Es gab eine Zeit, noch gar nicht so lange her, da war Berlin in Sachen Bier ein richtiges Entwicklungsland. Es gab Berliner Pilsener (von allen nur „Berliner“ genannt), Schultheiß-Bier („Schulle“) oder Berliner Kindl (das einzige Bier, das wirklich alle „Kindl“ nannten). Mit diesen drei Bier-Marken kann man prima eine Nacht am Bahnhof zubringen oder vielleicht auch noch eine WG-Party in Schwung bringen. Sie sind so durchschnittlich, dass sie nicht groß auffallen beim Trinken. Einfache Kost für einfache Abende.

Die Wende kam erst mit den neuen Craft-Brauereien nach Berlin – mit frischen Rezepturen, ungewöhnlichem Hopfen, leckeren Sorten. Ist jetzt alles gut? Nicht ganz, denn auch beim Craft Beer gibt es große Unterschiede, wie wir beim Trinken von BRLO feststellen mussten.

Die Überraschung: BRLO wird nicht in Berlin gebraut

Doch der Reihenfolge nach: BRLO ist Slawisch für Berlin. Ich weiß das, weil ich früher Slawisch in der Schule hatte. Ich habe sogar das „kleine Slawinum“. Haha, alles Quatsch, stimmt natürlich nicht. Nur das mit BRLO und Berlin ist richtig. Ein großer Berliner Bär ist auf den Flaschen von BRLO abgebildet und dazu der Slogan „Handcrafted with Berlin Love“. Das klingt nach „Handcrafted in Berlin with Love“, aber das steht da nicht. Und so ist es auch nicht: Denn hinten auf dem Etikett erfahren wir, dass das Bier je nach Sorte in Brandenburg oder Landsberg in Sachsen-Anhalt „assembled“ wird. Ich frage mich ja noch immer: Wie kann man bitte ein Bier assemblen? Und möchte ich das wirklich trinken? Wieso wird BRLO nicht einfach ganz normal gebraut, vielleicht sogar in Berlin? So kommt schnell der Eindruck auf, dass es sich hier um eine Marketing-Mogelpackung handelt und das mögen wir Berliner gar nicht gern.

Aber vielleicht schmeckt BRLO dafür wirklich gut – das werden wir jetzt herausfinden. Aus den vier Sorten BRLO Helles, BRLO Pale Ale, BRLO Porter und BRLO Weisse haben wir einfach mal zwei gezogen, die besonders spannend klangen:

BRLO Pale Ale im Test

Wie riecht es?

Frisch geduscht mit nassen Haaren stellt sich dieses Craft Beer vor. Sexy und gar nicht arm an Aromen! Wir riechen Pfirsich, Zitrone, Zitronencreme, reifen Apfel,  Aprikose und andere gelbe Früchte. Wirkt samtig-cremig und voll. Das alles eingebunden in einen ausgeprägten Hopfen. Ein richtiger IPA-Duft ist das hier, der Lust macht aufs Trinken.

Wie schmeckt es?

So sexy kam dieses Bier vom Duft daher, aber was steckt wirklich drin? Leider haben es viele Duftnoten nicht in den Geschmack geschafft. Der ist leicht und fast körperarm, keine Früchte sind zu erkennen. Der einzige prägnante Ton kommt vom Hopfen, der sich herb und bitter an den Abgang lehnt. Geschmacklich wirklich ein sehr uninspiriertes Pale Ale.

BRLO Porter im Test

Wie riecht es?

Ein schwarzes Bier und ein dunkler Geruch. Das Porter riecht röstig und malzig, nach Kastanien und Brot. Ein milder und tiefer Geruch.

Wie schmeckt es?

Ähnlich wie beim Pale Ale hat man beim Trinken das Gefühl, ein ganz anderes Bier im Glas zu haben: Dünn, schmal und mit wenig Geschmack versucht sich das BRLO Porter irgendwie so durchzumogeln. Etwas geröstetes Brot, viel mehr ist nicht zu holen. Dafür durchaus bitter und mit dieser süßlichen Note, die stark alkoholische Biere häufig hinten haben und die uns gar nicht gefällt. Ein enttäuschendes Bier.

Fazit zu BRLO-Bier:

BRLO gibt sich als Berliner Craft Beer, ist aber bei genauerer Betrachtung eine ziemliche Mogelpackung. Damit könnten wir vielleicht leben, wenn das Bier wenigstens gut schmecken würde. Doch auch das ist leider nicht der Fall. Während der Geruch schon stimmt und große Erwartungen an genussvolle Craft-Beer-Momente weckt, sollte am Geschmack unbedingt noch gearbeitet werden. Der ist durchgehend zu dünn und zu wenig aussagekräftig. Die BRLOs trinken sich noch nicht mal besonders angenehm. Da liegen andere Craft-Brauer deutlich vorne. So gibt es von unserer Seite leider keine Empfehlung für das BRLO-Bier.

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