Der Glenlivet 18 Jahre vor dem S-Bahnhof Nikolassee in Berlin (Foto: Alkoblog)

Der Genuss eines neuen Whiskys ist ein bisschen wie der Beginn einer frischen Beziehung: Behutsam beäugt man die Hülle des Gegenübers, man befühlt den (Flaschen)Hals, beschnuppert sich gegenseitig und kostet vom Geschmack der Liebe. Man lässt die vielfältigen Aromen und Eindrücke auf sich wirken. Gefällt der Partner, dann trifft man sich wieder im Nosingglas und lernt über die Jahre immer wieder neue Facetten eines Whiskys bzw. einer Destillerie kennen. Eine Liebe fürs Leben!

Mit dem großen Vorzug, dass Whiskys nicht eifersüchtig sind und man deshalb an einem Abend eine süße Speysiderin vernaschen und am nächsten den blumigen Duft einer Japanerin genießen darf, ohne dass es Trouble mit den Ladys gibt.

In Sachen erstes Date war Glenlivet für mich allerdings ein ziemlicher Flop! Der Founders Reserve, den wir beim Whiskyherbst in Berlin im Glas hatten, wirkte sehr jung und dann wollte mir die Süße mit der frechen Begründung „Ich bin ein NAS!“ nicht mal ihren Ausweis zeigen. Das war mir doch zu heikel, weshalb heute auch ein garantiert volljähriger Glenlivet 18 Jahre ins Glas kommt.

Ein Single Malt aus einer der zwei größten Destillerien Schottlands

Vielleicht vorab aber noch ein paar Worte zu Glenlivet: Bei der Speyside-Destillerie handelt es sich um eine der größten Brennereien Schottlands. In 16 Washbacks und sieben Brennblasen-Paaren können pro Jahr bis zu 10,5 Mio. Liter Alkohol hergestellt werden. Und man denkt noch viel größer: Die Zahl der Gerätschaften soll im Zuge einer aktuell laufenden Erweiterung verdoppelt, die Kapazität sogar auf über 30 Mio. Liter verdreifacht werden.

Mit diesem Schachzug möchte man auch Mitbewerber Glenfiddich aus dem gute 20 km entfernten Nachbardorf Dufftown ein Schnippchen schlagen. Die beiden Destillerien liefern sich jedes Jahr ein Wettrennen um die Krone der meistverkauften Single Malts der Welt. Zuletzt lag Glenfiddich wieder vorne, doch vor Ablauf des Jahres kann bekanntlich niemand sagen, wie es dieses Mal zwischen Villabajo und Villarriba ausgehen wird…

Unsere Schönheit namens Glenlivet hat derweil schon mal ihren eleganten blauen Mantel abgelegt und so freuen wir uns jetzt auf die Verkostung – erleben wir mit der 18-jährigen den Beginn einer langjährigen Beziehung oder bleibt es bei einer flüchtigen Affäre?

Der Glenlivet 18 Jahre reifte in einer Mischung aus amerikanischen Eichenholzfässern (First und Second Fill) und Ex-Sherry-Casks. (Foto: Alkoblog)
Der Glenlivet 18 Jahre reifte in einer Mischung aus amerikanischen Eichenholzfässern (First und Second Fill) und Ex-Sherry-Casks. (Foto: Alkoblog)

Unser Tasting des Glenlivet 18 Jahre

Wie riecht er?

Unsere Prinzessin der Whisky-Herzen eröffnet das Tasting im Glas mit leichten, blumigen und fruchtigen Noten. „Typisch Speyside!“, ist man versucht auszurufen. Wir riechen Birne, Aprikosen und Blutorangen (sowohl die Schalen als auch den Saft). Eine feinherbe Note erinnert an Zitronenschalen. Dann eine Spur Heu. Nach etwas Standzeit sind die Aromen von Spekulatius und Buttergebäck zu erkennen, die Note von Vanille unterstreicht diesen Eindruck. Insgesamt ein leichter, unkomplizierter Geruch und ungewöhnlich für einen 18 Jahre alten Whisky, da nur wenig für dieses Alter typische Aromen zu erkennen sind.

Wie schmeckt er?

Die Früchte aus dem Nosing finden erfreulicherweise den gut ausgeschilderten Weg in den Mund. Gelbe Früchte wie Birnen und Quitte sorgen für einen lieblichen Eindruck. Im Mittelteil prägen Müsliriegel mit Hafer, sowie dänische Butterkekse (die aus der Blechdose!) den Geschmack. Eine Spur Karamell tritt hinzu. Ansonsten passiert aber nicht allzu viel. Den Abgang gestaltet der Glenlivet 18 mit ausgeprägten Holzaromen, die begleitet werden von der typischen Würzigkeit und Trockenheit lange im Eichenfass gereifter Malts. Diese Holznote bleibt noch Minuten nach dem Genuss im Mund zurück.

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Glenlivet 18 Jahre
Gestaltung & Story75
Geruch73
Geschmack70
Preis-Leistung80
75
Fazit
Leicht, elegant und unkompliziert: Die typisch milden und fruchtigen Aromen der Speyside prägen den Glenlivet 18 Jahre. Während Einstieg und Abgang überzeugen, gehen einem mit ihm im Mittelteil etwas zu schnell die Gesprächsthemen aus. Ein schöner Begleiter für den Feierabend, aber kein spektakulärer oder mitreißender Whisky. Die Preis-Leistung stimmt mit unter 60 Euro pro Flasche versöhnlich. 18 Jahre sind selten so günstig zu haben.

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