Whisky

Veröffentlicht am 15. Dezember 2016 | Foto: Alkoblog

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Dunkeltuten hinterm schwarzen Felsen: Bowmore Black Rock im Test

Eben erst hat Master Distiller David Turner im Interview das voraussichtliche Ende der Bowmore-No-Age-Whiskys verkündet, schon haben wir einen der Vertreter im Glas: Black Rock lautet der klangvolle Name des Single Malts, den es ursprünglich nur in Duty Free-Shops gab. Zusammen mit Gold Reef (NAS) und White Sands (17 Jahre) bildet er eine Serie, die inzwischen auch in diversen Whiskyshops zu finden ist. Und so ein bisschen können wir David Turner verstehen, dass er sich auf die Rückkehr der Age-Statements im eigenen Haus freut.

Kupferne Brennblasen bei Bowmore (Foto: Alkoblog)

Denn mit den bisherigen Einsteiger-NAS-Whiskys von Bowmore ist wahrlich kein Staat zu machen: Der Bowmore Legend ist in Whisky-Foren als jung, dünn und alkoholisch verschrien. Der Bowmore Small Batch ging in unserem Test nur als „halbe Portion“ durch und liegt geschmacklich deutlich hinter dem klassischen Bowmore 12 Jahre. Und auch zum Black Rock sind die Meinungen im Netz bestenfalls durchwachsen. Das ist kein Vergleich zu erfolgreichen NAS-Malts wie dem Laphroaig Quarter Cask oder dem Ardbeg Uigeadail die sich mittlerweile als feste Größe in den Whiskyregalen vieler Heimbars etablieren konnten.

The Black Rock: Ein (kleiner) Felsen in der Bucht von Islay

Doch von Anfang an: Der Name Black Rock bezieht sich auf einen kleinen Felsen, den man vom Fenster der Destillerie aus wohl sehen kann. Persönlich konnte ich mich gar nicht erinnern, dass da bei unserem letzten Besuch in Bowmore im März 2015 überhaupt ein Felsen war. Aber ich habe mal gesucht und dieses Foto für euch gefunden:

Nein, das ist nicht nicht Nessi: Das ist der Black Rock of Islay (Foto: Wikipedia, Pfeil von uns)

„The Black Rock of Islay rises majestically out of Loch Indaal“ textet dazu die Werbeabteilung. Joah, so kann man das auch sagen, wenn ein Haufen Steine aus dem Wasser ragt. Doch nichts für ungut, es geht ja um den Whisky: Der ist laut Beschreibung überwiegend in Ex-Sherryfässern aus Spanien gereift. Über das Alter gibt es keine Angaben, aber vermutlich ist er in Teilen jünger als 10 Jahre (sonst hätte Bowmore es sicher einfach aufs Etikett geschrieben).

Unser Tasting des Bowmore Black Rock (NAS)

Wie riecht er?

Ein dezenter Schub Rauch wabert uns aus dem Glas entgegen. Die Assoziation zu den schwarzen Felsen ist sofort da: Steine, Kiesel, mineralische Noten prägen den ersten, etwas staubigen Eindruck. „Erinnert mich an einen feuchten Keller“, gibt einer der Tester zu Protokoll. Und ja: Eine gewisse modrige Note kann man nicht ganz verleugnen. Wieder am Tageslicht überrascht uns der Bowmore Black Rock mit Trockenfrüchten wie Aprikosen und Datteln. Diese gehen nach kurzer Standzeit in Waldhonig, dunkle Beeren und Kefir über. Kein schlechter Start.

Wie schmeckt er?

Rauchig und überraschend leicht geht es auf der Zunge weiter. Nach dem schwereren Duft aus dem Nosing hätten wir eindeutig mehr Körper erwartet. Doch der Bowmore Black Rock fackelt nicht lange und geht direkt ins bittere Finale über. Abgang, Vorhang zu! So ja nun bitte nicht… Im zweiten Durchgang sind wieder die rauchig-torfigen Noten prägend, eine Spur Birnengeist und etwas gerösteter Espresso sind für geübte Whiskyfährtensucher zu schmecken. Hinten ist er recht trocken, aber auch alkoholisch bitter. Es bleibt kein angenehmer Geschmack auf der Zunge zurück. Ratlose Blicke in die Runde – war das wirklich schon alles? Ja, leider schon.

Alkoblog.de Whisky-Test: Bowmore Black Rock

Gestaltung
Geruch
Geschmack
Preis-Leistung

Fazit von Lukas: Der Name "Black Rock" passt für diesen Whisky wie die Faust aufs Auge: Denn so wie der schwarze Felsen in der Bucht von Islay nur ein unscheinbarer Steinhaufen ist, so strahlt auch dieser NAS-Whisky keine Größe aus. Ja, der typische Bowmore-Rauch ist da, aber eben nicht mehr: Schmal und viel zu leichtfüßig kann der Black Rock geschmacklich keinen Stich machen. Auch das Sherry-Fass ist kaum zu merken - ehrlich gesagt haben wir erst beim Blick auf den Karton hinterher festgestellt, dass es überhaupt eine Sherry Cask-Lagerung gab. Der bittere Nachhall macht die Enttäuschung perfekt. Ein mittelmäßiger Whisky, der nicht an gute Bowmore-Abfüllungen mit Alter heranreichen kann.

3.4

Enttäuschend



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Über den Autor

Lukas

ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Der Gründer des Alkoblogs liebt intensiven und abwechslungsreichen Whisky und Bourbon. Im Test stellt er aber auch andere Spirituosen wie Rum oder Gin auf die Probe. Und in der Bar darf es auch mal ein klassischer Cocktail sein.


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