Rum

Veröffentlicht am 23. Januar 2016 | Foto: Alkoblog

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Fluch der Karibik: Captain Morgan Spiced Gold im Test

Ein legendärer walisischer Freibeuter (der mit Captain Morgan Spiced Gold nichts am Hut hatte), ein vermeintlich altes karibisches Rezept und eine Marketingfigur, die auch aus einem Walt Disney-Film entliehen sein könnte. Fertig ist die Story für einen Spiced Rum, der mittlerweile zu den meistgetrunkenen Spirituosen weltweit gehört.

Unglaubliche 90 Million Liter des Captain Morgan Spiced Rum werden pro Jahr weltweit getrunken, was auch an dem großen Marketingaufwand liegt. Der markige Werbespruch „Got a little Captain in you?“ soll vor allem die junge, trink- und partyfreudige Klientel begeistern. Einmal feiern wie ein Pirat? Dieser Spiced Rum soll es möglich machen.

Was ist Spiced Rum überhaupt?

Spiced Rum ist ein einfacher Rum, der mit Gewürzen und Aromen versetzt wird, um den Geschmack nachträglich aufzupeppen. Normalerweise wird für Spiced Rum als Grundlage junger weißer Rum verwendet. Die Spirituose wird im günstigen Säulenbrennverfahren und in rauen Mengen aus Zuckerrohrmelasse hergestellt. Lediglich Rhum Agricole und Cachaça werden, im Unterschied zu Rum, aus Zuckerrohrsaft hergestellt.

Im Gegensatz zu normalem Rum, der durch die lange Lagerung in Holzfässern seine Aromen erhält, werden aromatisierte Rums nach der Destillation mit einer Mischung aus Kräutern, Gewürzen und Aromen versetzt. So passiert es auch beim Captain Morgan Spiced Gold, der danach für eine kurze Zeit (bis zu einem Jahr) in Eichenholzfässer kommt. Die schöne Farbe stammt allerdings wohl kaum von dieser Stippvisite im Fass. Ein guter Schuss Zuckerkulör / Karamellfarbe kommt zum Abschluss noch mit in die Flasche und sorgt für den kräftig braunen Farbton des Spiced Rums.

Sogar eine Spirituose mit Piraten-Image kennt gesetzliche Regelungen: Erst ab einem Alkoholanteil von 37,5% darf ein Rum sich auch so nennen. Liegt der Wert darunter, ist die Bezeichnung Spirituose oder Likör auf Rumbasis zutreffend. Captain Morgan hat einen Alkoholanteil von 35% und ist (so wie zum Beispiel auch Bacardi Oakheart) streng genommen kein richtiger Rum. Die Rum-Spirituose nennt sich deshalb auch lediglich „Spiced Gold“ – ein reiner Marketing-Begriff.

Captain Morgan Spiced Gold im Tasting

Wie riecht er?

Im Geruch tritt der Captain ziemlich ladylike aufs Deck. Cremig, süßlich und nichts zu spüren vom raubeinigem Freibeuter. Das dominante Aroma des Spiced Gold ist eindeutig Vanille. Die riecht allerdings mehr nach dem feuchten Vanille-Traum eines Lebensmitteltechnikers, als nach natürlicher Herkunft. Auch eine leichte salzig-seifige Note ist riechbar. Der prägnanten Vanille gelingt es allerdings nicht vollständig, den Duft des jungen Alkohols vollkommen zu maskieren. Nach etwas Standzeit im Tasting-Glas rieche ich Pressspannplatte und Pappkarton. Insgesamt ein flacher und unspannender Geruch.

Wie schmeckt er?

Im Antritt des Geschmacks wieder viel Süße und dominant die Vanille, die auch jetzt wieder künstlich und aufgesetzt wirkt. Sonst kommt wenig an Aromen. Im Abgang ist Captain Morgan Spiced Gold sehr flach und von bitteren Alkoholnoten geprägt. Plastikartige Klebstoffnoten mischen sich darunter. Ein gänzlich uninspirierter Geschmack. Nach einigen Schlucken anstrengend zu trinken. Will man nicht austrinken. Brrrr..

Captain Morgan mit Cola mischen

Pur im Tasting-Glas konnte mich Captain Morgan Spiced Gold milde ausgedrückt nicht überzeugen. Doch ist das vielleicht gar nicht seine Kernkompetenz? Dreht der tapfere Party-Freibeuter erst in der Mische mit Cola richtig auf? Wir haben den Captain & Cola Test gewagt.

Nach dem offiziellen Rezept benötigt man für diesen Drink:

  • 35 ml Captain Morgan Spiced Gold
  • 140 ml Cola
  • 1 Limettenspalte (falls vorhanden)

Zuerst gibt man Captain Morgan in das Glas und gießt anschließend mit der Cola auf. Dann noch einen Spritzer Limette (ersatzweise Zitrone) ins Glas, fertig. Wenn man ein kühles Getränk mag, können natürlich auch noch Eiswürfel mit in das Glas.

Auf den ersten Blick wirkt die Mischung recht sportlich. Doch die Cola kann den Alkohol sehr gut verdecken. Der typische Vanillegeschmack lässt sich noch gut aus der Mischung herausschmecken und die Zitrusaromen fügen eine interessante Komponente hinzu. Der Drink ist sehr süffig und klebrig süß. Man kann ihn fast wie Limonade wegtrinken. Beim Genuss ist also Vorsicht angesagt, ein Glas enthält immerhin 9,7 Gramm Alkohol. Nicht dass Ihr am nächsten Morgen nicht ganz auf Deck seid…

Alkoblog.de Rum-Test: Captain Morgan Spiced Rum

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Samuel: Brrrrrrhh. Captain Morgan Spiced Gold mit Freibeuter-Image ist im Vergleich zu richtigem Rum schlichtes Kanonenfutter. Die Partyspirituose ist in Geruch und Geschmack von künstlicher Vanille geprägt. Dahinter kommt außer Alkoholnoten und Pressspannplatte nicht mehr viel. Captain & Coke kann man trinken. Doch ist das eine Qualität? Ich würde sagen: Life is to short for the bad bottles...

1.8



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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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