Whisky

Veröffentlicht am 15. August 2015 | Kein Blend aus der ersten Reihe | Foto: Alkoblog

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Hinterbänkler: Grants Blended Scotch Family Reserve im Test

Das Geschäft mit Blended Whisky ist ein weitaus größeres als man gemeinhin schätzen würde. Insbesondere auf dem asiatischen Markt bommt der Handel mit Whisky gewaltig. Viele Whiskyerzeuger waren auf diesen Trend nicht eingestellt. Abfüllungen mit einer langen Lagerzeit können nicht einfach über Nacht schnell nachproduziert werden und sind teilweise knapp oder aktuell nicht mehr verfügbar. So geschehen zuletzt bei einigen bekannten japanischen Destillerien, welche mit der wachsenden Nachfrage nicht mehr mithalten konnten, einige Abfüllungen vorerst einstellten oder nicht mehr liefern können.

Aktuelle Trends: Blended- und NAS-Whisky

Während sich Whiskygenießer weitestgehend auf die als edler geltenden Single Malts stürzen, werden mit Whisky Blends günstige Alternativen für den Normalverbraucher produziert. Der Vorteil: Blends können schneller (nach drei Jahren) abgefüllt und somit auch schneller nachproduziert werden, anders als beispielsweise 12-, 18-, oder 21-jährige Whiskys. In totalen Zahlen wird auch weitaus mehr Blended-Whisky  abgesetzt, als mit Single Malt Abfüllungen verkauft werden. Aus diesem Grund ist das Hauptgeschäft für die meisten Whiskydestillerien die Produktion von Whisky für das Blending.

Neben dem Blending versuchen viele Whiskyerzeuger No-Age-Statements auf dem Markt zu etablieren. Wie der Name schon sagt ist auf diesen Abfüllungen kein Alter angegeben, was den Destillerien bei der Zusammensetzung mehr Spielraum lässt. Dennoch müssen auch diese Whiskys mindestens drei Jahre lang in Eichenholzfässern gelagert worden sein.

Große Dominanz der großen Marken

Charakteristisch für die wachsenden Absätze von Whisky-Blends ist, dass der Markt, anders als bei Single Malts, von einigen großen Marken dominiert wird. Der größte Player ist dabei Johnnie Walker mit seinem Aushängeschild Johnnie Walker Red Label, gefolgt von Chivas Regal mit der bekannten Abfüllung Chivas Regal 12 Jahre.

Dritter im Bunde, mit einem Marktanteil von etwa 10 Prozent ist die Familie Grant, welche einige der wenigen noch im Familienbesitz befindlichen schottischen Destillerien betreibt. Außerhalb von Blended Whiskys steht Grant auch hinter bekannten Single Malts, wie den Abfüllungen der beiden Speyside-Destillerien Glenfiddich oder Balvenie.

Mit dem Grant’s Blended Scotch Family Reserve haben wir heute den günstigsten Vertreter der Blended Range eingeladen. Kann er im Konzert der großen mithalten oder handelt es sich wie der Marktanteil schon ausdrückt um einen drittklassigen Blend?

Der Grant’s Blended Scotch Family Reserve Whisky Test

Wie riecht er?

Anfangs sticht der Grants schon gewaltig in der Nase, was sich zum Glück nach kurzer Zeit legt. Etwas Hafer ist im Geruch dabei, aber auch bitterer Graingeruch. Süßlich kann man den Alkohol durchriechen. Jeweils ein kleiner Hauch Apfel- und Orangenschale ist mit von der Partie. Anschließend kommt eine leichte dumpfe Würzigkeit wie von dunklem Holz durch. Kurz danach steigt ein leicht saurer essigartiger Geruch in die Nase, abgerundet von etwas warmen Rauch. Kein sonderlich komplexer Geruch, dem spannende Aromen fehlen.

Wie schmeckt er?

Im Gegensatz zum Geruch ist der Grant’s Family Reserve im Mund erstaunlich mild. Der Geschmack wird hauptsächlich von Getreidearomen und anschließender Bitterkeit getragen. Ein wirklich nicht sehr komplexer Whisky, den man zwar trinken kann ohne dabei blind zu werden, es aber des Geschmacks wegen auch nicht muss. Etwas helles Karamell ist dabei, im Abgang grasig mit leichtem Rauch, aber auch starker Alkoholnote.

Alkoblog.de Whisky-Test: Grant's Family Reserve

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Samuel: Der Grant's Scotch Blend Family Reserve ist ein Whisky ohne besondere Eigenschaften. Positiv überzeugt er durch Milde im Geschmack, viel Aroma sollte man jedoch nicht erwarten. Johnnie Walker und Chivas Regal bieten dort, insbesondere geschmacklich, mehr. Mit seinem milden unauffälligen Profil ist er für feine Mixgetränke mit Whiskyanteil geeignet, wie z. B. Whisky Sour. Pur trinkbar, aber kein tatsächlicher Genuss.

2.8



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One Response to Hinterbänkler: Grants Blended Scotch Family Reserve im Test

  1. Peter Schmoll says:

    Tschuldigung, aber… Grain riecht nicht bitter. Oder riecht Doornkaat oder Nordhäuser bitter für Sie? 😉 Bitter riechen und schmecken die völlig auslutschten, uralten Fässer. Ein Fluch der Blending Industrie, die Fässer zu nutzen, bis sie auseinander fallen. Und auch der Alkohol riecht nicht süß, sondern das (ungemälzte) Getreide, der Grain, also der Kornbrand.

    Ansonsten: Sie machen einen guten Blog.

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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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