Whisky

Veröffentlicht am 7. November 2014 | Windige Insel: Islay im Jahr 1997 | Foto: ht / flickr

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Rumpeliger Seemann: Classic of Islay 2014 (Lagavulin) im Test

Ein Besuch in der Kreuzberger Franzotti-Bar brachte die spannende Möglichkeit mit sich, den Classic of Islay von 2014 zu verkosten. Jeden Donnerstag schenkt der Barkeeper im Rahmen des „Speakeasy Specials“ nämlich eine ausgewählte Spirituose gratis aus (vorausgesetzt man bestellt einen anderen Drink dazu). Und letztens war eben der Classic of Islay des unabhängigen Abfüllers und Whisky-Sammlers Jack Wieber an der Reihe.

Gerüchten zufolge soll sich in der Flasche ein Lagavulin befinden. Eine offizielle Bestätigung der Destillerie gibt es hierzu, wie bei unabhängigen Abfüllungen üblich, natürlich nicht. Dafür scheinen wir mit der Nummer 666 ein „teuflisches“ Fass erwischt zu haben. Wir sind gespannt, ob uns dieser Malt vom Barhocker fegt und ob sich die typischen Charakteristiken von Lagavulin  auch in Jack Wiebers Flasche wiederfinden.

Unser Tasting des Classic of Islay 2014

Wie riecht er?

Aufgepasst, dieser Malt hats in sich! Intensiv rauchig und torfig schießt er uns in die Nase. Wir riechen verbranntes Holz und Grillfeuer. Dann setzen sich säuerliche Aromen wie von Wein durch. Dunkle Noten prägen den Mittelteil, wir erkennen Rosinen und andere Trockenfrüchte. Vergoren, modrig und schwer liegt der Classic of Islay in der Luft: Ein Geruch nach Abgasen und nach öliger Schnitzelpanade. Spannend, aber sehr speziell.

Wie schmeckt er?

Hatten wir schon den Alkoholgehalt von 54,5 % erwähnt? Der Alkohol schlägt dann auch voll zu. Intensiv und schwer liegt Jack Wiebers „Höllenwhisky“ auf der Zunge. Wir schmecken Räucherspeck und in Öl gebratene Tomaten. Ja Teufel, das ist ein Full Scottish Breakfast! Fettig und pikant gleitet der Malt durch die Kehle. Der Alkohol ist auf Dauer aber recht betäubend, deshalb unbedingt mit Wasser aufschließen.

Aufschließen ist ein Muss

Wir geben einige Tropfen Wasser ins Glas: Der Geruch des Classic of Islay 2014 wird jetzt weicher, die Torfnote kitzelt fast schon charmant in der Nase. Dazu wird uns ein Stück geräucherte Honigmelone gereicht. Lässt man ihn weiter atmen, setzt sich ein öliger Geruch nach Frittenfett und nach schwerem, nuttigem Parfüm durch. Beim Geschmack ist der Single Malt immer noch voll und wuchtig. Wie ein betrunkener Seemann schwankt er hin und her, rumpelt seine Aromen raus. Medizinisch nach Jod und nach Bockwurstwasser schmeckt der Classic of Islay nun. Insgesamt aber auch sehr kantig und etwas unrund im Geschmack. Dennoch eine äußerst spannende Kombination und definitiv eine ordentliche Portion Lagavulin-Aromen mit drin.

Alkoblog.de Whisky-Test: Classic of Islay 2014

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Dieser Whisky ist Arbeit! Jeder Schluck will verdient werden, so wuchtig ist dieser Whisky. Auf der Kehrseite wirkt der Classic of Islay 2014 aber auch etwas unrund. Für rund 40 Euro wird ein wilder Ritt durch die Insel-Aromen geboten. Die Preis-Leistung ist fair, auch wenn der Malt nicht ganz unser Fall ist.

3.5



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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