Mal Hand aufs Herz: Wer von euch hatte in der Silvesternacht einen Drink mit Mezcal im Glas?

Ich vermute sehr wenige.

Denn allen Initiativen von Herstellern, Importeuren und Bartendern zum Trotz scheint die Agavenspirituose aus Mexiko noch nicht ganz im Bewusstsein der Genießer hierzulande angekommen zu sein. Der Mezcal ist ein Exot, den man vielleicht mal in einer guten Bar auf Empfehlung des Bartenders mit im Cocktail hat, aber niemand mit dem man zuhause eine Party bestreitet.

Ein Cocktail, der nach Kuhfladen müffelt

Ich persönlich habe gestern einen Mezcal-Cocktail gemixt. Nichts großes, einfach den Del Maguey Vida mit etwas Zitronensaft und Ginger Ale auf Eis. Es ist schon unglaublich, wie stark der Rauchgeschmack des Mezcals durch den Drink durchkommt. Ich habe meinen Bruder raten lassen und er hat spontan die ganze Palette der Islay-Whiskys von Ardbeg bis Laphroaig als Urheber im Verdacht gehabt. Aber nichts da: Mezcal schmökert auch gut ab, aber hallo!

Schweißtreibende Arbeit: Agavenernte in Mexiko für Del Maguey Mezcals

Da ist aber noch eine andere Note im Del Maguey Mezal: Er müffelt ziemlich nach Kuhfladen und Landluft. Eine wirklich strenge ländliche Note zieht sich durch die Spirituose. Man hat das Gefühl, dass gerade ein Gülle-Traktor durchs Wohnzimmer gefahren ist. Das kam nicht bei allen Partygästen gut an. Mancher fühlt sich bei einem klassischen Bourbon-Cocktail wohler in der Haut.

Ich fand trotzdem, dass der Drink etwas hatte: Nämlich Charakter. Wo andere Spirituosen vor allem darauf abzielen, möglichst angenehm, mild, ja unauffällig zu sein, tritt der Del Maguey bewusst mit einer strengen, unangepassten Note an. Und weist deshalb und natürlich wegen seiner rauchigen Note eine erstaunliche Nähe zu torfigen Scotch Whiskys auf.

Ein Bio-Mezcal aus der Single Village Edition

Das ist vor allem deshalb interessant, weil bei der Herstellung des Bio-Mezcals überhaupt kein Torf zum Einsatz kommt. Dennoch sorgen 3-8 Tage Röstung im Lehmofen, sowie 6-8 Tage Fermentierung und die angeblich besonders langsame, zweifache Destillation in Kupferbrennblasen für den einprägsamen Geschmack. In unserem Einsteiger-Guide wird ausführlich erklärt, wie so eine typische Mezcal-Herstellung abläuft.

Bei der Herstellung des Del Maguey Vida ist viel traditionelle Arbeit im Spiel (Foto: Del Maguey)

Für den Del Maguey Vida wird die Agavenart Angustifolia verwendet, welche auch als Espadin bezeichnet wird. Sie ist zugleich die am häufigsten verwendete Agaven-Sorte, da sie leichter anzubauen und zu ernten ist, als etwa wilde Agavenarten. Zuletzt hatten wir den Mezcal Atenco im Glas, welcher ebenfalls aus der Espadin-Agave destilliert wird, allerdings milder als der Vida ist.

Der Vida stammt aus dem kleinen Ort San Luis del Rio und ist Teil der Single Village-Serie von Del Maguey. So stammt jeder Mezcal aus einem anderen mexikanischen Dorf und wird von einem anderen Produzenten handwerklich hergestellt.

Es handelt sich bei Del Maguey also eher um eine Dachmarke, unter deren Label ganz unterschiedliche hochwertige Mezcals ein Zuhause gefunden haben. Der Vida ist dabei die Einsteiger-Qualität und soll sich besonders gut für Mezcal-Cocktails eignen.

Die Single Village-Serie von Del Maguey mit farbenfrohen Etiketten

„Muuuuuahhh!“, oh ich höre ihn schon wieder. Der Del Maguey scharrt auf dem Boden und will jetzt endlich pur verkostet werden. Deshalb Stall auf und raus aufs Feld:

Unsere Verkostung des Del Maguey Vida Mezcals

Wie riecht er?

Ein ländlicher, strenger Geruch steigt aus dem Glas empor. Puuh, erst mal tief durchatmen…oder doch besser die Nase zuhalten? Die pikante Kuhfladen-Note geht in die nicht minder pikante Mischung aus zerlassenem Speck und Zwiebeln über. Ein Bauernfrühstück erster Güte. Salzig, erdig und mit vegetalen Noten, die immer wieder die Herkunft dieser Spirituose aus der Agavenpflanze erahnen lassen. Mit aschig-schweflig-kohligen Aromen rauscht der Del Maguey Mezcal ab. Ein starker Auftakt!

Wie schmeckt er?

Rauchig und kohlig geht es auch im Geschmack weiter. Die erdigen Noten von Lehm mischen sich erneut mit dem Geschmack einer deftigen Zwiebel-Speck-Pfanne. Ein pikanter Mezcal, der immer wieder neue Assoziationen zulässt. So schmecken wir beim Tasting nach einer Weile einmal helle Früchte wie Mandarinen, dann wieder scheint Sandelholz auf der Zunge aufzutauchen. Nur die rauchige, strenge, ländliche Note ist immer da und zieht sich durch den Del Maguey Mezcal, der aromatisch so manche Überraschung bereithält.

1 Kommentar

  1. Ich hatte den Del Maguey Vida erst letzte Woche selbst im Glas. War mein erster Mezcal überhaupt. Und ich muss auch sagen, dass er mich sofort an einen Torfigen von Islay erinnert hat. Ich war echt begeistert und spiele mit dem Gedanken, mir diese Flasche selbst zuzulegen. Allerdings: „Kuhfladen“ kam mir nicht in den Sinn 😉

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