Wenn ich mich an meine ersten Tequila-Erfahrungen erinnere, dann wurde dieser stets mit einer bestimmten Zeremonie getrunken: Erst Salz lecken, dann trinken und anschließend in eine Zitrone (oder Limette) beißen. Warum eigentlich? Vermutlich, um von dem meist ziemlich streng, scharf und nicht besonders lecker schmeckenden Tequila nicht allzuviel schmecken zu müssen.

Dennoch spannend, dass sich gerade um das Trinken von Tequila in Deutschland so ein Ritus gebildet hat. In Mexiko, dem Herkunftsland von Tequila, ist diese  Trinkvariante tatsächlich weitestgehend unbekannt und erntet eher nur Verständnislosigkeit. Wir Deutschen würden aber wohl auch nicht schlecht gucken, wenn ein Mexikaner auf die Idee käme, den guten Deutschen Doppelkorn beispielsweise ausschießlich mit Spreewaldgurke zu sich zu nehmen.

Ganz ohne Tricks: Tequila für den Genuss

Was oft vergessen wird ist, dass Tequila durchaus nicht nur für den schnellen Kick und Konsum produziert wird. Ganz im Gegenteil werden sogar sehr erlesene Tequilas oder Mezcals hergestellt, welche durchaus vor der Abfüllung eine gewisse Fasslagerung erfahren und so runder und ausgefeilter im Geschmack werden. Zwar ist die Fasslagerung beim Tequila bei weitem nicht so ausgefeilt, wie das Whisky-Fassmanagement, aber es gibt durchaus auch hier ein großes Qualitätsbewusstsein.

Was dem Whisky die Gerste, ist dem Tequila die blaue Weber-Agave. Nur aus dieser zu der Familie der Spargelgewächse gehörenden Pflanze darf Tequila überhaupt hergestellt werden. Dabei ist, um beim Whisky-Vergleich zu bleiben, deutlich mehr Geduld gefragt. Im Durchschnitt braucht die Pflanze schon mal acht bis neun Jahre, um zu reifen und geerntet werden zu können.

Casa Noble Tequila vom Latin Rocker

Seit dem Jahr 2011 ist der bekannte US-Girarrist Carlos Santana bei der Traditionsmarke Casa Noble Tequila engagiert, welcher aus seiner ursprünglichen Heimat, dem mexikanischen Bundesstaat Jalisco stammt. Im PR-Sprech wird dies sowohl mit den gemeinsamen Wurzeln, aber auch mit dem Faible in dem Streben nach Perfektion begründet. Genau dies wollen wir im Tasting nun auf die Probe stellen.

Drei Premium-Tequilas von Casa Noble im Tasting

Crystal Tequila im Test

Wie der Name schon erahnen lässt, handelt es sich beim Casa Noble Crystal um einen klaren Tequila. Eine Fasslagerung wurde nicht durchgeführt, mit einer dreifachen Destillation sollte der Geschmack im besten Fall dennoch weich und rund sein. In der Nase ist deutlich der Alkohol wahrnehmbar, der jedoch nicht sticht und etwas  Fruchtigkeit wie Apfel wie man ihn von auch von jungem Whisky kennt, enthüllt. Aber auch Leder und erdige Noten lassen sich finden. Auch im Mund durchaus gefällig und weich. Würzigkeit und Fruchtigkeit kommen hervor. Im ersten Moment denke ich an würzigen Zimt mit etwas Apfel. Ein kerniger Geschmack, durchaus auch deutlich alkoholisch. Ein angenehmer Nachhall wie Apfelkuchen mit leicht würzigem Pfeffereinschlag.

Reposado Tequila im Test

Im Gegensatz zum jungfräulichen Crystal, durfte der Casa Noble Reposado immerhin schon 364 Tage in französischen Weisseichefässern schlummern. Prompt ist auch der Duft deutlich voluminöser und cremiger. Helles Zuckerkaramell sowie holzige Nussigkeit sind riechbar, aber auch würzige Noten wie Estragon, grüne Oliven und eingelegte Weinblätter. Geschmacklich ist der Holzeinschlag deutlich spürbar, der Tequila hat an Struktur und Würzigkeit gewonnen. Cremige Vanille, Karamell und getrocknete Früchte wie Aprikosen und Feigen ergänzen den Geschmack.

Anejo Tequila im Test

Der dritte im Bunde ist der Casa Noble Anejo, welcher mit einer Lagerzeit von zwei Jahren Weisseichenfass in die Flasche kommt. Der Geruch ist nun schon fast zurückhaltend und gesetzt, die jugendliche Fruchtigkeit ist einem dominanterem Holzcharakter und einer cremigen Süße gewichen. Ich rieche Crème brûlée, dunkle Weintrauben, Kirschen und Pflaumenmarmelade. Durchaus ansprechend. Im Mund nochmal voller als die beiden vorgenannten Tequilas, ein deutliches Upgrade. Das würzige Holz ist deutlich dominanter. Dazu kräftige ledrigen Noten und Zimt. Die Fruchtnoten sind nun durchgereift ich schmecke Trockenpflaume, getrocknete Aprikosen und Kirschen. Im Nachklang bleibt ein angenehm würzig-fruchtiger Geschmack zurück. Klar der beste der drei Tequilas im Test.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*