Whisky

Veröffentlicht am 2. Januar 2015 | Die Glenmorangie-Destillerie | Foto: Martin Abegglen / flickr

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Glenmorangie 10 Jahre im Test: Eine Entschuldigung

Eigentlich ist es kein gutes Zeichen, wenn eine Flasche mehrere Jahre lang bei mir im Regal steht. Einen guten Whisky verkostet man schließlich immer wieder, man bietet ihn Freunden an und freut sich über jede neue Facette, die man beim Genuss entdeckt. Ein schlechter Whisky bleibt dagegen im Regal stehen. Weil er langweilig schmeckt, einen weder in Geruch noch Geschmack zu reizen vermag. Einen solchen Tropfen biete ich dann auch Gästen eher ungern an. Ich finde man sollte von allen Spirituosen überzeugt sein, die man seinen Freunden ausschenkt.

Wer die Lagerzeit des Glenmorangie 10 Jahre in meinem Regal (immerhin rund 3 Jahre) betrachtet, könnte nach dieser Logik schnell zu dem Schluss gelangen, dass es sich hier um einen uninteressanten Whisky handelt. Doch falsch gedacht! Dies ist die Geschichte eines guten Whiskys, den ich bisher viel zu wenig gewürdigt habe. Und ich muss mich beim Glenmorangie 10 in aller Form entschuldigen. Sorry, alter Knabe!

Direkt am Meer: Die Warehouses von Glenmorangie (Foto: Sobolevnrm / Flickr)

Über deinen knallgelben Karton, lieber Glenmorangie, habe ich mich schon ein bisschen geärgert: Nicht wegen der Farbe, die ja immerhin mal was anderes ist, sondern wegen seiner Höhe. Mit 34 cm ist der Karton ein kleines bisschen zu hoch für mein Whiskyregal. Ich lagere meine Malts in einem Expedit-Regal von IKEA. Die meisten Whiskyflaschen passen wirklich hervorragend hinein. Sogar die Glenmorangie-Flasche passt knapp – nur der Karton muss leider draußen bleiben. Davon abgesehen ist die Gestaltung des Glenmorangie überaus elegant. Fast würde man in der schlankhalsigen Flasche einen edlen Weinbrand vermuten. Das Lüften des Korkens schafft da wieder Klarheit. Und wie könnte man sich bei einem Highland-Whisky besser entschuldigen, als wenn man ihn einfach verkostet.

Unser Tasting des Glenmorangie 10 Jahre

Wie riecht er?

Glenmorangie 10 JahreDie Nase des Glenmorangie ist von einer ausgeprägten Süße durchzogen. Erinnert mich an Honig, Rohrzucker und süße Muffins. Dahinter verbirgt sich etwas Heidegras, sowie eine ganz feine, blumige Note. Ein sehr heller Geruch. Könnte man Düfte malen, so wäre das hier sicher ein ziemlich helles Gelb. Vielleicht bin ich da aber auch noch von der gelben Packung des Glenmorangie beeinflusst. Der Duft ist in jedem Fall sehr zugänglich, hat keine Ecken und Kanten. Beim zweiten und dritten Mal riechen kommen die fruchtigen Noten stärker durch. Ich rieche etwas Zitrone, dazu Aprikosen, Äpfel, Birnen, Bananen und Pfirsiche. Erinnert mich an einen Spaziergang durch die Gartenkolonie zum Erntedankfest. Überall reifes und überreifes Obst. Ein harmonischer Duft.

Wie schmeckt er?

Die grobe Kante oder die kühne Provokation sind nicht die Sache des 10-jährigen Glenmorangies. Fein und weich schmiegt er sich an den Gaumen. Erster Eindruck: Ein ausgewogener und harmonischer Whisky. Ich schmecke Vanille und Zucker. Doch nur kurz, denn hinten ist der Highland-Malt überraschend trocken. Eine angenehme Holznote verleiht ihm Charakter, lässt ihn fast älter als 10 Jahre wirken. Von den Früchten haben vor allem die süßen Birnen den Weg ins Glas gefunden. Birnen auf Holz – eine schöne Kombination. Vor dem Abgang tritt eine Säure hinzu, die mich ein wenig an Weißwein erinnert. Dabei wurde der Glenmorangie doch nur in Ex-Bourbon-Fässern (First Fill und Second Fill) gelagert. Im Abgang brennt der Alkohol kurz bitter auf, was das Gesamtbild aber nur geringfügig trübt.

Wer weiche, liebliche Whiskys schätzt und einen etwas komplexeren Geschmack sucht, wird beim Glenmorangie 12 Nectar d’or sicher fündig werden.

Alkoblog.de Whisky-Test: Glenmorangie 10

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Für einen 10 Jahre alten Whisky ist der Glenmorangie ordentlich komplex. Milde und süße Aromen prägen Geruch und Geschmack. Ein exzellenter Highland-Whisky für Einsteiger, der weniger auf Kante, als auf eine harmonische Komposition seiner Aromen setzt. Das gelingt ihm gut. Für rund 30 Euro eine Empfehlung wert!

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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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