Der Bruichladdich Waves ist in mehrererlei Hinsicht eine Besonderheit: Es war der erste Islay-Whisky den ich mir gekauft habe. Ich war Student in Chemnitz damals und hatte die Flasche im örtlichen Galeria Kaufhof erspäht. Die schicke Dose mit der Großaufnahme einer sich brechenden Welle und dem großen, klaren Schriftzug hob sich angenehm von den vielen altbackenen Flaschen ab, die es damals gab (und heute vermutlich immer noch gibt). Ganz Student griff ich aber nicht gleich zu, sondern recherchierte erst mal im Internet nach Testberichten (ok, das mache ich heute auch noch).

bruichladdich-destillerie-2
Der prägnante Schriftzug von Bruichladdich stach mir ins Auge

Waves, Rock und Peat

Hinzu kam, dass es neben dem Bruichladdich Waves noch Rock und Peat aus derselben Reihe gab. Welcher war der Beste? Schon damals habe ich Whisky gekauft, um ihn zu trinken und nicht um ihn in eine Vitrine zu stellen und irgendeine Sammlung zu vervollständigen. Nach einem Blick in die Whisky-Blogs war mir schnell klar: Der Waves passte am besten zu mir. Frucht und Rauch in einer Flasche vereint.

Während man sich bei Bruichladdich heute bemüht, die einzelnen Marken Bruichladdich (untorfig), Port Charlotte (normal torfig) und Octomore (extra torfig) klar zu trennen, ging es damals noch drunter und drüber: Und so ist der Bruichladdich Waves ein torfiger Whisky. Und der Bruichladdich Peat natürlich auch.

bruichladdich-faesser
Fässer im Warehouse von Bruichladdich auf Islay

Alte Whiskys, neu vermählt

Da Bruichladdich erst 2000 wiedereröffnet wurde (die ganze Story lest ihr hier), wurden für den Waves nur Fässer verwendet, die noch vom Vorbesitzer im Lager lagen. Master Distiller Jim McEwan hatte die anspruchsvolle Aufgabe aus dieser flüssigen Konkursmasse trinkbare Single Malts zu mischen – was ihm, ohne hier vorwegzugreifen, überwiegend sehr gut gelungen ist. Allerdings wird auf dem Waves kein Alter angegeben, es handelt sich hier also um einen No-Age-Statement-Whisky.

Man kann wirklich sagen, dass ich den Bruichladdich Waves langsam genossen habe. Die Flasche hat mich seit 2005 oder 2006 durch mein halbes Studium begleitet und ich hatte sie bis heute im Regal stehen. Immer mal wieder, nur ein oder zweimal im Jahr habe ich mir einen Schluck eingeschenkt, behutsam an ihm gerochen und an ihm genippt. Der Waves hat mich nie enttäuscht.

Umso kurioser, dass ich ihn nie für das Alkoblog verkostet habe! Mit dem letzten Schluck aus meiner Flasche hole ich das heute nach. Und ja mir ist klar, dass der Whisky nach so langer Lagerzeit in geöffneter Flasche womöglich etwas gelitten hat. Aber das bin ich dem Waves einfach schuldig.

bruichladdich-waves-flasche

Bruichladdich Waves im Whisky-Test

Wie riecht er?

Fast zögernd wagt sich dieser Malt hervor, lässt sich die Aromen von Zuckerguss, Aprikosenmarmelade und roten Früchten „aus der Nase“ ziehen. Darüber liegt ein feiner, milder Hauch von Rauch. Mit zunehmender Standzeit wird der Waves würziger, riecht salzig und mineralisch. Die von Bloggern oft für Islay-Whiskys herangezogene „Meeresbrise“ passt hier tatsächlich, denn der Bruichladdich lagerte tatsächlich die ganze Zeit auf Islay (und nicht wie bei anderen Destillerien zum Großteil auf dem Festland). Im Abschluss sehr trocken macht dieser Malt schon beim Nosing Durst. Ein wenig kam bei meiner Probe auch der Alkohol durch, das lag vielleicht aber auch daran, dass es der letzte Rest in der Flasche war.

Wie schmeckt er?

Der Geruch geht nahtlos in den Geschmack über: Der Waves schmeckt salzig und trocken. Hinzu kommt eine dezente Holznote, die an Treibholz erinnert. Dann Trockenfrüchte, Rosinen (aber ohne die Süße) und Leder. Ein angenehmes Mundgefühl, hinten aber leicht bitter. Ich hatte ihn noch stärker in Erinnerung, vermutlich hat er in der Flasche doch abgebaut. Vielleicht ist die Erinnerung an einen guten Whisky doch am Schönsten.

Wo gibt es den Bruichladdich Waves noch zu kaufen?

Der Waves ist wie viele Flaschen von Bruichladdich leider ein Auslaufmodell. Ich habe eine ganze Reihe von Shops im Netz durchgeschaut, aber der Whisky scheint nirgendwo mehr auf Lager zu sein. Allerdings konnte ich bei eBay einige Flaschen aufstöbern. Teilweise gehen die Preise für 0,7 Liter aber hoch bis auf 80 oder 100 Euro. Gemessen am Ursprungspreis von rund 37 Euro ein ganz schöner Aufschlag. Doch wer weiß wo der Preis im nächsten Jahr schon steht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*