Whisky

Veröffentlicht am 23. Januar 2017 | Foto: Alkoblog

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Auf Nummer sicher: Chivas Regal 18 Jahre Blended Scotch im Test

Geht ihr auch manchmal „auf Nummer sicher“?

Ich zuletzt an Weihnachten. Ein Geschenk für die Schwiegermutter musste her. Nur, was schenkt man jemandem, der schon alles hat?

Wer jetzt denkt „einen Whisky“, der liegt leider falsch. Während man dem Schwiegervater natürlich ohne mit der Wimper zu zucken eine gute Flasche Scotch oder einen feinen Rum überreichen kann, will das Schenken von Alkohol an Frauen in unserer Gesellschaft wohl überlegt sein. Wie leicht liegt man daneben und die Dame fühlt sich vielleicht zu Unrecht in die „Hausfrau trinkt gerne“-Ecke geschoben. Oder aber der gute Tropfen mundet gleich gar nicht, ist zu scharf, zu unruhig, zu rauchig…

Nein, wer seiner Schwiegermutter ungefragt einen Scotch Whisky schenkt, der muss schon starke Nerven haben (außer natürlich sie ist bekennender Whisky-Fan, trägt gerne Ardbeg-T-Shirts und ist auf jeder Whisky-Messe dabei).

Am Ende ist es bei mir einfach ein Set aus edlem Olivenöl und feinem Himbeeressig geworden. Man kann sich beides über den Salat gießen und vermutlich schmeckt es sogar ganz gut. Es war die berühmt-berüchtigte „Nummer sicher“.

Die Strathisla-Destillerie in den Highlands: Hier wird einer der wichtigsten Whiskys für Chivas Regal hergestellt (Foto: tinu77 / flickr.com)

Ein Chivas im Regal ist eine sichere Bank

Auch in Whisky-Kreisen gibt es Abfüllungen, die eindeutig in die Kategorie „Nummer sicher“ fallen. Da wären die Blends: Wer keine Überraschungen erleben möchte, der ist hier meistens ganz gut aufgehoben. Beim Blend vertraue ich einer starken Marke, die mit ihrem Namen für eine konstante Qualität steht. Das ist das Geschäft von Johnnie Walker, Famous Grouse und Chivas Regal. Wer den Nervenkitzel sucht, wird vielleicht eher zu einer Single Cask-Abfüllung greifen. Man kann dabei Glück haben oder auf die Nase fallen. Beim Blend dagegen weiß ich vorher schon, was mich erwartet – zumindest wenn ich ihn schon mal verkostet habe.

Genau das wollen wir mit dem älteren Bruder des Chivas Regal 12 Jahre jetzt tun und sind gespannt, was ein Blend aus mindestens 18 Jahre alten Malts (und dem üblichen Grain Whisky) so alles kann:

Unser Tasting des Chivas Regal 18 Jahre

Wie riecht er?

Besonders spannend ist das Nosing, wenn man den Chivas Regal 12 Jahre kennt. Denn obwohl für den 18er andere Single Malts verwendet werden, merkt man sofort, dass die beiden Blends aus demselben Stall kommen. Weich und süß zieht uns der Duft in die Nase. Stärker ausgeprägt sind aber die fruchtigen Noten, die uns spontan an Speyside-Whiskys erinnern. Wir riechen Birne und Apfel, aber auch Zwetschgen. Honig und Marzipan markieren den Übergang zu den nussigen Noten. In Sirup getränkte Früchte auf feuchtem Waldboden. Wer seine Nase zu lange in die Mischung hält, setzt sich aber der Gefahr akuter Verklebungen seines Riechkolbens aus – der Chivas Regal 18 ist einfach ein unverschämt süßer Geselle.

Wie schmeckt er?

„Ach, wie nett“, ist unser erster Gedanke, als wir den Blend kurz darauf im Mund haben. Ausgewogen, weich und lieblich schleicht sich der Chivas 18 durch den Mund. Frei nach der Devise: Will keinem weh tun und nicht auffallen. Aber so leicht kommt er uns nicht davon. Wir verkosten nach und können doch noch etwas tiefer in die süße Aromenwelt dieses Blends eintauchen. Wir schmecken Buttertoffee und Sahne, dazu schwere Dessertcremés. Im Mittelteil überwiegt dieser gediegene Part, ohne allerdings weitere Tiefe zu entwickeln. Der Whisky bleibt mild, aber auch seltsam schwunglos. Der eher kurze Abgang hält zwar noch einen kleinen Schub Rauch bereit, lässt uns ansonsten aber ratlos zurück. Für unseren Geschmack passiert im Mund zu wenig, der Chivas Regal 18 ist ausdruckslos und entfaltet keinen eigenen Charakter. Nett zu trinken, aber mehr auch nicht…

   Chivas Regal 18 Jahre hier bestellen

Alkoblog.de Whisky-Test: Chivas Regal 18

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Gibt es einen Award für den schnarchigsten Whisky? Der Chivas Regal 18 Jahre hätte gute Chancen ihn zu gewinnen. Denn was hier in Nase und Mund passiert ist leider sehr vorhersehbar und uninspiriert. Wer es mild und lieblich mag und Dessertwhiskys schätzt, der kann sich natürlich an dem Scotch Blend versuchen. Alle anderen wird der 18-jährige Chivas - zumindest pur und nicht im Cocktail - doch ziemlich langweilen. Zum Preis von 50 Euro gibt es exquisite Single Malts, die deutlich mehr können als dieser "Nummer-sicher-Blend".

3.3



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One Response to Auf Nummer sicher: Chivas Regal 18 Jahre Blended Scotch im Test

  1. Peter says:

    Hatte ich mal gekauft. War für mich so farblos im Geschmack und hatte keine Öligkeit für das Alter. So kam mein Vater an ein kostenloses Exemplar von diesem Mischwhisky.

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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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