„Da vorne, da vorne musst du abbiegen!“ rufe ich noch bevor wir mit quietschenden Reifen um die Kurve biegen und eine dichte Staubwolke auf der einsamen Landstraße hinterlassen. Spontan haben wir uns auf unserer Schottland-Reise entschlossen die auf dem Weg in die Highlands liegende Cragganmore-Destillerie zu besuchen. Doch wir sind spät dran und alle Eile mit unserem grau-silbernen Mietwagen durch die grünen Hügel der Speyside ist vergebens, das schmiedeeiserne Tor der Destillerie ist bereits fest verschlossen: „No more Whisky-Tours for today!“

Schade, das wäre sicher eine spannende neue Whiskytour geworden. Zum  Trost bleibt uns glücklicherweise zurück in Deutschland noch der Single Malt zur Verkostung. Die Meinungen zum Cragganmore 12 liegen so weit auseinander wie die Speyside von der Isle of Skye. Einige wie zum Beispiel Jason’s Scotch Review,  sehen im zwölfjährigen von Cragganmore einen der komplexesten Speyside-Single Malts überhaupt.  Andere wie zum Beispiel die Jungs von Connosr.com taufen ihn kurzerhand auf den wenig schmeichelhaften Namen „Cragganbore“ um. Höchste Zeit also für das Alkoblog-Team mit der Machete wieder für einen klaren Durchblick im Gerstenfeld zu sorgen.

Unser Tasting des Cragganmore 12 Jahre

Wie riecht er?

Eines wird uns beim Nosing des Cragganmore 12 sehr schnell klar: diese Abfüllung ist voller kleiner feiner Nuancen. Neben klassischen fruchtigen Aromen der Speyside wie Apfel, Birne und auch Pfirsich wird unsere Entdeckerfreude mit spannenden und ungewöhnlichen Düften bei diesem Whisky geweckt. So sind wachsartige Aromen die uns an Handcreme mit Blütenaromen (Ringelblume) und Duftkerzen erinnern, aber auch Anklänge von krossen Bratkartoffeln, heißem Pflanzenöl und nasse Putzhandschuhe zu entdecken. Ein ungewöhnlicher Malt-Geruch, mit gewöhnungsbedürftigen Tendenzen.

Wie schmeckt er?

Für uns sehr erstaunlich schmeckt der Cragganmore 12 völlig anders als er es vom Geruch hätte erahnen lassen.  Die tendenziell süßen fruchtigen Aromen aus der Nase, beziehungsweise der typische Geruch von eher jungem Whisky, machen hier anderen Aromen Platz.

Schnell werden durch den grasigen und erdigen Geschmack Assoziationen zu einem ausgedörrten, staubigen und gemähten Weizenfeld wach. Aber auch deutliche dunklere Aromen entfalten sich vor uns wie eine große schottische Landkarte. Wir schmecken Schuhcreme und Zeitungspapier sowie dunkle Schokolade mit minzigen Einschlüssen die uns an After Eight erinner. Oder ist das der Alkohol? Im Mittelteil brennt dieser Whisky etwas im Mund und das Eichenholzfass ist zu schmecken.

Insgesamt gibt der Cragganmore 12 ein junges und eher flaches Gesamtbild ab. Wer ungewöhnliche Aromen abseits des Mainstreams sucht, liegt mit dem Cragganmore vermutlich richtig. Andere finden ihn einfach nur unspannend.

Wir danken dem Weisshaus Shop für die Zusendung des Cragganmore 12.

Cragganmore 12 Jahre
Gestaltung & Story68
Geruch82
Geschmack70
Preis-Leistung74
74
Fazit
Dumpf und kompromisslos rumpelt der Cragganmore wie auf einer staubigen Schotterpiste durch den Mund. Durch seine dunkle Aromenwelt ist er für uns leider nicht so sehr zugänglich. Das spannende an ihm sind die Aromen abseits des Mainstreams, die man jedoch mögen muss. Dieser Single Malt ist kein ständiger Begleiter sondern eher wie ein alter guter Freund, den man nicht alle Tage sieht. Wir würden ihn an regnerischen Tagen trinken, wenn man ohnehin gerade seine Steuererklärung machen muss. Ernst und kompromisslos.

2 Kommentare

  1. Wir schmecken Schuhcreme und Zeitungspapier…

    Die Essgewohnheiten des Autors mögen diesen Vergleich womöglich rechtfertigen, aber dem Großteil der Leserschaft dürften diese Assoziationen wenig hilfreich sein.

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