Die Bunnahabhain-Destillerie liegt im Norden von Islay und wurde direkt ans Wasser gebaut. (Foto: Alkoblog)

Was mir an Whisky-Messen wie dem Berliner Whiskyherbst in der Malzfabrik so gut gefällt: Ich kann auch teurere Abfüllungen verkosten, die ich sonst nicht so ohne weiteres ins Tasting-Glas bekommen hätte. In diesem Fall den Bunnahabhain 18 Jahre, der schon länger auf meiner persönlichen To-Taste-Liste stand. Die Islay-Destillerie steht etwas im Schatten der großen Namen wie Ardbeg, Laphroaig oder Lagavulin. Mit einem Flaschenpreis von 120 Euro eindeutig eine Abfüllung, die man sich nicht unbedingt ungeprüft gönnen sollte.

Unruhige Zeiten in der Bunnahabhain Bay

So kurvenreich wie die Straße, die hinter Port Askaig abbiegt und zur abgelegenen Bunnahabhain Bay mit den alten Destillerie-Gebäuden aus den 1880er Jahren führt, ist auch die jüngere Vergangenheit von Bunnahabhain. So wurde in den Jahren 1999 bis 2003 nur recht sporadisch produziert, ab 2003 übernahm dann Burn Steward Distillers das Ruder, welche im Jahr 2013 von der südafrikanischen Distell Group übernommen wurden. Die Knappheit von Whisky bei Bunnahabhain wegen unbeständigen Produktion in besagten fünf Jahren sorgt dafür, dass die 18-jährige Abfüllung zu einem Teil aus älteren Whisky-Beständen hergestellt werden muss. Dies macht den Whisky entsprechend seltener und teurer.

Der 12-jährige Bunnahabhain machte mich neugierig

Ich hatte zuvor bereits den Bunnahabhain 12 Jahre probiert und war auf einen ungewöhnlichen Islay-Malt gestoßen. Wo andere Whiskys von der Hebrideninsel sich ganz auf die Themen Rauch und Torf konzentrieren, gab es beim Bunnahabhain obendrauf noch eine ordentliche Schippe Getreide und süße Dessertaromen. Sahnedessert, Vanille und Pflaumenkompott habe ich damals unter anderem geschmeckt. Hinzu kamen nussige Noten – ein vielfältiges Spektakel!

Nun war ich gespannt was die mindestens sechs weiteren Jahre in Eichenholzfässern aus dem „Islay-Käpt’n“ machen würden. Gerüchten zufolge reift der Bunnahabhain 18 Jahre zu 60 % in Ex-Bourbon-Barrels und zu 40 % in Ex-Sherry-Casks. Wie auch die Einstiegs-Abfüllung von Bunnahabhain kommt der Whisky mit 46,3 % sowie ungefärbt und unfiltriert in die Flasche beziehungsweise jetzt zu uns ins Nosing-Glas.

Bunnahabhain 18 Jahre im Test (Foto: Alkoblog)
Die Gestaltung der Bunnahabhain-Whiskys ist dröge und altbacken – hier wäre mal eine Auffrischung fällig (Foto: Alkoblog)

Unser Tasting des Bunnahabhain 18 Jahre

Wie riecht er?

Ein bisschen wie ein Grillfeuer am Tag danach. Und zwar eines bei welchem ordentlich Speck, Zwiebeln und Hackfleisch zwischen den Rost gefallen sind. Pikant, kohlig und erdig (Rindenmulch!) ist der erste Eindruck. Wie beim Bunnahabhain 12 springen dieser prägnanten Grundnote noch fruchtig-süße Aromen bei. Wir erkennen Dosenobst, Pfirsich, Aprikose, Sauerkirsche und Karamell. Eine Reminiszenz an Islay ist ein kieseliger und mineralischer Duft, welcher den Malt durchzieht.

Wie schmeckt er?

Der 18-jährige Bunnahabhain ist auch im Mund zuerst bestimmt durch rauchige und eher dezent torfige Noten, die auch an Erde und Mulch erinnern. Ein typischer Islay-Geschmack, der allerdings durch süßliche Noten im Mittelteil bereichert wird. Auffallend sind die Noten von Karamell und Rohrzucker, sowie getrockneten Bananen und Pfirsichen. Der Malt wirkt insgesamt recht holzbetont, was sich auf dem Tasting-Bogen in Notizen wie „feuchtes Fass“ äußert. Im Nachklang ist der Whisky geprägt von Rauch und Torf, dabei angenehm würzig mit ausgeprägten Sherryaromen.

Bunnahabhain 18 Jahre
Gestaltung & Story60
Geruch87
Geschmack88
Preis-Leistung65
75
Gelungen
Fazit
Der Bunnahabhain 18 Jahre ist ein überzeugender Single Malt, der den islay-typischen Rauch und Torf mit Würze, Früchten und Sherryaromatik vereint. Diese Vielfalt im Geschmack unterscheidet Bunnahabhain von anderen Islay-Whiskys, die eher straight ein bestimmtes Aroma durchziehen. Leider ist der 18-jährige Whisky mit aktuell rund 120 Euro eher teuer, was andere Abfüllungen attraktiver macht.

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