Rum

Veröffentlicht am 23. September 2015 | Foto: Alkoblog

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Strenges Regime: Dictador Rum 12 Jahre im Test

„Vamos! Vamos!“ ruft uns der Anführer zu und treibt uns zur Eile an, während wir durch den dichten kolumbianischen Dschungel hetzen. Links und rechts nichts als dichtes Laub, Lianen peitschen uns ins Gesicht, die drückende Hitze und blutgierige Moskitos macht uns schwer zu schaffen. Das Alkoblog-Team im Extremeinsatz, einem weiteren „guten Rum“ auf der Spur.

Der große Dictador hat uns in sein Guerilla-Nest in den Tiefen des Amazonasbecken „eingeladen.“ er will unsere Meinung zur 12jährigen Solera-Abfüllung erfahren. Eine Einladung, die man nicht ablehnen kann.

Immerhin geht es hier nicht um einen x-beliebigen südamerikanischen Cachaça, der Dictador Rum wird aus Sugar Cane Honey, also Zuckerrohrsirup hergestellt. Die Destillation erfolgt teilweise in Kupferbrennblasen, teilweise auch einfach im (günstigeren) Säulendestillationsverfahren.

Der Dictador 12 Jahre wird dann im Solera-Verfahren gereift, nach Angaben von Dictador sollen die in diesem Rum enthaltenen Fässer zwischen 10 und 14 Jahren alt sein. Eines ist sicher: Ich werde auch nicht mehr alt, wenn ich nicht endlich etwas zu trinken bekomme. Endlich erreichen wir die Dschungel-Basis, ein Holz-Fort mitten im Dickicht. Das Tor öffnet sich. Und dann steht große Dictador endlich vor uns: In seinem grünen Flecktarn hätten wir ihn fast übersehen. Wortlos schüttelt er uns die Hand, überreicht uns dann ein Nosing-Glas.

Unser Tasting des Dictador Rum 12

Wie riecht er?

Der Name Dictador klingt dominant und bestimmend. Ganz anders der Rum, welcher zahm wie ein Kätzchen leicht und flach in die Nase gelangt. Der Dictador spürt unser Missfallen und straft uns mit dem Geruch von muffigem Keller. Eingerahmt von würzigem feuchtem Holz fristen wir unser Dasein. Erst später kommt der Geruch von Milchkaffee und Vanille hinzu und wir können es mit weihnachtlichen Aromen wie von Lebkuchen, Gewürzen, Rosinen, Kastanie und Marzipan etwas freundlicher bewerten.

Wie schmeckt er?

Auch im Geschmack lässt der Dictador 12 Jahre Milde walten. Was aber nicht bedeutet, dass wir im Tasting Gnade vor Recht ergehen lassen. Eher leicht, flach und süßlich zuckerig kann uns dieser Rum zunächst nicht wirklich fordern. Etwas herbe Zitronenschale, viel Eichenholz und Kirsche lassen uns zwar das Potenzial erahnen und der Geschmack von Milchschokolade, Kokosnuss und Mandeln versöhnt uns etwas. Insgesamt ist der Dictador Rum jedoch zu unruhig im Geschmack und lässt eine klare Linie vermissen. Er ist flach und im Abgang würzig-bitter. Wäre das Tasting eine demokratische Wahl, wir würden den Dictador abwählen und zu einem anderen Kandidaten raten… „Hey, was soll das? Arrrghhhh…röchel!“

Wir danken Philip von EyeForSpirits für die Zusendung des Dictador 12 Jahre. Er selbst hat den Rum auch probiert und mit 7 von 10 Punkten bewertet.

Alkoblog.de Rum-Test: Dictador Rum 12 Jahre

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Samuel: Mit spannendem Namen und markanter Flasche trumpft der Dictador 12 auf. Im demokratischen Tasting kann uns der kolumbianische Rum aber nicht ganz überzeugen: Zwar sind mit herber Zitronenschale, Eichenholz und Kokos gute Ansätze vorhanden. Doch im Ganzen erscheint der Kolumbianer uns etwas zu unruhig, eher flach und schmeckt im Abgang sogar leicht bitter. Nur für ruppige Alleinherrscher, die kantige Rums mögen.

3.5



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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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