Halbe Portion: Bowmore Small Batch Bourbon Cask im Test

Was steckt in den No-Age-Statements? Diese Frage beschäftigt Whisky-Genießer schon seit längerem. Master Distiller John Campbell von Laphroaig sagte in einem Interview jetzt erstaunlich offen: Vor allem viele jüngere Whiskys. Damit reagieren die Destillerien seiner Meinung nach auf die „extrem gestiegene“ Nachfrage nach Single Malts. Gleichzeitig hätten No-Age-Statements aber einen anderen Geschmack, der vielen Leuten sogar besser gefalle als der alte Stil. Und mit dem Quarter Cask hat Laphroaig ja auch tatsächlich einen der beliebtesten Whiskys-ohne-Altersangabe kreiert. Doch genauso viele NAS-Whiskys konnten in der Vergangenheit nicht überzeugen, waren eher schmale Ableger der bekannten 10 oder 12 Jahre alten Standard-Malts.

Mit gemischten Gefühlen gehen wir also in unser Tasting des Bowmore Small Batch Bourbon Cask. Kann diese Abfüllung mit ihrem Bruder, dem Bowmore 12 Jahre mithalten? Der neue Islay-Whisky wird ausschließlich in First und Second Fill Bourbon-Fässern gelagert. Den Begriff „Small Batch“ sollte man wohl auch nicht ganz so wörtlich nehmen: Rund 30.000 Flaschen sollen es sein, die mit einem Alkoholgehalt von 40 % auf den Markt kommen.

Auch der Bowmore Small Batch wird in der typischen Flaschengestaltung abgefüllt. (Foto: Amazon)
Auch der Bowmore Small Batch wird in der typischen Flaschengestaltung abgefüllt. (Foto: Amazon)

Unser Whisky-Test des Bowmore Small Batch Bourbon Cask

Wie riecht er?

Das ist ein Bowmore: Wie schon bei der Jahresabfüllung rieche ich zunächst Fensterkitt. Doch dann ist da auch noch ein herbe Süße, die mich an leicht gesüßten Hefeteig erinnert. Sie wird schnell von salziger Seeluft und einer dezenten Rauchnote eingeholt. Ich rieche außerdem Sellerie. Nein, sogar Selleriesalat! Daher stammt auch die leichte Zitrusnote. Ein angenehmer und gesetzter Geruch, der sich weder aufdrängt, noch sonderlich spektakulär ist.

Wie schmeckt er?

Fast schüchtern dieser Antritt. Der junge Leichtmatrose an seinem ersten Tag. Ein mineralisches Aroma, gut abgestimmt, aber für meinen Geschmack einfach zu wenig Power. Der Geschmack von Fensterkitt wird begleitet von leichtem Rauch und Torf, auch Sellerie oder Fenchelsamen, doch nichts was mich wirklich vom Hocker haut. Im Abgang noch eine langanhaltende und durchaus feine Vanillenote. War das schon alles? Leider ja…

Small Batch Bourbon Cask vs. Bowmore 12

Kein Vergleich! In der direkten Gegenprobe ist der Zwölfjährige mindestens doppelt so intensiv und macht dem jungen Small Batch ordentlich Dampf. Glasklar kann man den Charakter der Destillerie in beiden Abfüllungen erkennen, doch wirkt es so, als sei der Small Batch eine abgeschwächte, verdünnte, halbe Version. Der Bowmore 12 ist gleich voll da: Typischer Rauch, Leder, aber auch dunkler Kakao. Es geht Schlag auf Schlag. Ich persönlich würde auch angesichts des kaum vorhandenen Preisunterschieds in jedem Fall zum 12er greifen. Ich mag allerdings auch kräftige Islay-Whiskys. Wer einen zarteren Gaumen hat, findet vielleicht durchaus Geschmack am softeren Small Batch. Ich werde das demnächst mal beim schönen Geschlecht ausprobieren…

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Bowmore Small Batch
Gestaltung & Story72
Geruch66
Geschmack68
Preis-Leistung66
68
Fazit
Der Bowmore Small Batch Bourbon ist ein gutes Beispiel für einen schwachen NAS: Mir gefällt, dass man die Handschrift der Destillerie im Whisky erkennen kann. Die Aromenwelt ist vergleichbar mit dem Bowmore 12, allerdings in stark abgeschwächter Form. Das lässt diesen Whisky im Vergleich dünn und etwas ausdruckslos erscheinen. Das Bourbon-Fass kommt nur in der Vanillenote zum Vorschein. Für mich ist der Bowmore 12 die bessere Wahl.

3 Kommentare

  1. Ich vermute mal die Vezeichnung „Small Batch“ bezieht sich nicht auf die Anzahl der Fässer aus denen dieser Malt gemischt wird und auch nicht auf eine Limitierung der Anzahl der Flaschen die auf den Markt kommen. Vielmehr ist es wohl so, dass die Reifung in „Small Batch Bourbon“-Fässern stattfindet, also in Fässern, in welcher zuvor Bourbon lagerte, welcher auf Grund seiner hohen Qualität in Small Batches abgefüllt wurde.

    1. Hallo Steffen,

      danke für den Kommentar. Unseren Informationen nach lagerte der Bowmore Small Batch Bourbon in First- und Second-Fill Fässern. Für die Abfüllung werden die Whiskys aus beiden Fasstypen dann vermählt. Das ist insoweit besonders, da „frische“ Fässer einen besseren Geschmack an den Whisky abgeben. Nicht umsonst ist die richtige Fassauswahl für einen guten Whisky von so großer Bedeutung. Dass die verwendeten Fässer aus der Produktion eines Small Batch Bourbons stammen, glaube ich hingegen nicht und habe auch keine Informationen dazu finden können.

      Viele Grüße
      Sam vom Alkoblog

  2. Hallo Sam,

    Ich glaub Du hast recht. Ich hab mir auch nochmal die Beschreibung auf der Internetseite von Bowmore angeschaut. Da steht das, was Du auch ausführst. Außerdem ist auf der Flasche der Schriftzug „Small Batch“ deutlich vom „Bourbon Cask Matured“ abgesetzt, was auch nicht gerade auf die Richtigkeit meiner These hindeutet.
    Auf die Idee bin ich gekommen, weil Jura ebenfalls limitierte Editionen herausbringt, die ausdrücklich in „Small Batch Bourbon Casks“ nachgereift wurde, die sogenannte „Boutique Barrel“ Serie.
    Da Small Batch Bourbon in der Regel ja länger im Fass liegt als Standard-Bourbon, ist sowieso die Frage, ob der darin anschließend reifende Scotch überhaupt besser wird, wenn man solche Fässer verwendet.
    Wo wir gerade beim Thema sind: wie wärs, wenn Ihr mal so einen Jura probiert und hier schreibt, wie der so schmeckt.

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