Buffalo Trace in Kentucky haben viele Genießer noch nicht auf ihrer Bourbon-Landkarte. Das ist schade, denn die Destillerie im kleinen Ort Frankfort produziert in historischen Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert einige der spannendsten Whiskeys der Welt. Seit 1787 wird am Ufer des Kentucky River praktisch durchgängig Whiskey gebrannt – Buffalo Trace ist damit eine der ältesten Destillerien im Land. Wir waren vor Ort und haben uns bei den Büffeln umgeschaut.

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Schnurgerade zieht sich der Highway 60 in einem beruhigenden Auf und Ab durch die sanften Hügel von Kentucky. Links und rechts der Straße stehen Farmhäuser mit weißem Holzzaun und großen Pickup-Trucks vor der Tür. It’s the countryside, baby!

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Eine Destillerie als Stück lebendiger Industrie-Geschichte

Am Rande von Frankfort, ein kleines Nest, dass absurderweise die Hauptstadt des Staates Kentucky ist, befindet sich die Buffalo-Trace-Destillerie. Geschwärzte Backsteingebäude ragen in den Himmel, hier und da platzt die Farbe von den Wänden, aus einem Schlot dampft es. Die Distillery hat einen rauen, grungigen und industriellen Charme.

Wer die Zeche Zollverein in Essen kennt oder den Landschaftspark Duisburg-Nord rund um eine stillgelegte Stahlhütte, der kann sich dieses National Historic Landmark gut vorstellen. Nur dass hier bei Buffalo Trace fleißig  gearbeitet wird: Fünf Tage die Woche wird hier in bis zu zwei Schichten Bourbon Whiskey gebrannt.

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Entspannter Job? Auch bei Buffalo Trace läuft die Destillerie computergesteuert

Die Gärbottiche sind so hoch wie ein Einfamilienhäuser

Hier ist alles etwas größer: Jede Woche versorgen 8-10 Lastwagen voller Mais die Brennerei mit Nachschub. Jeder der drei Maischekocher fasst 10.000 Gallonen, umgerechnet fast 38.000 Liter. Die zehn dazugehörigen Gärbottiche sind je so hoch wie ein Einfamilienhaus. Von der Säulenbrennanlage nicht zu reden, die sich in einem turmartigen Gebäude über mehrere Etagen erstreckt und laut zischend hektoliterweise Alkohol erzeugt.

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Man kann das alles zu industriell und groß finden, den Charme traditioneller Handarbeit vermissen – aber es ist die Realität. Und zwar nicht nur bei Buffalo Trace, sondern auch bei allen anderen Bourbon-Destillerien in Kentucky und – in etwas kleinerer Form – auch bei den schottischen Brennern.

Maische, Hefe und Fässer prägen den Whiskey-Geschmack

Die Herstellung des Bourbon Whiskeys ist dabei in allen Destillerien ziemlich ähnlich. Unterschiede gibt es vor allem bei der Zusammensetzung der Mash Bill, also der Getreidemischung, aus welcher die Spirituose gebrannt wird, bei den eingesetzten Hefekulturen und bei den Fässern.

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Viel Mais: Guide Lee erklärt Alkoblogger Sam die Mash Bill

Bei der Mash Bill setzt Buffalo Trace für seine Standard-Abfüllung auf eine Mischung aus rund 70 % Mais, der Rest ist vermutlich Roggen, Gerste oder Weizen. So ganz genau wird das Rezept nicht verraten, es ist geheim.

Buffalo Trace Bourbon Whiskey wird 8-9 Jahre gereift

Für die Fasslagerung sind nur neue Barrels aus Eichenholz zulässig, die vor der Verwendung ausgebrannt werden („gecharred“), also eine verkohlte Innenseite aufweisen. Über diese nimmt die Spirituose viele röstige und komplexe Aromen auf. Buffalo Trace lagert dabei 8-9 Jahre im Fass – das ist für einen Bourbon Whiskey schon relativ lange.

Die Variante Eagle Rare der Destillerie darf sogar 10 Jahre im Barrel reifen und verfügt über einen intensiveren Geschmack, der neben der Lagerung in bodennah gelagerten Fässern (dort ist es kühler) auch von einer anderen Mashbill mit höherem Roggen-Anteil herrührt. Wir merken hier schon: Die Faktoren wie Zutaten und Lagerung gehen hier immer Hand in Hand und ergeben erst in der richtigen Kombination einen runden und gelungenen Bourbon Whiskey.

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Über 400.000 Fässer in 15 Lagerhäusern

Über 400.000 Bourbon-Fässer mit einem Volumen von je 200 Litern lagern derzeit in den 15 Warehouses der Destillerie. Und das ist anscheinend nicht genug: Auf einem Grundstück hinter der bestehenden Brennerei werden neue Lagerhäuser aus Stahl hochgezogen, alle 8 Monate soll eines fertiggestellt werden. Viel Platz für neuen Whiskey also!

Auch hier geht Buffalo Trace mit der Zeit: Die neuen Warehouses sollen komplett in allen klimatischen Faktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit steuerbar sein. Nichts soll mehr dem Zufall oder einem besonders heißen oder kalten Sommer bzw. Winter überlassen werden. Auch an den Angel’s share, der aktuell immerhin 4 % pro Jahr beträgt, möchte man ran. Bei den hergestellten Mengen kann sich jeder vorstellen, was etwas weniger Verdunstung pro Jahr für die Produktionsmenge bedeuten kann. Die bestehenden Lagerhäuser, von denen 14 aus Stein gebaut sind, werden weiterhin eingesetzt. Sie haben deutlich mehr Charme, sind aber vermutlich nicht so praktisch in der Handhabung.

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Experimentelle Fässer: Kommt bald ein Peated Bourbon?

Unter den ungefähr 400.000 eingelagerten Fässern lässt sich derweil so manche Kuriosität entdecken: So haben wir auf unserer Tour durchs Warehouse einige Fässer mit Peated Bourbon entdeckt – will Buffalo Trace vielleicht demnächst den rauchigen Islay-Whiskys aus Schottland Konkurrenz machen? Unser Guide Lee gibt zu: „Wir probieren viel aus. Es liegen über 4.000 experimentelle Fässer auf Lager. Ich bin selbst schon gespannt, wie der getorfte Bourbon schmecken wird.“

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Eine Bourbon-Destillerie – viele bekannte Marken

So bleibt man in Bewegung am Kentucky River und versucht mit einer breiten Auswahl an Marken den ganz großen Destillerien wie Jim Beam ein Stück vom bourbongetränkten Kuchen abzunehmen. Dazu zählen bekannte Namen wie Blanton’s, Pappy van Winkle, George T. Stagg, W. L. Weller oder Ancient Age und weitere. Während einige Marken schon viele Jahre existieren, ist ausgerechnet Buffalo Trace eine sehr junge Erfindung: Erst 1999 entschied man sich bei den Eigentümern, der Sazerac Company aus New Orleans, für diesen klangvollen Namen. Zuvor hatte die Destillerie bereits einige Male den Namen gewechselt und hatte zuletzt Ancient Age geheißen.

Die einheimischen Fans sind ihrer Destillerie dennoch treu geblieben: Vier von fünf Flaschen werden in den USA getrunken. Noch finden eher wenige Abfüllungen aus der Buffalo Trace-Destillerie ihren Weg in die Hände deutscher Genießer. Wie unsere Tastings vor Ort zeigen, zu Unrecht: Denn mit Buffalo Trace Whiskey und Eagle Rare sind hier zwei Bourbon Whiskeys am Start, die sich vor der Konkurrenz definitiv nicht zu verstecken brauchen. Wer immer einen Büffel in die Finger bekommt, sollte einen Schluck wagen.

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