Whisky

Veröffentlicht am 21. Mai 2016 | Foto: Alkoblog

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Islay Triple Tasting: Bruichladdich Single Cask Whiskys von Whic

Wie unterschiedlich können drei ungefähr gleich alte Single Malts einer Destillerie schmecken? Um diese Frage kreist unser Tasting von drei Bruichladdich Whiskys im Alter von 9, 11 und 12 Jahren. Es handelt sich Malts aus einzelnen Fässern, welche der Onlineshop Whic.de exklusiv für seine Kunden ausgesucht hat. Das Spannende bei diesen Abfüllungen: Es fand kein blenden, mixen oder mingeln statt, welches bei herkömmlichen Single Malts üblich ist. Dabei werden verschiedene Fässer derselben Destillerie miteinander gemischt, um einen einheitlicheren Geschmack zu erzeugen. In diesem Fall erhält man tatsächlich einen Whisky aus einem bestimmten Fass ins Tasting-Glas. Und das überaus limitiert: Es gibt nur zwischen 36 und 180 Flaschen von den hier vorgestellten Single Cask Whiskys.

Die Bruichladdich-Destillerie ist für Einzelfass-Abfüllungen eine gute Wahl: Die Islay-Brennerei ist für ihr gutes Cask-Management bekannt und man experimentiert gerne auch mit kleineren Mengen von Fässern, um einen neuen Geschmack zu kreieren. Davon konnten wir uns bei unserem Besuch in den Warehouses von Bruichladdich selbst überzeugen. Eine Zeitlang war man bei Bruichladdich so überzeugt von den eigenen Abfüllungen, dass man praktisch jeden Monat eine Neue herausbrachte. Über 450 verschiedene Whiskys hatte man im Angebot – wer sollte da den Überblick behalten? Inzwischen ist man davon abgerückt und will sich auf seine Kernlinien Bruichladdich (ungetorft), Port Charlotte (leicht getorft) und Octomore (stark getorft) konzentrieren.

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Fässer im klassischen Dunnage Warehouse von Bruichladdich (Foto: Alkoblog)

Interessant auch: Der 9-jährige Whisky ist im Ex-Bourbon-Fass gereift, der 11-jährige im Sherry-Hogshead und der 12-jährige im normalen Hogshead. Da das Fass einen sehr großen Einfluss auf den Geschmack des Whiskys hat, dürften wir es schon allein deshalb mit drei sehr unterschiedlichen Whiskys zu tun haben. Sogar farblich sind feine Unterschiede feststellbar, der 11-jährige hat vom Sherryfass einiges an rötlicher Tönung mitgehen lassen. Die anderen beiden Malts sind sehr hell im Ton und erinnern an Weißwein. Alle drei Abfüllungen kommen ungefärbt in die Flasche, was man schon deshalb erwähnen muss, weil es ja leider eher selten ist.

Nun wird’s spannend:

Welcher Single Cask Whisky kann uns überzeugen – und welcher fällt durch?

Unser Tasting des Whic Bruichladdich Vintage 2006

abgefüllt 2015 – 9 Jahre – 55,2 % – Bourbon Barrel
limitiert auf 48 Flaschen – ca. 83 Euro bei Whic.de

Wie riecht er?

Der Jüngste darf anfangen – und so darf der 9-jährige Bruichladdich zuerst ins Glas. Dort verströmt er dezente Rauchnoten, die in das Aroma reifer Früchte übergehen. Birne ist zu riechen, dazu salzige Nüsse und etwas Asche.

Wie schmeckt er?

Ausgeprägt rauchig und holzig. Die Holznoten für einen 9-jährigen überraschend intensiv. Vorne sind die Birnen präsent, dann geht es mineralisch weiter. Spuren von Erde, Felsen und Torf. Eher etwas rau und rumpelig. Mehr Lederjacke als Tweet-Jacket, aber durchaus sympatisch.

 

Unser Tasting des Whic Bruichladdich Vintage 2003

abgefüllt 2015 – 11 Jahre – 46,0 % – Sherry Hogshead
limitiert auf 36 Flaschen – ca. 110 Euro bei Whic.de

Wie riecht er?

Gestatten, Bruichladdich 11 Jahre. Dieser Whisky fällt nicht mit der Tür ins Haus, er schleicht sich erst mal im Vorgarten rum. Von dort hat er auch die Blumen, die er mit galanter Geste überreicht. Süß, nach Aprikosen, Honig und Rhabarber duftet der Gute. Und hat eine Flasche Sherry im Gepäck, die ihm ihren Duftstempel aufgedrückt hat. Sie hält die Noten von feuchtem Unterholz und Sumpfgras in Schach, die immer wieder durchkommen.

Wie schmeckt er?

Der Sherry übernimmt auch hier das Kommando, legt sich über die Mischung aus Holz und feiner Fruchtigkeit. Mild, süßlich mit etwas Honig und Zuckerwatte wirkt er ansonsten sehr unscheinbar. Es fehlt vielleicht etwas die Balance zwischen diesen sehr leichten Aromen und dem stark-wuchtigen Sherry-Holzeindruck. Für uns der Schwächste von den drei Bruichladdichs.

 

Unser Tasting des Whic Port Charlotte Vintage 2003

abgefüllt 2014 – 12 Jahre – 56,0 % – Hogshead
limitiert auf 180 Flaschen – ca. 90 Euro bei Whic.de

Wie riecht er?

„Heavily peated“ steht auf der Flasche und das ist keine Untertreibung. Mit Torf, Rauch und dem (in unserem Magazin schon häufiger erwähnten) Geruch nach S-Bahn-Bremse legt dieser Bruichladdich gleich gut vor. Vulkanisch, mit viel Asche und Torf – so kennen und lieben wir die Whiskys von Islay. Dunkel und herb, mit einem Hauch Kohlenkeller. Doch was ist das? Da schleicht sich doch nicht etwa eine Frucht in die Mischung? Wir glauben eine Birne erkannt zu haben. Und gleich danach etwas Kakao. Birne Helene im Rauchmantel.

Wie schmeckt er?

Herb, streng, unnachgiebig. Die Birne Helena entpuppt sich als Domina. Und die heizt uns mit der Torfpeitsche ordentlich ein! Dunkel, rauchig, torfig – ein Whisky für den Dungeon. Kann in der Intensität locker mit Laphroaig oder Ardbeg mithalten. Es würde uns nicht wundern, wenn dieser Whisky sonst im Octomore landet. Unser Atem riecht nach Aschenbecher – unsere Mundwinkel gehen nach oben. Stark!

 

Fazit: Lohnen sich die drei Single Casks von Whic.de?

Single Cask Whiskys sind nichts für Einsteiger. Zu hoch ist der Preis und zu speziell das Geschmacksprofil. Doch als fortgeschrittener Genießer kann man durchaus Freude mit den hier vorgestellten Abfüllungen haben. Geschmacklich fanden wir den Port Charlotte Vintage 2003 am stärksten. Vielleicht auch weil er die typischen Rauch- und Torfnoten von Islay in sich trägt. Für 90 Euro ist auch er kein Schnäppchen, sorgt dafür aber zuverlässig für ein Grinsen im Gesicht des Islay-Whisky-Fans.

Danke an Whic.de für die drei Proben der Whiskys. Wie immer gilt: Eine Zusendung von Tasting-Exemplaren garantiert keine gute Wertung.


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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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