Whisky

Veröffentlicht am 8. Oktober 2015 | Foto: Alkoblog

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Holziger Hirsch: Dalmore 15 Jahre im Test

Der Dalmore 15 Jahre ist ein gemütlicher Whisky, den man schon beim Auspacken der Flasche auf eine Weise ins Herz schließt. Ob dies nun an der simplen und daher auch sehr eingängigen Geschichte mit König Alexander III und dem wildgewordenen Hirsch liegt, welche die Grundlage für das auffällige (royale) Hirschgeweih auf den Abfüllungen legt? Oder ist es nur der kalte und regnerische Oktobertag in Berlin und die Sehnsucht nach einem wärmenden Dram auf dem gemütlichen Sofa? Ich weiß es nicht genau. Jedoch strahlen die Dalmore Abfüllungen für mich eine besondere und erhabene Aura aus. Insofern kann ich Mark vom gern gelesenen Malt Review Blog für seine Vorliebe für Dalmore gut verstehen. Aber nun ab auf’s Sofa, zu den Fakten und zum Tasting.

Ausgefeiltes Finish in drei verschiedenen Sherryfässern

Der große Clou des Dalmore 15 Jahre (40%) ist sein ausgefeiltes Finishing in ehemaligen Sherryfässern. Allerdings erst nachdem er 12 Jahre Lagerung in Bourbon-Fässern hinter sich gebracht hat. Die Lagerung beziehungsweise das Finishing von Whisky in alten Sherryfässern ist an und für sich nichts Besonderes. Dennoch ist es ein bemerkenswerter Umstand, dass die Wahl für das Finish des Dalmore 15 Jahre auf Amoroso-, Apostoles- und Matusalem-Sherryfässer fiel. Dies ist nämlich zumindest mal etwas anderes als die üblichen Verdächtigen (Oloroso- und Pedro Ximenez-Fässer), die sich Master Distiller Richard Paterson hier ausgesucht hat. Da ich ein großer Freund von unterschiedlichen und spannenden Whisky-Finishings bin und gerade die große Geschmacksbandbreite den Whiskygenuss ausmacht, freue ich mich jetzt (nun aber wirklich) umso mehr auf ein schönes Dram mit Geweih aus den schottischen Highlands.

Dalmore 15 Jahre im Tasting

Wie riecht er?

Gleich zu Beginn ist ein tiefer würziger Sherrygeruch wahrnehmbar, den man gar nicht verpassen kann.  Dann Weihnachtsgebäck, Spekulatius und Karamell bevor es mit Orangenmarmelade, Mandarine und Rosine etwas herb fruchtig wird. Anschließend ist helles lackiertes Holz zu riechen. Insgesamt ein sehr „glatter“ Geruch wie „frisch gewaschen und gebügelt“.  Ein Dram bei dem es sich lohnt sich Zeit zu nehmen und zu genießen. Später kommen noch eine Idee Ginger Ale, Karamellpudding sowie nussige Röstaromen von Haselnüssen hinzu. Im Geruch eine feine Geschichte!

Wie schmeckt er?

Blumig süßlich, seidig und weich rutscht der Dalmore 15 über die Zunge, nicht ohne jedoch einige Spuren zu hinterlassen. Kräftiges Holz und röstige Aromen aber auch wenig Frucht für einen Whisky mit Sherry-Finish sind zu schmecken. Viel Sherry macht nicht automatisch viel Frucht, wie ich schon beim Auchentoshan Three Wood erfahren habe.  Nur Rosinen, grüne Feigen, Birne und etwas Ingwer fließen beim Dalmore 15 vorbei, anschließend kommt recht schnell ein dominanter und satter Holz-, Erd- und Kohlegeschmack durch. Herzlich Willkommen beim Grillfest! Auch hier lohnt es sich dem Whisky die Zeit zu geben die er braucht, um alle Aromen zu entdecken. Den letzten Kick gibt einem der Dalmore 15 Jahre mit einer leicht pfeffrigen und dunklen Schokoladennote mit Zimt im langen Abgang auf den Weg.

Definitiv ein sehr ernster Herrenwhisky, der so schmeckt wie die holzgetäfelte Bibliothek im Herrenhaus riecht. Was schon beim Tasting des Dalmore 12 Jahre auffiel, bestätigt sich auch hier: Die Abfüllungen legen wenig Wert auf Körper und haben einen starken Fokus auf der Holzkomponente, herberen Aromen und dem Finish.

Wir danken unserem Tasting-Partner, dem Weisshaus-Shop, für die Zusendung des Dalmore 15 Jahre.

Alkoblog.de Whisky-Test: The Dalmore 15 Jahre

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Samuel: Dalmore 15 Jahre: Ein Dram wie ein Herrenhaus im Winter. Mit seinem gemütlichen Duft nach Weihnachten und Holz fängt er einen direkt ein. Im Geschmack dann erstaunlich wenig Frucht, wenig Körper und viel herbe Holzaromen. Ein "Herren-"Whisky den man mag oder eben nicht und der Zeit braucht, um seine eigene Komplexität zu entfalten, wie ein Großvater seine Lebensgeschichte.

4.2



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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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