Whisky Discounter-Whisky von Aldi, Lidl & Penny im Test

Veröffentlicht am 27. Januar 2015 Wie gut ist Supermarkt-Whisky? | Fotos: Alkoblog

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Discounter-Whisky im Test: Aldi, Lidl & Penny im Vergleich

Wir wollten wissen: Wieviel Whisky bekommt man für 7,59 Euro? Denn genau so viel kosten die Scotch-Blends der drei großen deutschen Discounter Aldi, Lidl und Penny. Wenn es beim Preis schon keinen Unterschied gibt, wird es doch Abweichungen im Geschmack geben. Oder? In unserem Whisky-Test klären wir die Frage, welcher Billig-Malt sich geschmacklich noch am meisten lohnt. Immer vor Augen: Es kann sich hierbei nur um ein Duell von Not gegen Elend handeln.

Unser Testfeld: Der Queen Margot Scotch von Lidl tritt gegen den Mc Illroy Scotch von Penny und den Statesman Scotch von Aldi an. Wer wird dieses knallharte Whisky-Discount-Duell wohl für sich entscheiden?

Lidl Queen Margot im Whisky-Test

Gestaltung: Schottische Namen und hohle Versprechen

Mit der Gestaltung ihrer Flaschen gewinnen die günstigen Blends schon mal keine Design-Preise. Am aufwendigsten wirkt da noch die Gravur am Flaschenhals, über die alle drei Teilnehmer verfügen. Beliebt sind auch Schwarz-Weiß-Fotos von alten Gemäuern auf dem Etikett, die in keinem erkennbaren Bezug zum Inhalt stehen. Alle drei Whiskys heben ihre Herkunft aus Schottland hervor, was für einen Scotch-Whisky eigentlich selbstverständlich ist. Während Queen Margot sich auf eine historische Königin bezieht (die aber soweit wir wissen, keinen Whisky getrunken hat) handelt es sich bei McIllroy von Penny und dem Statesman von Aldi wohl um reine Fantasienamen.

Auffallend: Alle drei Whiskys prahlen mit wenig aussagekräftigen Qualitätsbekundungen. So heißt es beim Mc Illroy: „Kenner [schätzen ihn] besonders wegen seines einzigartigen Charakters und weichen Geschmacks.“ Aha. Die Lidl Queen Margot verspricht wiederum, sie sei „beautifully balanced, smooth and mellow, its blend of delicate flavours adds complexity and depth, leaving a warm, lingering finish.“ Na darauf freuen wir uns schon! Und beim Abfüller des Aldi Statesman ist man der festen Überzeugung: „The individual character and taste will be appreciated in particular by those who know and understand Scotch Whisky.“ Das weckt hohe Erwartungen bei uns, die wir feinen schottischen Whisky doch seit Jahren kennen und schätzen.

Aldi Statesman im Whisky-Test

Geruch: Von Klebstoff bis Mottenkugel

Nach dem Öffnen des funktionalen Schraubverschlusses vergehen nur wenige Sekunden, bis wir den Duft der Blends in der Nase haben. Allen drei Discounter-Whiskys ist gemein, dass sie eine starke alkoholische Note aufweisen. Nicht verwunderlich, durften sie doch vermutlich kaum mehr als drei Jahre in Eichenholzfässer verbringen. Queen Margot riecht dabei etwas heller und zitroniger mit leichter Tendenz zum Apfel. Ein Geruch der auf Dauer aber recht aufdringlich wirkt. Pennys McIllroy konzentriert sich derweil auf ausgeprägte Klebstoffnoten in verschiedener Variation, die er in einer lieblichen Mischung präsentiert. Das ist nichts für schwache Gemüter. Der „younger“ Statesman von Aldi scheint im Fasslager vor allen Dingen die muffigen Aromen mitgenommen zu haben. Er riecht ein bisschen wie Mottenkugeln. Die Geruchswertung entscheidet Queen Margot mit einer Nasenlänge Abstand vor den anderen beiden Kandidaten.

Penny McIllroy im Whisky-Test

Geschmack: Viel Alkohol und wenig Charakter

Von einem Whisky für weniger als zehn Euro kann man natürlich keinen komplexen und vielschichtigen Geschmack erwarten. Und so konzentrieren wir uns auf das, was da ist: Alle drei Scotch Blends schmecken stark alkoholisch. Die Stärke der Lidl Queen ist ihre ganz leichte Rauchnote, die durchaus einen gewissen Charme versprüht. Mit Apfelkernen, Gummi und etwas Grapefruit ergibt sich aber ein insgesamt bitterer Geschmack. Der Penny Mc Illroy versucht uns dagegen auf die milde Tour zu kommen: Bis auf etwas Vanille kann er aber keine nennenswerten Aromen im Mund entfalten. Er wirkt dünn, wässrig, charakterlos und ebenfalls bitter. Der Statesman von Aldi ist leicht rauchig und kohlig, was aber nicht verdecken kann, dass es ihm sowohl an Frucht als auch an Körper fehlt. Er wirkt relativ freudlos und ist ebenso wie die anderen Whiskys pur kaum ein Genuss.

Supermarkt-Whiskys im Test

Unser Fazit des Supermarkt-Whisky-Tests:

Drei Whiskys für jeweils 7,59 Euro, dreimal Enttäuschung im Glas. Zumindest wenn man es durch die Brille eines Whisky-Genießers betrachtet. Dennoch mag für manchen Kunden ein günstiger Scotch-Blend durchaus seine Berechtigung haben, etwa um ihn mit Cola zu einem Longdrink zu mischen. Es gilt also, aus den getesten Blends den zu küren, der am ehesten eine trinkbare Qualität erreicht. Für uns liegt deshalb Lidls Queen Margot vorne. Der Geruch ist etwas angenehmer und frischer, im Mund versucht „die Queen“ immerhin, ein paar Aromen zu entfalten. Mit etwas Abstand folgt der Statesman, der aber zu ernst wirkt, um wirklich Spaß zu machen. Mc Illroy ist sowohl in Geruch als auch Geschmack deutlich schlechter. Er wirkt abgeschlagen und bildet das traurige Schlusslicht. Der Werbeslogan: „Erstmal zu Penny“ gilt also zumindest nicht für Scotch-Blends. Alle drei Whiskys sind aber pur kein Genuss.


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6 Responses to Discounter-Whisky im Test: Aldi, Lidl & Penny im Vergleich

  1. Tim says:

    Hm, leider ein wertloser Test, da nicht blind. Das Testergebnis riecht man ja schon im ersten Absatz drei Meilen gegen den Wind.

    Spannend wäre eine Verkostung im Doppelblindverfahren gegen etablierte Whiskys.

  2. Jayson Buchannon says:

    Ein paar Tropfen Wasser wirken – zumindest beim Statesman – wunder 😉

    • Samuel Sam says:

      Hallo Jayson,

      das klingt ja spannend! Häufig sind ja eher Whiskys mit ein paar mehr Prozent mehr (zum Beispiel in Cask Strength) dafür geeignet, sie mit ein paar Tropfen Wasser aufzuschließen. Welche Aromen konntest du dem guten Statesman Whisky denn danach noch entlocken?

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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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