Gin

Veröffentlicht am 28. Januar 2016 | Foto: Brent Hofacker / Veer.com

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Einsteiger-Guide: 12 Gin-Sorten, die du kennen solltest

Wird Gin aus Wacholder hergestellt? Kommt Gin aus London? Diese und ähnliche Fragen stellen sich viele Einsteiger. In diesem Artikel erklären wir deshalb kurz, woraus ein Gin besteht und welche 12 Gin-Arten du unbedingt kennen solltest, um auf der nächsten Party mitreden zu können.

Was ist ein Gin überhaupt?

Hinter Gin verbirgt sich ein Getreidebrand mit mindestens 37,5 % Alkohol, der mit verschiedenen Botanicals versetzt und dadurch aromatisiert wird. Die Botanicals können zum Beispiel Kräuter, Gewürze, Schalen, Blüten oder wie beim Wacholder die Beeren sein. Die Mischung und Zusammensetzung der Botanicals ist entscheidend für den Geschmack des fertigen Gins. Hersteller können aus über 100 verschiedenen Botanicals wählen. Die meisten Gin-Sorten haben zwischen 6 und 10 Botanicals, es gibt aber auch Varianten mit viel mehr (etwa der Monkey 47 mit immerhin 47 Botanicals). Aber wie kommen die Aromen aus den Kräutern in den Alkohol? Hierzu gibt es im wesentlichen zwei Verfahren, die zugleich die wichtigsten Kategorien des Gins sind.

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Steckt in praktisch jedem Gin: Die Wacholderbeere (Foto: T.Baibakova / Veer)

Distilled Gin vs. Bathtub Gin

Die meisten professionell hergestellten Gins sind Distilled Gins, auch wenn dies nicht immer auf der Flasche mit draufsteht. Bei diesem Verfahren (auch Perkulation genannt) wird der gasförmige Brand während der Destillation durch Siebe geleitet, in denen die Botanicals wie Wacholderbeeren oder Gewürze liegen. Der Alkoholdampf nimmt dabei die Aromen in sich auf und bindet sie auch nach dem Abkühlen im flüssigen Zustand in sich. Nach der Mazeration wird der Gin noch filtriert und eventuell mit Wasser auf Trinkstärke herunterverdünnt.

Der Bathtub Gin heißt so, weil er von Schwarzbrennern und experimentierfreudigen Trinkern früher ganz einfach in der heimischen Badewanne hergestellt wurde. Hierbei kommt die Technik daer kalten Mazeration zum Einsatz. Die Pflanzen und Kräuter werden klein geschnitten oder gepresst und dann einfach in den klaren Alkohol eingelegt. Die Aromen lösen sich nun langsam aus den Pflanzen und verbinden sich mit der Spirituose. Nach einigen Tagen oder Wochen in der Badewanne oder einer Flasche ist der selbst gemachte Gin fertig. Nach der gleichen Methode lassen sich übrigens auch Liköre zuhause herstellen.

Wie zu erwarten ist die erstgenannte Methode des Distilled Gin aufwendiger und besser geeignet um feine Aromen aus den Botanicals zu gewinnen. Der Bathtub Gin (auch Compound Gin genannt) ist im Geschäft seltener anzutreffen. Doch auch er wird heutzutage unter hygienischen Bedingungen hergestellt und nicht mehr in irgendeiner ominösen Badewanne.

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Der beliebteste Gin-Drink ist immer noch der Gin Tonic (Foto: Yannig van de Wouwer / Flickr)

London Gin – Trocken, ungesüßt, Wacholder

Muss ein London Gin aus der Stadt an der Themse kommen? Nein, denn anders als man vielleicht vermuten könnte, handelt sich sich nicht um eine geschützte Herkunftsbezeichnung (wie etwa Parma-Schinken oder Parmesan), sondern um eine bestimmte Art der Herstellung.

Ein London Gin muss nach EU-Verordnung von 2008 aus „Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs“ gebrannt werden – also aus Getreide oder Melasse. Die Botanicals dürfen nur während der erneuten Destillation des Alkohols verdampft werden (also ein Distilled Gin, keine Badewannen erlaubt). Je 1 Liter Gin darf nicht mehr als 0,1 Gramm Zucker zugesetzt werden. Es dürfen keine Farbstoffe verwendet werden.

Zum Zuckerzusatz muss man wissen: Früher mischten vor allem Hersteller von schlechtem Gin häufig große Mengen Zucker in ihren Fusel, um die minderwertige Qualität des Schnapses zu verbergen. Dies ist beim London Gin und auch beim Dry Gin mittlerweile verboten.

 

Dry Gin – Trocken, Wacholder, Farb- und Aromastoffe erlaubt

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Alte Anzeige für Gilbey’s London Dry Gin (Foto: Sensei Alan / Flickr)

Diesen Begriff hat fast jeder schon mal irgendwo auf einer Flasche gelesen. Dry Gin, das klingt nach vertrauter Qualität. Doch was bedeutet Dry Gin eigentlich?

Zunächst einmal muss man festhalten, dass die Regeln für einen „trockenen Gin“ weniger streng sind als für einen London Gin. So dürfen die Botanicals zu jedem Zeitpunkt der Herstellung zugegeben werden und nicht nur während der Destillation. Auch dürfen „naturidentische“ Farb- und Aromastoffe zugesetzt werden. Und wer sich schon mal informiert hat, wie identisch diese Stoffe mit der Natur sind, wird darauf eher weniger Lust haben.

Bis vor kurzem musste ein Gin mit dem Namenszusatz „Dry“ nicht einmal besonders „trocken“ vom Geschmack sein, es konnte eine nicht festgelegte Menge Zucker zugesetzt werden. Mit einer EU-Verordnung von 2014 wurden die Schrauben jetzt angezogen und auch ein Dry Gin darf nicht mehr mehr als 0,1 g Zucker auf 1 Liter Spirituose haben.

 

London Dry Gin – Die Kombination

Im Handel findet man häufig eine Kombination aus beiden Begriffen. Ein London Dry Gin erfüllt die strengeren Kriterien des London Gin und ist „trocken“ vom Charakter. Bekannte Marken sind: Bombay Sapphire, Beefeater, Gordon’s, Tanqueray, Mayfair.

 

New Western Dry Gin – Mehr als Wacholder

Die neueste und innovativste Kategorie beim Gin ist der New Western Style. Sieht ein klassischer Gin eine dominante Wacholder-Note vor, lässt sich Gin wie eingangs schon erwähnt aus sehr vielen verschiedenen Botanicals herstellen. Die jungen Hersteller experimentierten also eifrig und schufen so den New Western Style, der vielfältige Kräuter- und Gewürzvarianten in den Vordergrund stellt. Wacholder ist enthalten, aber nur noch ein Aroma unter mehreren mit mindestens gleicher Intensität. Die meisten neuen deutschen Gins sind dem New Western Style zuzuordnen und sorgen so immer wieder für neue Geschmackserlebnisse in einer ansonsten eher klassischen Spirituosen-Kategorie. Kurz gesagt ist ein New Western Style also ein Gin, dessen dominantes Aroma nicht mehr der Wacholder, sondern ein anderes Botanical ist. Während Puristen den ursprünglichen Wacholder-Gin in Gefahr sehen, freuen sich die meisten Genießer einfach nur über etwas mehr Vielfalt im Spirituosenregal oder an der Bar. Verschiedene Marken des New Western Dry Gin: Monkey47 Schwarzwald Dry Gin, Ferdinands Saar Dry Gin, Windspiel Gin, Gin Sul, Siegfried Rheinland Dry Gin, Gin Mare

 

Sloe Gin – Süß und fruchtig

Als ich diesen Namen zum ersten Mal hörte, dachte ich an „slow“. Also ein langsamer Gin? Nicht doch, denn Sloe steht für Schlehe. Es handelt sich beim Sloe Gin nicht um einen Wacholderschnaps, sondern um einen Schlehenlikör. Manche kennen ihn auch unter dem bezeichnenden Namen Schlehenfeuer. Die Frucht ist im übrigen mit der Zwetschge verwandt und wird in den Alkohol eingelegt. Sloe Gin ist also lediglich ein coolerer Name für eine schon bekannte Spirituose. Mit 25 % Mindestalkoholgehalt liegt der Sloe deutlich unter einem normalen Gin und muss auch keinen Gin enthalten. Verschiedene Sloe Gin-Marken: Gordon’s Sloe Gin, Hayman’s Sloe Gin, Monkey 47 Sloe Gin. Eine Variante mit Quitte statt Schlehe: Ferdinand’s Saar Quince Gin.

 

Old Tom Gin – Leicht gesüßt

Der Old Tom ist eine der ursprünglichsten Gin-Sorten, auch wenn sie zwischenzeitlich aus der Mode gekommen. Seinen Ursprung hat diese Variante in den Anfangszeiten des Gins, als man versuchte den bitteren, rauen, undankbar zu trinkenden Gin mit Zucker zu versetzen. Durch die Süße schmeckte man die Ecken und Kanten des Alkohols nicht mehr so durch – der Old Tom Gin wurde zum Renner in den Cocktail-Bars von London und anderswo. Die Herstellung von Old Tom Gin ist nicht geregelt – im allgemeinen wird es sich aber um einen süßeren Gin handeln.

 

Plymouth Gin – Leicht gesüßt, würzig

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Alte Werbung für Plymouth Gin (Foto: Classic Film / Flickr)

Und endlich stoßen wir tatsächlich auf eine geschützte Ursprungsbezeichnung. Der Plymouth Gin muss also in der gleichnamigen Stadt im Südwesten Englands hergestellt werden, um sich so nennen zu dürfen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der süße und würzige Plymouth Gin ausgesprochen populär. So basieren im berühmten Savoy Cocktail-Buch immerhin 23 Cocktails auf der Spirituose. Auch in der Royal Navy war der Gin beliebt: So erhielt jedes neue Schiff eine Holzkiste mit zwei Flaschen Plymouth Gin und Gläsern als Startausstattung. Heute gibt es nur noch eine Destillerie in der Stadt, welche die Sorte herstellt: Black Friars Distillery, die mittlerweile zu Pernod Ricard gehört. Plymouth muss mindestens 41,2 % Alkohol enthalten.

 

Cream Gin – Süß, cremig, ausgestorben

Weitgehend unbekannt und praktisch ausgestorben: Der Cream Gin ist ein Vertreter aus der Vergangenheit. Um das Jahr 1900 herum war der Gin von so schlechter Qualität, dass man ihn pur praktisch nicht genießen konnte. Deshalb wurde er mit jeder Menge Zucker und Sahne angereichert. Die Süße und das Fett sorgten dafür, den scharfen und brennenden Geschmack des Alkohols zu verdecken. Der Cream Gin war geboren. Gelagert wurde der Gin übrigens häufig in Holzfässern direkt hinter der Bar. Wer einen Cream Gin bestellt, bekam ihn direkt aus dem Fass ins Glas gezapft. Ein Cocktail der ganz einfachen Sorte gewissermaßen

 

Reserve Gin – holzgereifte Spirituose

Klassischerweise wird ein Gin nicht gelagert, sondern kann direkt nach der Herstellung verkauft bzw. getrunken werden. Für einen Reserve Gin folgen die Hersteller dem Trend der Holzfass-Lagerung für andere Spirituosen wie Whisky, Rum oder sogar Vodka. Ein Reserve Gin wird für eine bestimmte Zeit von mehreren Monaten oder Jahren in einem Eichenholzfass gelagert, wo er verschiedenste Aromen aufnimmt. So werden etwa ehemalige Brandy-Fässer für die Lagerung von Gin verwendet, was der Spirituose mehr Tiefe verleihen soll. Im Vergleich zu herkömlichen Gins ist ein Reserve Gin meist noch einmal deutlich teurer.

 

Genever – niederländischer Vorläufer des Gin

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Traditionelle Ton-Flasche: Bols Genever (Foto: Sushiesque / Flickr)

Auch der Genever / Jenever ist ein Gin: Die niederländische bzw. belgische Wacholderspirituose gilt als Vorläufer des heutigen Gins. Schon 1269 soll er in den Niederlanden zu medizinischen Zwecken gebrannt worden sein. Genever wird aus einer Getreidemaische unter Einsatz von Gersten oder Roggenmalz destilliert, ein Verfahren das etwas an die Whisky-Herstellung erinnert. Der so genannte „Malt wine“ wird dann mit einem klaren Destillat, welches mit Kräutern, Gewürzen und Früchten nach Art eines Dry Gin hergestellt wurde, vermählt. Die Lagerung im Holzfass ist üblich. Kenner unterscheiden zwischen altem und jungem Genever. Ersterer steht für eine traditionelle Herstellung und hat häufig eine ausgeprägte malzige Note. Junger Genever ist ein klarer Kornbrand, der eine eher leichte Wacholdernote hat. Der Alkoholgehalt für diese Gattung liegt bei mindestens 35 Prozent.



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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