Rum

Veröffentlicht am 3. April 2016 | Foto: Alkoblog

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Heiliges Kanonenrohr: Captain Morgan White Rum im Test

Zielstrebig schreite ich an die Bar meines All-inclusive-Hotels im türkischen Badeort Side. Heute ist er fällig. Ich lege meine Hände auf die Theke, sodass der bulllige Bartender mein blaues Armband sehen kann und sage nur ein Wort, wobei ich mir wie ein Matrose der Royal Navy vorkomme:

„Rum bitte!“

Beklemmendes Schweigen.

„Rum? Einfach nur Rum?“, folgt die verunsicherte Frage.

„Ja, klar einmal den Captain Morgan White Rum!“, erwidere ich.

Er fixiert mich mit seinen Augen während er ein Glas und die Flasche auf die Theke stellt. Widerwillig gießt er mir zwei Finger ins Glas.

„Noch mehr?“, fragt er und sieht mich herausfordernd an. Dann schiebt er spöttisch hinterher:

„Willst du dir damit die Zähne putzen?“

Es ist klar: Dieses Tasting wird kein Piraten-Kindergeburtstag, sondern eine kleine Herausforderung.

Klar ist dem erfahrenen Rum-Trinker schon beim ersten Blick auf die klare Flüssigkeit in der Flasche, dass es sich beim Captain Morgan White um einen ungelagerten Rum handelt. Ziemlich direkt nach dem Brennen der Zuckerrohrmelasse setzt White Rum die Segel in Richtung Flasche. Auch ein Aromatisieren des Rums, wie zum Beispiel beim Captain Morgan Spiced Gold wird nicht vorgenommen.

Captain Morgan: Eine Rum-Mischung aus der Karibik

Für den Captain Morgan White werden Rums aus verschiedenen Ecken der Karibik verwendet und miteinander vermischt.  Eine klare Herkunftsbezeichnung wird nicht geliefert. Frisch und sauber mit einem leicht süßen Nachgeschmack soll er sein und perfekt für die Mischung mit Cola oder als Mojito. Ich wage nun das pure Tasting.

Unser Tasting des Captain Morgan White Rum

Wie riecht er?

Im Geruch steigt der Captain Morgan White Rum neutral und leicht süßlich ein. Anklänge von Desinfektionsmittel im Duft verraten den klaren alkoholischen Charakter der Spirituose. Auch die Assoziation von Schwimmbad und nasser Badehose kommt mir. Leicht fruchtig wird es mit dem Geruch von matschiger Banane und Zitrusaromen. In der Nase ist der White Rum von Captain Morgan nicht völlig unangenehm oder brennend. Aber das Aromenspektrum ist denkbar kurze Lunte und kein Spektakel.

Wie schmeckt er?

Wie die Südsee bei Windflaute, so ist auch der Captain Morgan White im Geschmack: Flach, nichtssagend und mit bitterem Nachgeschmack. Etwas Vanille ist neben Alkoholnoten vorhanden und immerhin brennt er nicht fies nach. Dennoch, der Captain ist im puren Tasting schon eine arg einseitige, neutrale Sache. Zum Ende geht der White Rum leicht säuerlich mit dem Geschmack von Kokosmilch, leichter Bananennote und schwarzem Pfeffer über Bord. Und ich bin um eine Erfahrung reicher.

Wie mischt man Captain Morgan White Rum?

Für puren Rum-Genuss ist der Captain Morgan White Rum nicht gemacht. Doch er schmeckt auch nicht so schlecht, als dass man ihn nicht in einem guten Cocktail verwenden könnte. Einer der stilvollsten Sommerdrinks überhaupt und einer der bekanntesten Rum-Cocktails ist der Mojito. Ein großes Plus des Mojitos ist, dass man keine umfangreiche Spirituosenbar braucht, um ihn einfach zuhause selbst zu mischen.

Blaues Meer, ein gutes Buch und ein Mojito. Was braucht man mehr? (Foto: saragoldsmith / flickr)

Blaues Meer, ein gutes Buch und ein Mojito. Was braucht man mehr? (Foto: saragoldsmith / flickr)

Mojito-Rezept mit weißem Captain Morgan

  • 50 ml Captain Morgan White Rum
  • 1 Spritzer Soda Wasser
  • 2 Teelöffel Zucker (wenn vorhanden Rohrzucker)
  • 2 Limettenspalten (zur Not geht auch Zitrone)
  • 2 Minzzweige
  • Eis (bzw. Crushed Eis)

So wird der Mojito gemixt

Die Limettenspalten zusammen mit dem Zucker in ein großes Cocktailglas geben und mit einem Stößel zerdrücken. Anschließend die Minzblätter hinzugeben und leicht zerdrücken, direkt danach kommt das Eis in das Glas. Nun wird die Mischung mit dem Rum aufgegossen und mit etwas Wasser verlängert und gut umgerührt, so dass sich alles gut vermischt. Zum Schluss wird das Glas mit Eis aufgefüllt und mit einem Minzzweig garniert serviert.

Alkoblog.de Rum-Test: Captain Morgan White Rum

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Samuel: Eines Vorweg: Der Captain Morgan White Rum ist kein großartiger Rum. Die Aromenpalette ist schwach, wenn auch nicht ganz ohne Überraschung und die Balance zwischen Würze und Süße stimmt nicht ganz. Im puren Tasting kommt vom Freibeuter zu wenig. Wer will kann ihn mischen (zum Beispiel in Mojitos, wo er ganz gut funktioniert). Wer nicht will, lässt die Finger davon. Der Preis von knapp über 10 € ist für Partygänger natürlich heiß.

2.4



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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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