Glenfiddich IPA Whisky im Test (Foto: Alkoblog)

India Pale Ales (kurz IPAs) liegen bei Bier-Genießern immer noch voll im Trend. Die stark gehopften Biere bringen häufig neben bitteren Noten häufig auch vielschichtige fruchtige Aromen von Ananas, Pfirsich, Mango oder Zitrusnoten mit ins Glas. Unter den handwerklich hergestellten Craft Beers stellen die IPAs die größte Gruppe. Mit Glenfiddich versucht sich jetzt eine der größten schottischen Whisky-Brennereien an einer Kombination aus beiden Welten: Ein Single Malt Whisky wird in Fässern gelagert, die zuvor ein India Pale Ale-Bier enthielten. Geht das Experiment gut und vor allem: wie schmeckt ein Whisky aus dem Bierfass?

Wer in einer traditionellen Eck-Kneipe ein „U-Boot“ bestellt, der bekommt zwei Gläser auf die Theke gestellt: Ein großes Glas mit Bier und ein kleines Glas mit Korn oder Whisky. Die ungeschriebene Regel besagt nun, dass das Shotglas mit dem Schnaps im Bier versenken werden muss, ohne dass es überschwappt. Ein hochprozentiges Experiment für Wirkungstrinker.

Wir waren nicht dabei, als die Tüftler von Glenfiddich sich ihren neuen IPA Single Malt überlegt haben, aber vermutlich hatten sie dabei kein U-Boot im Sinn. Die Idee ist ja nicht unoriginell: Whisky mit einem Finish in Bier-Fässern ist selten, schon allein deshalb weil die meisten Biere nie an einem Holzfass schnuppern dürfen. Edelstahl statt Eichenholz lautet die Devise der Brauer.

Wer einen IPA-Whisky möchte, muss erst mal Bier brauen…

Für den Glenfiddich IPA, welcher neben dem Glenfiddich XX übrigens der zweite Whisky der Experimental Series der Destillerie ist, musste deshalb erst mal ein Bier gebraut werden. Zusammen mit einer Craft Beer-Brauerei in der Speyside wurden drei kräftig-würzige India Pale Ales in unterschiedlicher Stärke hergestellt. Sie wurden in Holzfässer gefüllt, um den Reifeprozess zu erforschen.

Malt Master Brian Kinsman hatte wohl bis zu neun Fässer im Lagerhaus, die er nach unterschiedlichen Einwirkzeiten mit Whisky befüllte. Per Trial and Error konnte er so die Kombination aus Bierstärke und Lagerdauer herausfinden, welche die seiner Meinung nach besten Aromen hervorbrachte. Das Ergebnis ist laut Glenfiddich der erste Scotch Whisky, der in IPA-Fässern gereift wurde.

Diesen Single Malt soll man mit Eis genießen – ein Sakrileg?

Als offiziellen Drink empfiehlt Glenfiddich den Single Malt auf Eis mit einer Blutorangenschale zu servieren. Für Scotch-Kenner ist das ein Sakrileg erster Güte. Aber vielleicht will Glenfiddich diese Fraktion ja auch gar nicht erreichen, sondern vielmehr alle ansprechen, die gerne mal ein IPA-Bier trinken und sie an schottischen Whisky heranführen. Auch bei uns kommt kein Eis ins Glas, dafür ein ordentliches Dram vom Glenfiddich IPA Edition zur Verkostung.

Passende Kulisse: Wir haben den Glenfiddich IPA beim Whiskyherbst in der Malzfabrik verkostet, einer ehemaligen Brauerei (Foto: Alkoblog)
Passende Kulisse: Wir haben den Glenfiddich IPA beim Whiskyherbst in der Malzfabrik verkostet, einer ehemaligen Brauerei (Foto: Alkoblog)

Unser Tasting des Glenfiddich IPA Experiment

Wie riecht er?

Der erste Eindruck des IPA-Whiskys ist ausgeprägt fruchtig. Birne und Apfelkuchen, dazu Kompott. Wirklich nach Bier riecht der Single Malt natürlich nicht, aber es sind Aromen enthalten, welche die zeitweise Lagerung im Craft Beer Cask andeuten. Der Glenfiddich IPA riecht ganz leicht hopfig, nach frischem Brot und Malzbier. Eine Note von Laugengebäck kommt hinzu. Alles in allem ein leichter Duft, der gut in die Nase geht, aber nicht lange verbleibt.

Wie schmeckt er?

Der Glenfiddich IPA hat nur wenig Körper, die Aromen sind ausgesprochen dünn. Wir riechen Apfelschalen, die mit etwas Fantasie in einen Apfelstrudel übergehen. Ein malzig-getreidiger Grundcharakter ist das einzige, was von den im Nosing erkennbaren Biernoten übrig geblieben ist. Der elegante, leichtfüßige Glenfiddich-Charakter ist vorhanden, aber das IPA-Fass scheint nur wenig Einfluss auf den Geschmack erlangt zu haben. So bleibt ein schluffiger Whisky, der wenig Tiefe und Kraft mitbringt und sich schlaff zum Abgang schleppt. Der ist leicht bitter, aber ob das nun der Hopfen oder der Alkohol ist, lässt sich nicht sagen.

Glenfiddich IPA
Gestaltung & Story90
Geruch72
Geschmack63
Preis-Leistung50
69
Enttäuschend
Fazit
Craft Bier und Single Malt Whisky - mit dem IPA Experiment will Glenfiddich das Beste aus zwei Welten vereinen. Während im Nosing durchaus gute Ansätze und Biernoten erkennbar sind, kann der Scotch geschmacklich nicht punkten. Nicht nur dass kaum Bier-Aromen zu schmecken sind, der Whisky hat wenig Körper, es fehlt die Tiefe. Der Glenfiddich IPA funktioniert leider weder als Single Malt noch als "Scotch aus dem Bierfass" richtig gut. Für über 50 Euro erscheint er uns zu teuer.

2 Kommentare

  1. hab den IPA vorgestern geöffnet .
    bei der kritik des preises bin ich dabei , geschmacklich sehe ich ihn aber weiter vorn als ihr ihn darstellt.
    ich finde ihn gefährlich süffig und würde ihm gute 75% dafür bescheinigen.

    1. Danke für deinen Kommentar! Bei süffig bin ich absolut dabei, man kann den Glenfiddich IPA Edition gut nebenbei genießen. Uns haben ein wenig die Komplexität und die Biernoten im Geschmack gefehlt. Hinzu kam dann der Preis, welcher ebenfalls in unsere Wertung mit eingeht – deshalb die etwas schlechtere Endnote.

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