Whisky

Veröffentlicht am 21. Januar 2017 | Foto: Alkoblog

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Besuch beim Islay-Käpt’n: Bunnahabhain 12 Jahre im Test

Die Bunnahabhain-Destillerie tauchte bislang noch nicht so richtig auf meiner persönlichen Whisky-Landkarte auf. In Sachen Islay-Whisky ist sie für mich das letzte Puzzleteil. Von allen anderen Islay-Destillerien habe ich zumindest schon einen Whisky probiert. Nur Bunnahabhain schien sich meinem Tasting stetig zu entziehen.

Von Port Askaig gleich zu Bunnahabhain

Dabei habe ich es wirklich versucht. Bei einer Whisky-Reise nach Islay kommt man an der Bunnahhabhain-Destillerie (zumindest wenn man in Port Askaig anlandet) fast direkt vorbei. Denn das Brennereigebäude liegt zwar etwas versteckt, aber dennoch nur ein wenig nördlich der Anlegestelle.

Bei unserer letzten Islay-Reise im März 2015 fanden wir aber alle Türen der Brennerei verschlossen vor: „Nobody home.“ Von anderen Whiskyreisenden hörten wir ähnliche Erlebnisse. Einige sollen eine Woche lang jeden Tag versucht haben, bei Bunnahabhain eine Tour zu machen – vergeblich. Und auch ich musste diese Whisky-Erfahrung vorerst verschieben.

Es grüßt der „Islay-Käpt’n“ von Bunnahabhain. (Foto: Alkbolog)

Bunnahabhain: Ein Islay-Whisky aus der zweiten Reihe?

Unter den Islay-Destillerien wird Bunnahabhain häufig erst im zweiten Atemzug genannt. Laphroaig, Ardbeg, Lagavulin oder Bowmore stehen in Sachen Bekanntheit weit darüber. Liegt das an der Qualität des Whiskys? Oder vielleicht einfach daran, dass der Stil von Bunnahabhain weniger von Rauch und Torf geprägt ist – was für Islay-Whiskys eher ungewöhnlich ist.

Wenn man den Berichten im Netz glauben schenken darf, dann war der 12-jährige Bunnahabhain vor einiger Zeit tatsächlich nicht von besonderer Güte gekennzeichnet und konnte im Tasting nicht immer voll überzeugen. Gut möglich also, dass der Ruf der Destillerie auch noch heute unter diesen Erfahrungen leidet.

Tatsächlich wurde die 12-jährige Abfüllung erst Ende 2010 neu herausgebracht und wird nun nicht mehr mit 40 %, sondern mit stolzen 46,3 % abgefüllt. Auch sonst gibt man sich nicht mit dem Standard zufrieden: Der Bunnahabhain 12 Jahre wird nicht gefärbt und auch nicht kühlgefiltert.

Neue Abfüllung, neues Glück und Leinen los zum Tasting würde ich sagen:

Unser Tasting des Bunnahabhain 12 Jahre

Wie riecht er?

Der Geruch des Bunnahabhain 12 Jahre ist tatsächlich ungewöhnlich, wenn man einen typischen Islay-Whisky erwartet hat. Der Malt macht seinem Namen mit dem Duft von Getreide (Malz) und Brotteig alle Ehre. Er ist im Folgenden leicht cremig süßlich mit Aromen von Zimt, Lakritze und Vanilleeis. Doch das ist kein Dessert-Whisky: Mit würzigem Rauch, Orangenschale, leichten Ingwer- und Zitrusnoten sowie grünem Pfeffer zeigt er Charakterstärke. Insgesamt dennoch ein weicher, wärmender Geruch, der auch durch die spannende Kombination von Rauch und Sherry auffällt.

Wie schmeckt er?

Eine runde weiche Süße prägt den Antritt des Bunnahabhain 12 Jahre. Getreidearomen, frisches Brot und schwarzer Tee – ein Frühstück made in Islay. Es folgen süße Aromen mit cremigem Sahnedessert, Vanille, Zitrusfrüchten, Pflaumenkompott mit Nelken sowie Ingwer. Wärmend und leicht pfeffrig im Mund bahnt sich der „Islay-Käpt’n“ seinen Weg durch den Mund. Im Abgang folgt ein schöner, konstanter Rauch mit Aromen von angekohltem Holz, dunklem Karamell, Lakritze und Sherry. Darüber hinaus auch nussig mit Aromen von Erdnussbutter, gerösteten Haselnüssen und Haferkeksen. Eine vielfältige Erfahrung!

   Bunnahabhain 12 Jahre hier bestellen

Alkoblog.de Whisky-Test: Bunnahabhain 12 Jahre

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Samuel: Ist der Bunnahabhain 12 ein typischer Islay Single Malt? Vielleicht nicht, wenn man die typische Rauch-Power erwartet. An der Güte dieses Whiskys gibt es dennoch keinen Zweifel. Die schöne Aromen-Komposition von Getreide, Süße, Frucht und Rauch kann im Tasting überzeugen. Ein spannender und abwechslungsreicher Malt von einer Destillerie, die ich ab sofort als festen Punkt auf meiner persönlichen Landkarte haben werde. Mit 40 Euro liegt er preislich etwas höher als andere Einsteiger-Whiskys von Islay, was angesichts der ungefilterten, ungefärbten Qualität mit erhöhtem Stärkegrad von 46,3 % aber absolut in Ordnung geht.

4.2



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Über den Autor

Samuel

mag besonders fruchtige Speyside-Whiskys und rauchige Single Malts von Islay. Hin und wieder findet auch ein leckerer Karibik-Rum den Weg in sein Nosing-Glas. Im Test redet Sam Klartext.


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