Rum

Veröffentlicht am 21. März 2016 | Foto: Alkoblog

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Junger deutscher Rum: Don Ruffin im Test

„Arrrgghhh!“, hätte Deutschlands berühmtester Seeräuber wohl gesagt, wenn er das gesehen hätte. „Nur 5 % Rum in diesem angeblich echten Übersee-Rum?“, hätte er geheult. Und dann vermutlich erst mal Kleinholz aus dem Edeka am Lübecker Hafen gemacht. Zum Glück gab es zu Störtebekers Zeiten aber noch keine Supermärkte und somit auch keinen verschnittenen Rum in Flaschen. Und Störtebeker konnte sich woanders austoben.

Der schlechte Ruf des deutschen Rums

Dennoch, Hand aufs Herz: Deutscher Rum hat einen verdammt schlechten Ruf. Grund dafür sind natürlich die Sünden der Vergangenheit: Jahrelang floss der als „echter Übersee-Rum“ und „echter Jamaika-Rum-Verschnitt“ deklarierte Fusel literweise durch die Kehlen unserer Väter und Großväter. Das Geschäft von „Guter Pott“ und den Flensburger Rum-Häusern brummte.

Hinter den blumigen Bezeichnungen verbirgt sich ein so genannter Rum-Verschnitt. Für den werden nicht etwa Rum-Sorten verschiedener Altersstufen miteinander geblendet, sondern eine kleine Menge Rum mit ziemlich viel Agraralkohol gestreckt. Ein typischer Rum-Verschnitt in Deutschland muss gerade einmal 5 % Rum enthalten. Mit solchen Aktionen und natürlich dem damit verbundenen fuseligen Geschmack des fertigen Produktes haben sich die deutschen Rum-Hersteller ziemlich ins Abseits geschossen – wir persönlich kennen jedenfalls keinen unter 30, der freiwillig Rum-Verschnitt trinken würde.

Newcomer bringen frischen Wind

Einige kleinere Destillerien machen sich nun daran, dass ramponierte Image des deutschen Rums wieder etwas aufzumöbeln. Dazu gehören unter anderem die Feinbrennerei Simon’s mit ihrem Bavarian Pure Pot Still Rum und jetzt neu die Feingeisterei aus dem Umland von Hamburg mit dem hier vorgestellten Don Ruffin Rum.

Reifung in drei Holzfässern – aber nur zwei Jahre lang

don-ruffin-rum-flascheAuf den ersten Blick gibt man sich große Mühe, sich von den billigen Vorgängern abzuheben: Der Don Ruffin Rum wird nicht importiert, sondern selbst destilliert. Die Melasse stammt aus Bio-Zuckerrohr-Anbau in Paraguay. Zur Reifung kommt der Rum zwei Jahre lang in drei Fässer: Die erste Hälfte in amerikanische Weißeiche, die zweite in französische Limousin-Eiche und drittens ein kurzes Finish im Ex-Sherry-Cask.

„Triple Cask Rum“ nennt das die blumige Pressemitteilung und es ist wirklich etwas hoch gegriffen. Denn zwei Jahre im Holzfass im kalten norddeutschen Klima sind natürlich nicht das Gleiche wie die gleiche Reifezeit in der heißen Karibik oder in Südamerika. Es ist eine Eigenart junger Destillerie-Gründer, dass sie ihre flüssigen Erzeugnisse so schnell wie möglich unters Volk bringen wollen. Bei Gin funktioniert das überwiegend ganz gut, bei Whisky nicht besonders und bei Rum…nunja wie werden sehen, wie sich der Don Ruffin in der Verkostung schlägt.

Unser Tasting des Don Ruffin Rum

Wie riecht er?

Ein durchdringender, süßlicher Geruch steigt uns in die Nase. Wirkt wie eine Mischung aus Schuhcreme, Hustenbonbons und Vanille – und erinnert uns eher an einen aromatisierten Spiced Rum. Pflaumen treffen auf Gewürze, aber so richtig rund wirkt der Duft des Don Ruffin nicht. Vielleicht auch, weil immer wieder der junge Alkohol durchkommt.

Wie schmeckt er?

Im ersten Moment erinnert der Don Ruffin an einen weichen, ziemlich aromatischen Korn. Sehr jung und schmal zaubert der Freibeuter seine wenigen Aromen in den Mund. Eine Portion süße Vanille, eine Prise Tabak, hinten etwas Holz. Es fehlt dem Rum deutlich an Reife und Körper. Ähnlich wie bei Spiced Rums wirken die Aromen dadurch eher aufgesetzt. Richtiges Vergnügen will beim Trinken des Don Ruffin leider nicht aufkommen – außer man mag junge Spirituosen.

Alkoblog.de Rum-Test: Don Ruffin Rum

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Wenn der Don Ruffin in anderen Blogs aktuell überschwänglich als Sensation und Weltklasse gefeiert wird, ist Vorsicht angebracht: Denn geschmacklich ist das Destillat sehr jung und einem aromatisierten Korn oder Spiced Rum ähnlicher als einem wirklich reifem Premium-Rum. Uns konnte der Don Ruffin im Tasting leider nicht überzeugen - zu rau, unausgewogen und dünn ist er im Geschmack. Andere Rums aus der Karibik und Südamerika bieten für weniger Geld deutlich mehr Reife und Tiefe. Der Preis von 60 Euro wirkt überaus kühn. Oder um es mit Störtebeker zu sagen: "Arrrgghhh!"

2.6



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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