Die besten Vodkas bis 15 Euro im Test (Foto: Alkoblog)

Wie oft stand ich schon vor einer Party im Edeka, Rewe oder Real vor dem Regal und habe überlegt, welchen Vodka ich kaufen soll. Dazu muss man wissen, dass ich nicht unbedingt der entscheidungsfreudigste Käufer bin. Und die Vodka-Hersteller machen es einem unentschlossenen Interessenten wie mir nicht einfach: Fast alle Marken zwischen 10 und 15 Euro haben eine auffällige Flasche, ein schönes Etikett und locken mit tollen Werbetexten und umfangreichen Filter-Versprechen („triple distilled“, „ten times filtered“, „diamond filtered“, „milchgereinigt“). Doch welcher Vodka bis 15 Euro ist am besten? Die klare Spirituose – im Regal sorgt sie bei mir zunächst einmal für Unklarheit.

Von Absolut bis Smirnoff: Unsere Kandidaten

Doch damit ist ab heute Schluss, denn wir haben uns fünf der beliebtesten Mainstream-Vodkas zugelegt und werden sie in einem Blind-Tasting knallhart auf die Probe stellen. Unser Testfeld besteht aus Absolut Vodka (Schweden), Russian Standard (Russland), Vodka Parliament (Russland), Three Sixty Vodka (Deutschland) und Smirnoff (USA). Günstige Bückware wie Wodka Gorbatschow, Puschkin oder diverse Discounter-Eigenmarken haben wir bei diesem Vodka-Test bewusst außen vorgelassen. Wir haben zudem darauf geachtet nur Marken auszuwählen, die praktisch überall in Deutschland erhältlich sind, also keine Regional-Vodkas (wie Bazic Vodka oder Sash & Fritz).

Wie beliebt sind die getesteten Marken?

Folgt man den Google Trends für die fünf genannten Marken in Deutschland so sieht man deutlich, wer die Nase vorne hat:

Absolut Vodka führt mit großem Abstand vor Smirnoff. Russian Standard, Parliament und Three Sixty folgen mit weitem Abstand und schon fast unter ferner liefen. Zumindest was die Suchanfragen der Nutzer bei Google angeht ist das Duell also schon entschieden. Wobei auffällt: Seit 2004 ist ein stetiger Rückgang der Nachfrage zu erkennen. Liegt Vodka also vielleicht gar nicht mehr so im Trend wie früher? Zieht man Umfragen heran, so ist Vodka (nach Kräuterlikör, Sahnelikör und Magenbitter) an vierter Stelle bei den beliebtesten Spirituosen. Fast jeder zehnte Befragte gab an, mindestens einmal im Monat Vodka zu trinken.

Welches ist der beste Vodka bis 15 Euro? Das Testfeld (Foto: Alkoblog)
Welches ist der beste Vodka bis 15 Euro? Das Testfeld (Foto: Alkoblog)

Unser großer Vodka-Test

Wer testet?

Am Tasting-Tisch haben Platz genommen: Drei junge Männer um die 30 Jahre, alle haben wir natürlich schon mal Vodka pur oder als Drink genossen, keiner würde sich aber als absoluter Experte bezeichnen. Am liebsten trinken wir unseren Vodka eisgekühlt und pur, er sollte also angenehm mild sein. Ein bisschen Charakter ist nicht verkehrt, aber wenn dann sollte er angenehm sein.

So testen wir:

Für unser Tasting legen wir die Vodka-Flaschen nicht auf Eis. Im Gegenteil: Wir möchten möglichst viele Aromen schmecken und das geht am Besten im warmen Zustand. Etwas ungewohnt ist es schon, schließlich wird Vodka häufig gemischt in Longdrinks (Vodka-Cola, Vodka-Orangensaft) , als Cocktail (z.B. Moscow Mule) oder eiskalt aus dem Gefrierschrank serviert. Für unseren Vodka-Test nutzen wir Nosing-Gläser, die sonst auch für Whisky zum Einsatz kommen. Durch die spezielle Glasform können sich Aromen optimal entfalten.

Warum wir blind verkosten

Jeder von uns hat bestimmte Vorlieben, verbindet mit einer bestimmten Marke bestimmte positive oder negative Assoziationen. Die Gestaltung der Flasche und des Etiketts tragen ebenfalls zu dieser Meinung bei. Bewusst oder unbewusst können diese Faktoren einen Test beeinflussen. Da bei kaum einer Spirituosengattung die Werbung eine so große Rolle spielt wie bei Vodka, haben wir uns für ein Blind-Tasting entschieden. Keiner von uns sollte wissen, in welchem Glas sich welcher Tropfen befindet. Hierzu haben wir die Gläser vorab mit kleinen Stickern von 1-5 nummeriert, die Dame des Hauses übernahm freundlicherweise den Part des Einschenkens im Nebenraum. Erst nach der Verkostung wurde aufgeklärt, welcher Vodka zu welcher Nummer gehört.

Die Ergebnisse des Blind-Tastings

Um das Lesen dieses Artikels zu erleichtern, haben wir die Namen der Vodkas im Nachhinein zu den Proben ergänzt (sonst müsstet ihr ständig nachschauen, wofür zum Beispiel Nr. 3 oder Nr. 5 stehen. Wir selbst wussten bis zum Schluss nicht, was sich hinter welcher Probe verbirgt und haben auch kräftig daneben geraten).

Three Sixty Vodka im Test (Foto: Alkoblog)
Three Sixty Vodka im Test (Foto: Alkoblog)

Probe 1: Three Sixty Vodka

Wenn Persil ein Vodka wäre, so würde es riechen: Ein frischer und reiner Geruch durchzieht die Spirituose, dabei sehr weich. Ein feiner Hauch Zitrone, etwas Blaubeere und Vanille – dabei etwas süßlich. Im Geschmack setzt der Three Sixty Vodka den „reinen“ Eindruck fort. Sehr leicht und mild, fast charakterlos gleitet er durch den Mund. Im zweiten Anlauf schmeckt er ein wenig nach Milch oder Sahne und fast ein wenig cremig. Mit etwas Fantasie erahnt einer unserer Tester die Blaubeere im Dessert. Gelungen!

Smirnoff Vodka im Test (Foto: Alkoblog)
Smirnoff Vodka im Test (Foto: Alkoblog)

Probe 2: Smirnoff Vodka

Der einzige Amerikaner lässt es im Vodka-Test krachen: Kräftig, getreidig, mit den Noten von Zitronenschale und Grapefruit macht der Smirnoff Vodka ordentlich Druck in der Nase. Im Geschmack ebenfalls robust und mit viel Getreide. Wirkt dadurch fast ein wenig ländlich. Der Begriff „Landvodka“ wurde in unserem Tasting daraufhin zum geflügelten Wort, wann immer ein Vodka dazu neigte, etwas kernigere Aromen auszuspielen. Der Smirnoff wurde von einigen Testern als zu herb, wuchtig und bissig empfunden. Geht besser!

Russian Standard Vodka im Test (Foto: Alkoblog)
Russian Standard Vodka im Test (Foto: Alkoblog)

Probe 3: Russian Standard

Vom Geruch her durchaus Ähnlichkeit zum Three Sixty Vodka, also sehr neutral und körperlos. Dabei kommen immer wieder chemische Noten durch, die an Klebstoff oder Mottenpapier (Lavendel) erinnern. Wurde daher von manchen Testern als „kopfschmerzig“ empfunden. Auf der Zunge kräftig, aber auch etwas dumpf und muffig. Erinnert an einen Korn. Mit zunehmender Standzeit weckte die Probe im Glas Erinnerungen an eine schweißige Umkleidekabine. Ein ungewaschener Vodka? Insgesamt würzig, aber auch etwas bitter im Abgang. Unbequem mit Kanten!

Absolut Vodka im Test (Foto: Alkoblog)
Absolut Vodka im Test (Foto: Alkoblog)

Probe 4: Absolut Vodka

Erster Kommentar eines Testers: „Der riecht ja nach garnichts“. Tatsächlich ging nur ein ganz leichter Hauch von diesem warmen Vodka aus. Der Geruch wurde als klar, rein, aber auch etwas nichtssagend empfunden. Ein Hauch Getreide, etwas Zitrone, das wars. Im Mund macht die Spirituose einen milden, eleganten Eindruck. Dieser Vodka wirkt wirklich sehr Premium – vermutlich gerade weil er nach eher wenig schmeckt. Als Aromen konnten Anklänge von Zitronenschale, Himbeere und Kirsche identifiziert werden. Alles in allem sehr weich, mild und angenehm zu trinken. Ein feiner Hauch Pfeffer im Abgang lässt einen nicht vergessen, dass man hier Wodka trinkt und nicht Wasser.

Parliament Vodka im Test (Foto: Alkoblog)
Parliament Vodka im Test (Foto: Alkoblog)

Probe 5: Vodka Parliament

Der Geruch: Nicht schön, gar nicht schön! Im Vergleich zu den anderen vier Vodkas fiel die ebenfalls unbeschriftete Probe des Vodka Parliament stark ab: Sehr kräftig, getreidig, herb. Vergorene Früchte und ledrige Noten, aber nicht angenehm. Im Mund ebenfalls kräftig, dumpf und robust. Wirkt ländlich und wenig fein. Der Alkohol wird von allen drei Testern als sehr präsent empfunden, er macht den Vodka hinten bitter. „Der schmeckt so, als wenn man eine Theke abschleckt“, beschied ein Tester ohne näher auszuführen, wann er dergleichen schon einmal getan hat. Der Geschmack weckte auch die Erinnerung an kalten Rauch und Aschenbecher. Große Enttäuschung!

Fazit: Welches ist der beste Vodka bis 15 Euro?

Eines gleich vorweg: Richtig schlecht war keiner der fünf getesteten Vodkas. Für weniger als 15 Euro bekommt man in dieser Spirituosen-Kategorie schon einiges geboten, alle fünf Kandidaten kann man ohne Probleme pur auf Eis oder in gemischten Drinks genießen. Dennoch gibt es deutliche Unterschiede: So lassen sich zwei Vodka-Stile unterscheiden, die einem erst im direkten Vergleich bewusst werden:

  • Vodka-Stil Nr. 1 tendiert zu größtmöglicher Reinheit in Geruch und Geschmack, versucht nach möglichst wenig zu schmecken (dazu würden wir Absolut und Three Sixty zählen)
  • Vodka-Stil Nr. 2 stellt robustere Aromen in den Vordergrund (hier sind die Russen Vodka Parliament und Russian Standard zu finden). Smirnoff rangiert irgendwo dazwischen.
Viel Werbung – Aber im Test war Absolut Vodka am Ende der Beste.

Und doch gibt es für uns einen klaren Sieger: Absolut Vodka führt mit kleinem Vorsprung vor Three Sixty Vodka. Alle beide riechen und schmecken angenehm frisch und sind hervorragend pur zu trinken. Sie wirken zudem sehr rein im Geschmack.

Mit deutlichem Abstand folgen Smirnoff und Russian Standard, die etwas rauer, kräftiger und ungehobelter wirkten. Als Enttäuschung entpuppte sich der Vodka Parliament, der trotz Milch-Filtration deutlich schärfer und dumpfer wirkte und keine schönen Aromen mitbrachte. Eine Überraschung war dies zudem, weil dieser Vodka einer der langjährigen Favoriten eines Testers war – sorry Larry, du wirst dir einen neuen Lieblingsvodka suchen müssen…

Auch den Sieg des Absolut Vodkas hatten wir so nicht erwartet. Wir hatten bisher immer vermutet, dass es sich hier um ein klassisches Marketing-Produkt handelt, welches durch viel Werbung gepusht wird, sich aber nicht geschmacklich abheben kann. Im Blind-Test konnte der milde Klare aus Schweden aber voll und ganz überzeugen.

Welchen Vodka trinkt ihr gerne? Welches ist euer Favorit in dieser Preislage? Sagt es uns in den Kommentaren.

14 Kommentare

  1. Für mich ist Parliament der beste. Die Reinheit durch Milchfiltration ist wahrnehmbar, ist Alkohohlnote ist sehr edel ,obwohl er klare schärfe mitbringt. Das Getreidearoma ist für mich bei ihm der beste von allen die ich probiert habe. Auch die Flasche kommt sehr nobel daher.

  2. Der Definition nach sollte guter Wodka nur Ethanol und Wasser enthalten. Darauf ist der Herstellungsprozess ausgerichtet. Ein wirklich perfekter Wodka wäre also Analysealkohol auf Trinkstärke verdünnt. Wäre mal gespannt, welche Aromen dann von den Testern wahrgenommen werden würden…

    1. Wahrgenommen werden dann nur noch die „Aromen“ des Wassers. Der für mich mildeste und geschmacklich neutralste Wodka ist der Skyy Wodka. Für mich nur noch der und ich habe wahrlich die gängigsten Marken alle durch.

  3. Three-Sixty ist bisher mein absoluter Favorit, noch vor Absolut. Der ist zwar auch gut, aber die Tatsache dass er nur 37,5% hat macht ihn pur einfach genießbarer. Außerdem ist die Flasche einfach extrem schön.

  4. Ich komme aus Polen und mir wurde sozusagen der Wodka mit in die Wiege gelegt. In Deutschland bevorzuge ich Threesixty sowie den Absolut. Aber sobald ich mal in Polen zu Besuch bin, kaufe ich hauptsächlich Finlandia oder die polnischen Marken „Dębowa“ und „Pan Tadeusz“. Wenn ich Glück habe gönne ich mir auch „Belvedere“ aber nur wenn dieser im Angebot ist, da er auch für polnische Verhältnisse sehr teuer ist.

  5. Ich bevorzuge Skyy Vodka und Three Sixty wobei Smirnoff und Danzka Vodka auch zu meinen Favoriten gehören.
    Aber mal genug von Vodka, welchen Whisky bevorzugt ihr? Ich mag eher Jim Beam & Jack Daniels andere Sorten hab ich noch nicht so viele probiert.

  6. Absolut von den getesteten. Aber ich bevorzuge wenn überhaupt vodka 5 lakes z.b Edeka/ real Ein schöner reiner russischer vodka auch zum mixen. Und für 12€ nicht zu teuer

  7. Ich kannte bis jetzt eigentlich nur Absolut und Gorbatschow Wodka, doch eine Freundin hat mir vor ein paar Tagen Grasovka aus Polen mitgebracht. Ich fand den Geschmack wirklich hervorragend und kann ihn nur empfehlen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*