In den Honigtopf gefallen: Dalwhinnie 15 Jahre im Test

Während unserer Whiskyreise durch die schottischen Highlands tauchte es plötzlich auf: Das Destillerie-Emblem von Dalwhinnie. Ein kurzes Kommando des Beifahrers, der Blinker war gesetzt und ehe wir uns versahen, standen wir frisch geparkt auf dem Besucherparkplatz der Destillerie.

Acht Euro pro Person kostet die Führung mit einem Dram und Glas zum Mitnehmen. Doch unter Angabe unserer Mailadresse konnten wir vor Ort dem Diageo-Club „Friends of Classic Malt“ beitreten. Man kann damit nicht nur bei Dalwhinnie sondern auch in elf weiteren Destillerien eine gratis Tour machen.

Eine Tour durch die Dalwhinnie-Distillery am Rande der Highlands

Während unserer Standardführung bekamen wir den Herstellungsprozess erläutert, sowie die Anlagen mit Maischbottich, Gärbottichen und den beiden Wash- und Spirit-Stills sowie ein Show-Warehouse mit ausgedienten Fässern gezeigt. Vor Ort können rund 5000 Fässer gelagert werden – das ist nicht mal eine Jahresproduktion der Destillerie (rund 2,2 Mio Liter). Der Großteil des Lagerungsprozesses findet deshalb zentral an einem anderen Ort statt. Am Ende der Führung wird das obligatorische Dram des Dalwhinnie 15 Jahre ausgeschenkt, welcher das Hauptprodukt der Destillerie ist. Interessanterweise wird der Whisky von Dalwhinnie kaum für die Produktion von Blends eingesetzt.

Die Führerin Deborah gab sich große Mühe unsere Fragen zu beantworten. Wir haben ihr dann auch ziemlich Löcher in den Bauch gefragt und uns auch Details zu den Abläufen genau erklären lassen. Allzu kritischen Fragen wurde hin und wieder ausgewichen bzw. erhielten wir eine Antwort, die nicht wirklich zur Frage passte.

Wichtige Erkenntnisse der Führung:

  • Die Gärbottiche sind nur deswegen aus Holz, weil das für die Touristen schöner aussieht. Die Maische gärt für etwa zweieinhalb Tage darin, was laut Dalwhinnie zu besonders süßen Aromen im Whisky führen soll.
  • Andere Destillerien wie die Islay-Brennerei Lagavulin lassen die Maische dreieinhalb Tage ziehen, um tiefere und rauere Aromen hervorzukitzeln. Anhand des Geruchs der Maische kann der Brennmeister wohl erkennen, ob das Brennen eingeleitet werden kann – sofern er das nicht ohnehin aus Erfahrung oder dem Brennereiplan weiß.
  • Dalwhinnie lagert seinen Whisky in Ex-Bourbon-Fässern, die immer wieder eingesetzt werden. Eine Begrenzung gibt es hierfür nicht. Die Fässer werden verwendet, bis sie sprichwörtlich auseinanderfallen.
  • Hat man seinen obligatorischen Mini-Dram aus „versehen“ verschluckt, bekommt man, auch wenn man seinen Charme spielen lässt, leider keinen Nachschub. Ein weiteres Dram kostet 5,50 Pfund. Und sowas unter Freunden des klassischen Malts!
Dalwhinnie 15 Jahre mit Geschenkkarton (Foto: Amazon)

Unser Tasting des Dalwhinnie 15 Jahre

Wie riecht er?

Sofort hängt der Geruch von Honig in unserer Nase. Insgesamt ist der Duft sehr hell und blumig. Ein leichter Schuss Zitrone kommt hinzu. Von seinem Stil erinnert der Dalwhinnie 15 an milde Lowland-Whiskys.

Wie schmeckt er?

Der erste Schluck ist überraschend alkoholisch scharf. Dies liegt wohl am erhöhten Alkoholgehalt von 43 Prozent. Hinter der Schärfe verbirgt sich wieder der Honig und viel Süße. Das Aufschließen mit ein paar Tropfen Wasser bewirkt (kleine) Wunder: Dalwhinnie 15 kitzelt jetzt mehr, das Aroma von Bio-Zitronen liegt uns auf der Zunge. Ergänzt wird die Zitrusparty von einem nussigem Aroma (Erdnuss) und einer leicht malzigen Note.

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Dalwhinnie 15 Jahre
Gestaltung & Story60
Geruch70
Geschmack70
Preis-Leistung80
70
Harmlos
Fazit
Der Dalwhinnie 15 ist gemessen an seinem Alter kein besonders komplexer Whisky. Was hat der Gute in den letzten 15 Jahren nur getrieben? Viel vom Fass hat er jedenfalls nicht mitbekommen… Ein insgesamt solider Malt, der seine Fans sicherlich bei den Freunden von süßen und lieblichen Whiskys im Stil der Lowlands findet. Glücklicherweise müssen diese für ihren Genuss nicht zu tief in die Tasche greifen: Nur rund 30 Euro kostet eine Flasche.

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