Die Glendronach-Destillerie (Foto: Nigab Pressbilder / Flickr)

Was ich an Whisky so faszinierend finde: Seit mehreren Jahren verkoste ich mit meinem Bruder Whiskys, zusammen haben wir viele hundert Single Malts verkostet und euch im Alkoblog vorgestellt. Und trotzdem entdecken wir immer noch neue Destillerien, die wir bisher übersehen oder ignoriert haben. Im Fall von GlenDronach völlig zu Unrecht, denn die Brennerei aus den östlichen Highlands war nicht nur unsere spannendste Neuentdeckung beim diesjährigen Whisky-Herbst in Berlin – sie zeigt auch, dass gerade im Portfolio von traditionellen Destillerien noch viele Perlen schlummern.

Sherrymonster aus den östlichen Highlands

Die GlenDronach-Destillerie liegt etwas abseits der typischen Whiskyreise-Routen in Forgue by Huntly, einem kleinen Kaff nordöstlich der Cairngorms, die mit ihren schroffen Gipfeln das Bild der Highlands so beeindruckend prägen. Wer nicht gezielt hinfährt, der wird wohl kaum zufällig an den denkmalgeschützten Steingebäuden der Brennerei vorbeikommen. Seit 1826 werden hier – mit einigen Unterbrechungen – klassische Highland-Whiskys gebrannt.

Die Single Malts von Glendronach haben den Ruf „Sherrymonster“ zu sein. Und tatsächlich lagern fast alle Malts der Destillerie nicht nur in Ex-Bourbon-Casks, sondern erhalten ein Finish in Oloroso- oder Pedro Ximenez-Fässern.

Klassisches Design: Glendronach 18 Jahre Allardice (Foto: Alkoblog)
Klassisches Design: Glendronach 18 Jahre Allardice (Foto: Alkoblog)

Eine Serie mit Weinfass-Finishes war hingegen weniger erfolgreich, nur der 12-jährige GlenDronach mit Sauternes Finish ist im Portfolio verblieben. Die interessanteste Neuheit – und für eine traditionelle Destillerie wie GlenDronach fast schon revolutionär – ist der Einsatz von getorftem Malz für den Ende 2015 erschienenen Peated GlenDronach. Kein Age-Statement, dafür 38 ppm Phenolgehalt und eine Kombination aus Oloroso und PX Sherry Casks für das Finish.

Bei einem bleibt sich GlenDronach eben treu: Ohne Lagerung im Sherryfass geht hier fast nichts.

Der legendäre GlenDronach 15 soll erst 2018 zurückkommen – bis dahin genießen wir den 18-jährigen

Eigentlich wollte ich den Glendronach 15 Jahre verkosten, der bei Kennern im Internet einen fast schon legendären Ruf genießt. Doch wie wir am Stand von Glendronach erfuhren, gibt es den wohl schon seit gut vier Jahren nicht mehr. Er soll aber nächstes Jahr zurückkommen und dann bleiben. Alle Fans können sich also ab 2018 wieder auf eine Neuauflage des Glendronach 15 freuen.

Als Alternative stand der Glendronach 18 Jahre mit dem kunstvollen Beinamen „Allardice“ zur Verkostung bereit. Und was soll’s: Drei Jahre mehr im Fass werden dem robusten Highland-Whisky schon nicht schaden, sondern ihm im Gegenteil sogar noch etwas mehr Reife geben. Die Besonderheit diesem Malt: Er lagert die kompletten 18 Jahre in einem Ex-Oloroso-Sherryfass. Geht das gut oder ist dieser Whisky „oversherried“? Wir werden es in unserem Tasting herausfinden!

Tasting des GlenDronach 18 Jahre beim Whiskyherbst 2017 in Berlin (Foto: Alkoblog)
Tasting des GlenDronach 18 Jahre beim Whiskyherbst 2017 in Berlin (Foto: Alkoblog)

Unser Tasting des GlenDronach Allardice 18 Jahre

Wie riecht er?

Frucht und Sherry geben bei diesem Malt gleich zu Beginn den Ton an. Reife Früchte, Feigen, Rosinen und Dörrobst sind zu erkennen. Eine dunkle, holzige Note schiebt sich in die Nase. Sie erinnert an den Geruch von alten Büchern mit Ledereinbänden auf einem staubigen Dachboden. Mit zunehmender Dauer im Glas kommt ein pikant-würziges Aroma hinzu, welches uns an geräucherten Schwarzwälder Schinken erinnert. Über all dem liegt der konzentrierte Duft von lange gelagertem und somit reifem Sherry.

Wie schmeckt er?

Im Mund verbreitet sich sofort der starke, intensive Geschmack nach Sherry. Der fortifizierte Wein aus Jerez in Spanien ist noch intensiver als im Nosing wiederzufinden. Er macht den Whisky trocken und adstringierend (regt Speichel im Mund an), auch die Aromen nach Weintrauben und Rosinen gehen vermutlich auf sein Konto. Ein tiefes, dunkles Timbre durchzieht den Malt, welches sich in würzigen Holznoten manifestiert. Obwohl der Sherry groß aufspielt, dominiert er den Whisky dennoch nicht völlig, sondern lässt Raum für die ursprünglichen Aromen.

GlenDronach 18 Jahre
Gestaltung & Story85
Geruch93
Geschmack95
Preis-Leistung100
93
Erstklassig
Fazit
Der GlenDronach 18 Jahre hat zwar nicht viele, aber starke und gut komponierte Aromen. Sherry, reife Früchte und Holz geben den Ton an. Obwohl der Jerez-Wein vor allem den Geschmack intensiv prägt, lässt er dennoch Platz für den Charakter des Whiskys. Der GlenDronach 18 Jahre wirkt zu keinem Zeitpunkt „oversherried“. Der Preis von 70-80 Euro macht ihn zu einer absoluten Empfehlung für alle, die Whiskys im traditionellen Stil zu schätzen wissen. Ein sherry-geprägter Whisky wie ein Monument!

2 Kommentare

    1. Den GlenDronach 21 Jahre hatten wir leider noch nicht im Glas. Da uns der 18-Jährige sehr gut gefallen hat, ist die Verkostung des 21-Jährigen wohl nur eine Frage der Zeit… 😉

      Viele Grüße

      Samuel

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