Whisky

Veröffentlicht am 10. September 2015 | Glenlivet in der Malzfabrik | Foto: Alkoblog

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Die Reste vom Gründer: Glenlivet Founders Reserve im Test

Wenn sich Destillerien entscheiden, einen etablierten Single Malt mit Alterangabe durch einen No-Age-Statement zu ersetzen kommt leider häufig nichts Gutes dabei heraus. Die „Founders Reserve“ der Speyside-Destillerie Glenlivet macht da keine Ausnahme. Beim Whiskyherbst in Berlin gab es auf der Eintrittskarte einen Gutschein für eine Gratisprobe des Tropfens. Statt den versprochenen 1 cl gab es sogar 2 cl ins Glas – das hat den Malt aber leider auch nicht erträglicher gemacht.

Der Nachfolger des Glenlivet 12 Jahre

glenlivet-founders-reserve-flascheEs ging ein kleiner Aufschrei durch die Whiskywelt als Pernod Ricard, der Eigentümer von Glenlivet, im März 2015 verkündete, den Einsteiger-Standard Glenlivet 12 Jahre in Deutschland und Großbritannien durch die Founders Reserve zu ersetzen. Keine Altersangabe mehr, dafür sollen First Fill-Fässer aus amerikanischer Eiche für Geschmack sorgen.

Dass der so verjüngte Whisky in der Pressemitteilung gleich als „new benchmark in Single Malt by The Glenlivet“ abgefeiert wird, kann man eigentlich gar nicht ernst nehmen. Und erst recht nicht, wenn Glenlivet auf seiner Webseite mit dem Slogan einsteigt: „In the world of Single Malt whisky, great things come to those who wait.“ Denn No-Age-Statement-Whiskys sind doch gerade die Verkörperung der Ungeduld, des Nicht-mehr-warten-wollens auf den Malt, auf den Profit. Wir können und wollen jetzt aber wirklich nicht länger warten:

Unser Tasting des Glenlivet Founder’s Reserve

Wie riecht er?

Mit Birnen, Äpfeln und Honig zieht uns der typische Geruch eines jungen Speyside-Whiskys in die Nase. Dazu Aprikose und Zwetschge. Wenn die Founders Reserve bloß nicht so süß und klebrig wäre. Schon nach kurzer Zeit wirkt der Duft aufdringlich wie ein billiges Parfüm und insgesamt wenig natürlich. Im positiven Sinne ein milder und blumiger Whisky. Wenn nur der New Make nicht ständig durchkommen würde. Der Whisky wirkt sehr jung und unreif, der Duft erinnert uns stellenweise an einen gärigen Sauerteig.

Wie schmeckt er?

Die Reserven des Gründers müssen wirklich zur Neige gehen, anders können wir uns dieses Debakel nicht erklären: Dünn, schmalbrüstig, körperlos und sehr jung taumelt der Glenlivet über den Gaumen und lässt eine bittere Note im Abgang zurück. Auf dem Weg schmecken wir Petersilie, Kopfsalat, auch Kresse – aber nichts was uns reizt, uns lockt, uns begeistert. Eisenhaltig und mineralisch wirkt der NAS, immer wieder kommt der Alkohol bitter durch. Unser Alterstipp: 5-7 Jahre. Im letzten Schluck noch etwas Griesbrei aus dem Tetrapak, doch viel ist da nicht zu retten.

Alkoblog.de Whisky-Test: Glenlivet Founder's Reserve

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Einige Whiskyblogger sehen im Founder's Reserve einen Fortschritt zum alten 12-jährigen. Da stellt sich die Frage, wie furchtbar der gewesen sein muss. Die Founder's Reserve von Glenlivet enttäuscht uns leider auf der ganzen Linie. Im Geruch mild, süßlich, aber auch anstrengend wie ein billiges Parfüm. Im Mund nichtssagend, dünn und unreif. Ein unterdurchschnittlicher Speysider ohne Charakter. Auch das kleine Preisschild von nur rund 30 Euro tröstet darüber nicht hinweg.

2.5



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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