Die Flaschen liegen gleichmäßig gekühlt auf sechs Grad im Eisschrank, die Testpersonen (ein Politikstudent, eine angehende Zahnarzthelferin, ein Fremdsprachensekretär und eine passionierte Köchin) haben sich eingefunden, die Gläser stehen bereit, die Spannung steigt: An diesem Abend soll das beste Berliner Bier gekürt werden!

Doch schauen wir kurz zurück auf die Mittagszeit dieses denkwürdigen Tages, wo die Vorbereitungen für den Alkoblog-Biertest mit einem Einkauf bei Rewe und Reichelt begannen: Die Auswahl an Berliner Bieren ist hier überraschend groß, die ersten Vorentscheidungen fallen schon jetzt: Berliner Kindl Bockbier und Bürgerbrau Bernauer Schwarzbier schaffen es nicht in den Re-Call. Mit dabei sind hingegen folgende acht Flaschen (von links nach rechts):

1. Berliner Pilsner Bärenpils (Kindl Brauerei, Berlin) in 0,33l Flasche
2. Berliner Kindl Weisse in 0,33l Flasche (außer Konkurrenz)
3. Berliner Kindl Pils in 0,5l Flasche
4. Berliner Bürgerbräu Pils in 0,5l Flasche
5. Berliner Bürgerbräu Rotkehlchen in 0,5l Flasche
6. Berliner Pilsner (Berliner Pilsner Brauerei) in 0,5l Flasche
7. Potsdamer Rex Pils (Kindl Brauerei, Berlin) in 0,5l Flasche
8. Schultheiss Pilsener in 0,33l Flasche

Bewertungskriterien: Bewertet werden neben Geschmack auch Schaum, die Farbe des Gebräus und die Aufmachung der Flasche. Denn nur ein Bier welches mit ansprechendem Äußeren glänzen kann, wird überhaupt gekauft. Die Biere werden verdeckt ausgeschenkt, nur so lässt sich verhindern, dass die Tester vom Image des Bieres bei der Geschmackswertung beeinflusst wird.

1. Berliner Kindl Pils

Farbe: Die Gruppe einigt sich auf goldig-klar, der Politikstudent stellt fest: „Es handelt sich um ein helles Bier, aber je nachdem was noch kommt, muss man das differenziert betrachten“

Schaum: Ist gut, hält aber nicht allzu lange

Geschmack: Wird von den Testern einhellig gelobt. Tester S: „Ein süffiges Bier, das knapp am wässrigen vorbeischrammt“, Testerin J. findet hingegen gut, dass das Berliner Kindl Pils „nicht so bitter sei“. Auch bei C. kann das helle Bier punkten, sie lobt den würzigen Nachgeschmack: „Sehr angenehm und lecker!“

Flaschendesign: Die klaren Linie der Flasche wirken traditionell, einige vermuten es handle sich dabei um eine einfache „Arbeiterflasche“. Tester S. findet hingegen den Jungen der aus dem Bierglas guckt auf Anhieb sympathisch: „Mit dem wurde ich als kleines Kind immer verglichen!“

2. Berliner Bürgerbräu Rotkehlchen

Farbe: Ist einen Ton dunkler als das vorher getestete Kindl Pils, einige würden so weit gehen es „bernsteinfarben“ zu nennen.

Schaum: „Definitiv eine Klasse besser“, sagt C. und beendet die Diskussion um unverzüglich zum Geschmackstest überzugehen.

Geschmack: Testerin C. trinkt einen großen Schluck und setzt dann ab: „Schmeckt süßlich-bitter, wenig differenzierter Geschmack“. Testerin J. findet den Nachgeschmack hingegen „einfach stumpf-bitter“. Bei den Mädels kann dieses Bier offensichtlich nicht punkten. Doch wie sieht es bei den Herren der Runde aus? Tester S. diagnostiziert: Es handelt sich um ein Herrenbier! Dem pflichtet sein Testkollege bei und fragt nach: „Wann gibt’s das nächste?“

Flaschendesign: Doch erst will das Design der kunstvoll rot ummantelten Bierflasche bewertet werden. Testerin J. findet die Farben schön: „Die rote Folie wirkt edel“. C. signalisiert ihre Ablehnung. Sie findet das Etikett zu altmodisch.

3. Schultheiss Pilsener

Farbe: Testerin C. nennt sie „strohgelb“, Tester S. bezeichnet die Farbe kühn als „blond“

Schaum: Steht gut und ist ansonsten unspektakulär. Die Gruppe will lieber schnell den Geschmack bewerten („sonst verdunstet uns das noch“)

Geschmack: Die Begeisterung über dieses Bier ist ausgesprochen groß und führt zu spontanen Lobbekundungen. „Frisch und belebend“, sagt J., Testerin C. würde es in jedem Fall „regelmäßig“ trinken. Die Herren der Runde loben die Spritzigkeit und betonen fachkundig, es handle sich hier um ein leckeres Sommerbier.

Flaschendesign: Umso erstaunter sind alle, als das dröge Flaschendesign präsentiert wird. Tester S. hätte zuvor noch Stein und Bein geschworen dass es sich bei dem „kühlen Blonden“ auf keinen Fall um ein Schultheiss handeln würde. Tester L. sieht an der Flaschenform und dem simplen Etikett dass es sich um ein „Bauarbeiter-Bier“ handle. C. stimmt zu: „Sieht richtig billig aus“. Alle sind sich einig, dass sie so ein Bier niemals im Laden kaufen würden.

4. Potsdamer Rex Pils

Farbe: Wird als „Königlich-golden“ bezeichnet

Schaum: Ganz ok, hält auch eine ganze Weile

Geschmack: Ist hingegen wenig königlich. Die Äußerungen der Tester reichen von „undefinierbar“ bis hin zu „rostig“ und „abgestanden“. Testerin J. rümpft die Nase: „Das hat kaum Kohlensäure, schmeckt irgendwie abgestanden“. So richtig austrinken mag dieses Bier keiner in der Gruppe.

Flaschendesign: Die Kindl-Brauerei die auch das Potsdamer Rex Pils produziert, setzt auf eine ungewöhnliche Farbgebung in blau. Das stößt auf geteilte Meinung: S. findet das Design „billig“, lobt aber den kurfürstlichen Kopf im Logo. Auch J. kann der Flasche nicht viel abgewinnen: „Da gibt es schönere“.

5. Berliner Bürgerbräu Pils

Farbe: hell-goldig

Schaum: Zerfällt sehr schnell, sieht nicht besonders gut aus

Geschmack: Auch dieses Bier findet kaum Freunde unter unseren Testern. Vor allem C. sieht sich von der goldigen Farbe getäuscht: „Das ist total flau, prickelt kein bisschen“. Und auch S. und J. sind sich einig: „Selten so ein lasches Bier getrunken“. L. will hingegen einen hopfigen Nachgeschmack entdeckt haben. Beim nachprobieren korrigiert er jedoch seine Meinung: „Ne, ne da ist nichts!“

Flaschendesign: Das Etikett und die goldene Ummantelung des Bieres überzeugen hingegen. Die Banderole wird übereinstimmend als „edel“ bezeichnet. Das Etikett mit der altdeutschen Schrift und der Abbildung eines alten Ratsherren vermittele Tradition und führt zu dem Eindruck, es handle sich hier um ein Bier für Männer.

6. Berliner Pilsner

Farbe: Es ist ein eher helles Bier, die Tester einigen sich auf „strohgelb“

Schaum: Solide Leistung, nicht mehr und nicht weniger

Geschmack: Das wohl derzeit in Berlin am stärksten beworbene Bier fällt beim Geschmackstest glatt durch. „Bitter“ ist wohl noch die freundlichste Äußerung in der Gruppe. S. sieht sogar „magenangreifende“ Tendenzen und würde das Bier nur trinken, wenn am Ende eines langen, langen Abends absolut nichts anderes mehr da ist. L. wird hingegen lyrisch: „Der bittere Geschmack dieses Pilses gibt sich mit dem bitteren Nachgeschmack die Klinke in die Hand“, lallt er. Auch die Damen der Runde können sich für das bittere Bier nicht erwärmen.

Flaschendesign: Umso erstaunlicher, wie sich dieses Bild wandelt, als wir zur Bewertung des Äußeren kommen. Die weiblichen Tester finden die glatten Linien „elegant“ und das Etikett „einfach schön designt“. Tester S. lehnt das Äußere als „zu luschig“ ab und steigert diese Abwertung noch: Berliner Pilsner sei ohnehin „ein Tussenbier, was nur Mädchen trinken“.

7. Berliner Pilsner Bärenpils (von Berliner Kindl Brauerei)

Farbe: hell-gelb

Schaum: S. meint „fluffig“ und unterstreicht diese Aussage mit einem Fingertest.

Geschmack: Weiß nicht zu überzeugen. S. findet es „wässrig und lau“, J. schmeckt zwar „eine Süße am Anfang“ will es aber nicht austrinken. Auch Tester L. ist nicht überzeugt: „Im Nachgeschmack ist es irgendwie abgestanden und billig, kein Bier was man gerne trinkt“

Flaschendesign: Hier gehen die Bewertungen auseinander. Tester S. mag den Bären auf der Flasche („das hat richtig Stil“), Tester L. lehnt hingegen das Design als Ganzes ab: „Sieht billig aus und wenig innovativ. Würde ich mir im Laden nie kaufen.“

Der Alkoblog Biertest Berlin hat einen Überraschungssieger:

 

Das Schultheiss Pilsener aus der kleinen 0,33 Liter Flasche wusste die Tester mit seinem leichten, sommerlichen Geschmack vollends zu überzeugen. Und das obwohl das Image des Bieres eher schlecht ist (Tester L: „Bauarbeiterbier“), was sicher auch am eher unattraktiven Etikett liegt.

Aber auch die zweiten und dritten Plätze sind überaus trinkenswert. Berliner Kindl Pils und Berliner Bürgerbräu Rotkehlchen stehen hier fast auf gleicher Höhe. Das Mittelfeld bestreiten Rex Pils und Bürgerbräu Pils gemeinsam. Enttäuschend hingegen Berliner Pilsner und Bärenpils, die geschmacklich weit abgeschlagen hinter den anderen liegen.

Welches Fazit lässt sich aus dem ersten Alkoblog-Biertest ziehen:

1. Berlin hat einige echt leckere Biere

2. man sollte sie unbedingt alle selbst trinken, um seinen persönlichen Liebling herauszufinden

3. Berliner Weisse schmeckt wirklich nur mit Sirup gemischt, wird deshalb von uns außer Konkurrenz bewertet.

Und was sagen unsere tapferen Tester zum Schluß?
„War ein schöner Abend! Und nächstes Mal trinken wir uns durch ganz Europa! Haha!“

In diesem Sinne: Prost!

8 Kommentare

  1. also interessant wäre natürlich mal zu wissen, in welcher reihenfolge ihr getrunken habt. und habt ihr zwischendurch den mund mit weißbrot und wasser neutralisiert?

    denn „berliner pils“ durchfallen zu lassen, kann ich fast kaum glauben! sicherlich nicht eines der leckersten biere, aber mittelfeld doch allemal.

    spritzig, mitte – wie wir nur allzu gut aus der werbung wissen

  2. naja euren biergeschmack in ehren, aber wer an kindl und schultheiss gefallen findet, der trinkt auch becks gold und denkt sich was ein leckeres bier. bei diesen beiden biersorten sieht man oder schmeckt man doch nur zu deutlich das die teilung berlins leider auch an den brauereien nicht wirklich vorbei gegangen ist. denn so fade biere wie diese beiden gibt es sonst selten in dieser stadt. nun bin ich auch kein grosser fan von berliner pilsner auch wenn es meines erachtens doch eines der besseren biere dieser stadt ist da es hopfenlastiger und prickelnder ist als schultheiss und konsorten aber ich mag es eh eher herber und bevorzuge jever was ja nun einmal eindeutig nicht aus berlin stammt. meiner einer übrigends schon. bei bärenpils bin ich voll euerer meinung. beim rexpils auch aber da es aus potsdam stammt dürfte es garnicht in eurem test auftauchen und bürgerbräu war wohl noch nie wirklich gut aber seid dem die bayern mit dran rumfuschen hat es an geschmack eher verloren.
    na dann machts mal gut und wenn ihr nochmal testen solltet dann vielleicht als kleine idee von mir jeden abend nur eine sorte und gleich ein wenig mehr dann könnt ihr gleich mal mit reinschreiben wie es euch so am nächsten tag ergangen ist.

  3. Ich kann schmidten nur beipflichten. Ihr scheint alle sehr süffige Biere zu bevorzugen.
    Dass ihr kein Fan geschmackstarker Biere seid (ich bin selber auch Fan norddeutscher Biere, und bin selber Berliner) geht in dem Test leider vollkommen unter.

    Aber trotz alldem: nette Seite habt ihr hier! 🙂

  4. Also … nun ja – Berliner Biere sind wirklich eine Sache für sich. Vor allem, da alle in denselben großen Industriekesseln am Weißenseer Weg (Eventuell wird das Rothkehlchen noch in Sachsen gebraut) entstehen und der Dr. Oetker Gruppe angehören.
    Nicht nur der Vollständigkeit halber fehlen die wirklich guten Kiezbiere, die eher der Craft-Beer-Szene angehören!

    1. Ja mit den Craft-Bieren aus Berlin hast du natürlich recht. Die gab es natürlich 2007, als wir diesen Artikel geschrieben haben, noch gar nicht. Vielleicht machen wir irgendwann noch mal einen Test und dann sind sie mit dabei! 🙂

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