavennote ist nur sehr leicht zu erkennen, dafür gibt es viele weniger angenehme alkoholische Noten zu entdecken: Bitter und feurig verabschiedet sich der Sierra und wir weinen ihm keine Träne nach.

Fazit: Schmeckt kaum nach Agave und hat bis auf bissigen Alkohol wenig zu bieten. Unter Genuss stellen wir uns definitiv etwas anderes vor. Können wir jetzt bitte was anderes trinken?

Jose Cuervo Especial Tequila im Test (Foto: Alkoblog)
Das edle Design lässt den Jose Cuervo teurer erscheinen, als er ist (Foto: Alkoblog)

Jose Cuervo Especial Tequila Silver im Test

Die Marke Jose Cuervo hat eine lange Tradition: Vor über 200 Jahren erwarb Jose Antonio de Cuervo das erste Land vom König von Spanien (Mexiko war damals spanische Kolonie), um darauf blaue Agaven anzupflanzen und Tequila zu brennen. Die Destillerie, es soll die älteste in ganz Lateinamerika sein, ist bis heute im Familienbesitz. Allerdings gehört sie mittlerweile der Milliardärsfamilie Beckmann in Mexiko und nicht mehr den Cuervos. Ganz klein ist man dennoch nicht mehr: Jose Cuervo ist die meistverkaufte Tequila-Marke der Welt, rund 28 Millionen Liter exportiert man pro Jahr allein in die USA.

Wie riecht er?

Gleich zwei Richtungen bietet uns Jose Cuervo im Nosing an: Zum einen ist da der von Kräutern umrankte Pfad. Wir riechen Pflanzen, Blätter, grünes Laub, Agaven und Limetten. Und dann ist da der felsige Weg: Mineralische Aromen, wir riechen Teer und heißen Asphalt, dazu verbrannte und sogar schweflige Noten. Beide Richtungen sind gegeneinander gut ausbalanciert und bieten in einigen Momenten den Eindruck eines maskulinen, leicht moschusartigen Eau de Toilettes.

Wie schmeckt er?

Die mineralischen Noten finden sich auch im Tasting wieder und prägen den Charakter hier noch deutlicher. Zwar sind auch grüne, kräuterige Aromen zu schmecken, aber sie verbergen sich hinter dem eher trockenen Grundeindruck dieses Tequilas. Mit Salbei, Tabak und weißem Pfeffer sind interessante Nuancen zu entdecken, auch die verbrannte, leicht rauchige Note ist wieder dabei. Der Jose Cuervo Especial ist insgesamt weich und mild, kann im Abgang einen leicht herben und bitteren Nachgeschmack aber nicht ganz verbergen. Dennoch ein gelungener, abwechslungsreicher Geschmack!

Fazit: Gelungener Tequila für Einsteiger, der mit vielfältigen Aromen überzeugen kann. Macht Lust auf weitere Abfüllungen von Jose Cuervo.

Olmeca Tequila Blanco im Test (Foto: Alkoblog)
Olmeca Tequila wird im mexikanischen Hochland Jalisco hergestellt (Foto: Alkoblog)

Olmeca Tequila Blanco im Test

Der Preis für das originellste Flaschendesign geht ohne Zweifel an Olmeca: Da läuft ein Band aus aztekischen Schriftzeichen um das Etikett und der Kopf einer steinernen Statue schaut uns fragend an. Das macht in jedem Fall neugierig auf den Inhalt. Olmeca wird im mexikanischen Hochland von Jalisco in zweifacher Destillation in Kupferbrennblasen hergestellt. Master Distiller Jesús Hernández hat das Etikett sogar persönlich signiert (na jedenfalls fast). Der Vertrieb von Pernod Ricard bringt den mexikanischen Tequila in die Welt und somit auch in unser Nosing-Glas.

Wie riecht er?

Hat hier jemand vergessen zu lüften? Olmeca überrascht uns mit dem schweißigen Geruch von Stinkesocken und Sportsachen, die man ein paar Tage im Rucksack vergessen hat. Definitiv ein unangepasstes, strenges d’œuvre, was uns hier entgegenschlägt. Im Mittelteil dann angenehm pikant mit Zwiebeln und gedünsteten Paprikastreifen. Die charakteristischen Agaven sind eher leicht im Hintergrund zu erkennen. Im Verlauf zunehmend süßer: Mit gedünsteter Birne und Quitte zeigt der Olmeca Blanco, dass er auch herb-süße Fruchtaromen ins Glas bringen kann.

Wie schmeckt er?

Leider finden sich die meisten der Geschmacksnoten aus dem Nosing im Tasting kaum wieder. Der Olmeca Tequila schmeckt matt, dünn und eindimensional. Etwas Borke und Erde ist zu erkennen, aber wo sind die anderen Aromen geblieben? Hinzu kommt die alkoholische Note, die den Spaß am weiteren Verkosten trübt. Sie macht den Olmeca Blanco unverhofft bitter.

Fazit: Eine tolle Nase ist nicht alles! Dieser Tequila enttäuscht geschmacklich leider und bleibt uns ausdruckslos und unangenehm bitter in Erinnerung.

Patron Tequila Silver im Test (Foto: Alkoblog
Patron Tequila Silver wird zu 100 % aus mexikanischen Agaven gebrannt (Foto: Alkoblog)

Patrón Silver Tequila im Test

Der Patrón Tequila setzt sich gleich in mehrerlei Hinsicht von den anderen Kandidaten ab: Es ist der einzige Tequila im Test, der aus 100 % Agaven destilliert wurde. Bei Sierra, Olmeca und Jose Cuervo wird hingegen dem Agavendestillat noch Alkohol aus anderen Quellen zugesetzt, etwa Zuckerrohrschnaps oder ein Getreidebrand. Optisch sorgt die Glasflasche mit ihren Einschlüssen und dem echten Korken zunächst für einige Hingucker, allerdings wirkt die Gestaltung insgesamt nicht ganz so hochwertig, wie man es von einer Spirituose in dieser Preisklasse erwarten würde. Das silberne Etikett lässt sich zudem eher schlecht ablesen – ein Nachteil falls die Flasche in einer Bar stehen soll.

Wie riecht er?

Zunächst nach frischer Farbe und feuchtem Beton, sogar Holzleim glauben wir zu erkennen. Nach einigen Minuten im Glas wird der Duft botanischer, erinnert an intensiven Blütenduft. Hinzu kommen ausgeprägte mineralische Noten, die an Felsen und Steine erinnern. Auch fleischige Noten sind zu finden: Kotelett mit Senf und Meersalz, dazu getrocknete Sauerkirschen. Ein sich entwickelnder, vielfältiger Geruch zeichnet den Patrón aus.

Wie schmeckt er?

Auch hier sind die mineralischen Noten wieder markant dabei. Kieselsteine und eine Prise Meersalz leiten über zu Grapefruit, aber auch Zwiebeln. Im Abgang eine Spur bunter Pfeffer, der als feines Kitzeln auf der Zunge zurückbleibt. Dennoch insgesamt ein milder, harmonischer Tequila. Wir hätten aromatisch aber noch mehr identifizierbare Aromen und Abwechslung erwartet.

Fazit: Ein hochwertiger Tequila, der in Mund und Nase sehr ausgewogen erscheint, aber etwas mexikanische Leidenschaft vermissen lässt.

Fazit: Welches ist der beste Tequila im Vergleich?

Wer einen Tequila kaufen möchte, kann dafür 12 Euro oder 40 Euro auf den Tisch legen. So breit wie die Preisspanne ist auch die Qualität der getesteten Tequilas.

Wer spart, kriegt mit dem Sierra Tequila Silver zum Niedrigpreis ein Destillat in die Hand, das geschmacklich von einem guten Tequila weit entfernt ist und statt nach Agave eher nach neutralem Alkohol schmeckt. Mit Salz und Zitrone kann man ihn sicher auf Ex trinken, aber ein Genuss ist das nicht. Wer die Agavenspirituose schätzen lernen möchte ist hier an der falschen Adresse.

Enttäuscht hat uns im Test auch der Olmeca Tequila Blanco. Für rund 20 Euro hatten wir eindeutig mehr erwartet. Doch nach einer spannenden Geruchsprobe mit ungewöhnlichen Noten von verschwitztem Sportzeug, Zwiebeln und Pfannenpaprika geht Olmeca im Geschmackstest leider die Puste aus. Der Tequila aus dem Hochland Mexikos schmeckte belanglos, fade und irgendwie muffig. Hat Master Distiller Jesús Hernández da etwa seine Socken zum Trocknen mit in die Brennblase gehängt?

Der teuerste und exklusivste Tequila im Test stammt von Patrón: In der edlen Glaskaraffe des Silver schlummert ein Destillat aus 100 % Blauer Agave. Anders als bei den günstigeren Marken wurde dieser Tequila nicht mit anderem Alkohol verschnitten. Das Ergebnis riecht blumig-botanisch auf der einen, pikant-fleischig auf der anderen Seite. Auch im Geschmack ein mineralischer, durchaus interessanter Tequila, der aber etwas mehr Kraft und Vielfalt in den Aromen vertragen könnte. Für den Platz auf dem Tequila-Thron hat es daher dieses Mal nicht ganz gereicht.

Bester Tequila im Test: Jose Cuervo Especial Silver (Foto: Alkoblog)
Bester Tequila in unserem Test: Jose Cuervo Especial Silver (Foto: Alkoblog)

Jose Cuervo Especial geht als strahlender Sieger aus dem Alkoblog-Tequila-Test hervor. Der mineralische Tequila Silver überzeugte uns im Tasting mit seinen gut strukturierten Noten, die sowohl grün-kräuterig, als auch mineralisch-herb den Weg vorgeben. Geschmacklich markant und eher auf der herben Seite macht dieser Tequila Mixto viel Spaß beim Verkosten und eröffnet immer wieder neue Nuancen. Besonders gefallen hat uns der leicht moschusartige Charakter, der wie ein männliches Eau de Toilette über dem Glas liegt.

Die Überraschung: Mit rund 15 Euro handelt es sich bei Jose Cuervo um eine Flasche im mittleren Preisbereich. Die teureren Tequilas im Test mussten sich der Marke mit der langen Tradition geschlagen geben. Und so kann unser Schlusssatz auch lauten: Ein guter Tequila muss nicht immer teuer sein, es reicht wenn er gut ist.

Unsere Rangfolge im Überblick:

  1. Jose Cuervo Especial Tequila Silver
  2. Patrón Tequila Silver
  3. Olmeca Tequila Blanco
  4. Sierra Tequila Silver

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